EDEN e.V. Rees                                                                  Rees, den 23.11.11


Dipl.-Berg.-Ing. Georg Woede
Blankenburgstr. 4b
46459 Rees

 

An die          
Regierungspräsidentin
Frau Anne Lütkes
Cecilienallee 2
40474 Düsseldorf

 

Betr.:  1. Planfeststellungsverfahren gemäß § 31 WHG;
Antrag auf Ausbau eines Gewässers gemäß § 31 Wasserhaushaltsgesetz (WHG)  
i.V.M. §§ 100 Abs. 3 und 104 Landeswassergesetz (LWG) und der §§ 3,7 und 8
Abgrabungsgesetz (AbgrG NRW) in der Stadt Rees, Gemarkung Haldern,  
Flur10, Flurstücke 66 und 182/68 und
Gemarkung Bergswick, Flur 2, Flurstücke 41, 44, 167, 168, 229, 230, 234, 246,   
247, 253, 261 und 263 für die Erweiterung der planfestgestellten Abgrabung
„Reeser Meer“;

Abgrabung „Reeser Meer, Norderweiterung“

Antrag vom 20. Oktober 2003
Planfeststellungsbeschluss vom 18. April 2006

2. 24. Änderung des Gebietsentwicklungsplanes für den Regierungsbezirk
    Düsseldorf (GEP 99) im Gebiet der Stadt Rees.
( Erweiterung der ASB für zweckgebundene Nutzung im Zusammenhang mit  
der Darstellung einer Erweiterung des Bereiches für die Sicherung und den 
Abbau oberflächennaher Bodenschätze).

 

Sehr geehrte Frau Regierungspräsidentin Lütkes,

der Bebauungsplan „R22, Ferienpark Reeser Meer“ begründete des Ferienhausprojekt mit den geographischen Koordinaten 6°27´E und 51°46´N. Im Stadtplan Rees der 3. Auflage (mit Stand Herbst 2011) (Anlage) ist dieser Planungsbereich nicht benannt. Die Karte zeigt aber im Umfeld von R22 insgesamt 5 Baggerseen mit mehr als 100 m Abmessung. Das sind im Einzelnen:
- das eigentliche Reeser Meer, also der große Restsee der Abgrabung Reeser Bruch
- der hufeisenförmige Teich 400 m westlich davon
- die große Abgrabung der Haffenschen Weiden (der Haffener See) südlich der Haffenschen Landwehr und südlich R22
- der Baggersee beim Gehöft Oertgeskath (Oertges-See)
- die so genannte Norderweiterung, westlich R22 und nördlich des Gehöfts Wolfersom     
      (Wolfersom – See).

Der Wolfersom-See misst zur Zeit (Herbst 2011) rund 400m x 700m = 28ha. Das ist etwa ein Drittel der beantragten  Abgrabungsfläche Norderweiterung. Diese Auskiesung wurde unter zwei Voraussetzungen genehmigt.
Begründung 1 war die Steigerung der Attraktivität der Ferienhaussiedlung Reeser Meer gemäß dem Bebauungsplan R22. Begründung 2 war die Reichhaltigkeit des Kiesvorkommens.

Beide Begründungen haben sich nicht als stichhaltig erwiesen. Damit entfallen die formal
rechtlichen und materiellen Voraussetzungen der Abgrabung. Folglich muss die Auskiesung sofort gestoppt werden und die Rekultivierung beginnen.

Die Stadt Rees rührte schon vor 30 Jahre die Werbetrommel für eine Ferienhaussiedlung Reeser Meer und gewann die Unterstützung übergeordneter Behörden. In dem Zusammen-
hang überspielt Rees die mangelhafte Eignung des Baugrunds.

Das aufgeschüttete Bodenmaterial des Reeser Bruchs hat eine sehr geringe Wasserleitfähigkeit und lässt Regenwasser nicht versickern. Darauf wies der Kreis Kleve schon am 27. Juli 1999 unter dem Aktenzeichen 6.1-6170-01-11 hin (Anlage), Zitat: eine Versickerung des Niederschlagswassers ist nicht möglich. Die Versickerung des Niederschlagswassers ist aber gesetzlich vorgeschrieben. Für das Problem konnte das Reeser Bauamt bisher keine Lösung finden.

Abgesehen von den rechtlichen Vorbehalten ist auch keine Entsorgung des Niederschlagswassers in Sicht. Denn der Abwasserbetrieb der Stadt Rees begrenzt den maximalen Fluss einer Abwasserdruckleitung (von nur 16 cm Durchmesser) auf 6,8 Liter je Sekunde (24 Kubikmeter je Stunde), siehe Stellungnahme vom 3. August 2011 (Anlage).

Wie man im Bebauungsplangebiet R22 das Niederschlagwasser beseitigen kann, wurde noch nicht geklärt. Die Frage stellt sich auch genau so für die denkbare Option eines Camping-Platzes. Das Niederschlagswasser beeinträchtigte die Ferienhausplanung unter anderem deshalb, weil Rees nicht zügig entschieden hatte, also bevor die Versickerungsforderung Gesetz wurde.

Aber auch bei rechtzeitiger Planung wäre die Ferienhaussiedlung nicht zu Stande gekommen. Das Geologische Landesamt hatte bereits in den Jahren 1999/2000 die Schwächen des Baugrunds dokumentiert. Daraus zieht der Geologische Dienst NRW als Rechtnachfolger den Schluss, dass bauliche Sicherungsmaßnahmen und weitere Bodenuntersuchungen unverzichtbar sind; siehe Schreiben des Geologischen Dienstes vom 25. Juli 2011 (Anlage),
Gesch.Z. 31.130/5249/2011, Ziffern 5 und 6. Die mangelhafte Standsicherheit des Baugrunds ist geeignet, jeden realistischen Projektentwickler zu verschrecken. Bislang hat noch keiner der angetretenen Investoren das Risiko in Kauf genommen.

Zu den Standard-Forderungen der Stadt Rees zählte der Durchstich der Haffenschen Landwehr, um ein großes zusammenhängendes Segelgewässer vorweisen zu können. Es hieß, sonst hätte der Ferienpark keine Chance. Ganz plötzlich im letzten Drittel des Septembers 2011 sagte der Reeser Bürgermeister Gerwers den Durchstich aber ab und damit auch die Ferienhaussiedlung. Folgende Schlagzeile aus der Lokalpresse bringt die Überraschung auf den Punkt: Fisch riss Ferienpark in die Tiefe, siehe NRZ (Emmerich) vom
5. November 2011 (Anlage). Fakt ist, es wurden die kleinen geschützten Fischarten Bitterling und Steinbeißer  in der Landwehr gefunden. Bürgermeister Christoph Gerwers akzeptiert jetzt die Haffensche Landwehr in ganzer und unverletzter Länge als erhaltenswerten Lebensraum. Er verzichtet auf die Klage gegen die Naturschutzverbände und beerdigt so die Illusion eines riesigen zusammenhängenden Segelgewässers.

Das eigentliche Reeser Meer sollte sich nach der Wunschvorstellung nicht nur zum großen Baggersee im Süden öffnen sondern auch westwärts hin, nämlich zur Norderweiterung. Als Lärmschutz für die Ferienhäuser schreibt der Kreis Kleve mit der Planfeststellung „Abgrabung Reeser Meer Norderweiterung“  einen 4m hohen Lärmschutzwall im Uferbereich des Feldes 1 vor, siehe Seite 40 der Planfeststellung vom 18. April 2006 (Anlage).

Das Baufeld ist mittlerweile ausgeräumt; aber der Lärmschutzwall fehlt noch immer. Die Kiesfirma erfüllte nicht ihre Verpflichtung, und die Stadt Rees ließ das zu. Auch daraus ergibt sich, dass weder die Kiesfirma Holemans noch die Stadt Rees das Projekt Ferienhaussiedlung nachhaltig betrieben.

Die Ferienhaussiedlung Reeser Meer hatte weder technisch noch in der Intention der Beteiligten eine reelle Chance. Damit entfällt die Berechtigung, die Abgrabung Norderweiterung weiter auszukiesen.

Als zweite Begründung für die Abgrabung Norderweiterung war ein reiches Kiesvorkommen genannt worden. Dieses Lob der Lagerstätte prangt auch auf einem Schild am Zugang zur Norderweiterung. Inzwischen sprach sich aber herum, dass das Unternehmen weniger verkaufsfähige Körnung baggert, als sie erwartet hatte. Das Gerücht ist glaubwürdig, weil die Lagerstättenerkundung unzureichend war und nicht dem Stand der Technik entspricht.

Als Vergleich eignet sich das Bohrprogramm der Kiesfirma Hülskens vom Jahr 2011 im Grindsee. Der liegt weiter südlich aber noch auf Reeser Territorium bei 6°26´E und 51°44´N. Die Bohrlochdichte beträgt 1 Bohrloch je Hektar, und es werden Bohrkerne mittels Kernschlagbohrung gewonnen und untersucht. Soviel Untersuchungsaufwand meinte die Holemans-Gruppe nicht nötig zu haben.

Aus dem Antrag für die Norderweiterung ergibt sich die Bohrlochdichte von einem Bohrloch auf 5,3 Hektar, also weniger als ein Fünftel des Grindsee-Wertes. Außerdem wurden im Bereich der Norderweiterung nur Spülbohrungen niedergebracht, und die liefern keine Bohrkerne. Erkundungsbohrungen ohne Bohrkerne lassen nicht erkennen, wie viel Schluff (und auch Tonlagen) die überwiegend kiesigen Schichten verunreinigen. Der Anteil der verwertbaren Körnung im jeweiligen Bohrlochvolumen ist also Glaubenssache.

Mit den Erkundungsbohrungen war eine Brunnenbaufirma beauftragt, die ihre Bohrungen überwiegend am Rand und an den Wegen niederbrachte. Dabei fiel mehr als die Hälfte auf den Rand der Norderweiterung. Diese Randbohrungen können nur mit dem Faktor ½ in die Mitteilung einbezogen werden. Tut man das, so errechnet sich die oben erwähnte Bohrlochdichte von einer Bohrung auf 5,3 Hektar. Bezogen auf ein quadratisches Muster ergibt das die Rasterweite 230 m. Die Bohrpunkte sind aber sehr unregelmäßig verteilt, und die Schichtmächtigkeiten variieren erheblich zwischen benachbarten Punkten. Die Schichten-
verzeichnisse der Lagerstätte finden sich im Hydrogeologischen Gutachten des Antrags. Der Gutachter liefert leider weder die statistische Auswertung noch die lagerstättenkundliche Beurteilung.

Der Antrag lieferte dennoch eine Massenbilanz, und zwar in der Tabelle C/1 der Umweltver-
träglichkeitsstudie (Anlage). Es handelt sich um Mittelwerte auf Basis der Schichtenverzeichnisse. Leider fehlen der Anteil verwertbarer Förderung und die Schwankungsbreite der Schichtmächtigkeiten. Für die Abbauplanung bedeutet die Menge verwertbarer Förderung das A und O. Außerdem gelten Mittelwerte als wenig aussagekräftig, wenn sie nicht um die Schwankungsbreiten ergänzt sind. Im Fall der Norderweiterung beträgt die gemittelte Summe der kiesigen Schichten zwar 11,4 m; aber in den Bohrungen schwanken die Werte zwischen 6 m und 15 m. Das ist keine Kleinigkeit.

Die Planfeststellungsbehörde hätte die Mängel beanstanden und deren Beseitigung erzwingen müssen. Der Kreis Kleve unterließ das. Wegen des Versäumnisses müsste die Planfeststellung korrigierbar sein.

Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit ist es unsinnig, gutes Ackerland und guten Grundwasserspeicher für ein minderwertiges Kiesvorkommen zu opfern.


Die Bürgerinitiative EDEN e.V. beantragt deshalb:

1. die Überprüfung der 24. Änderung des GEP im Gebiet der Stadt Rees   
      (Erweiterung der ASB für zweckgebundene Nutzung im Zusammenhang mit 
      der Darstellung
      Einer Erweiterung des Bereiches für die Sicherung und den Abbau 
      oberflächennaher Bodenschätze) „Reeser Meer, Norderweiterung“.

2. die Überprüfung der Planfeststellung des Kreises Kleve Abgrabung „Reeser   
      Meer, Norderweiterung“ vom 18. April 2006.

 

Mit freundlichem Grüßen

 

Dipl.-Berg.-Ing. Georg Woede
für den Verein EDEN e.V.

 

 

 

P.S. Eine Kopie dieses Schreibens wird
       1. zur Information an die Ministerpräsidentin des Landes NRW Frau Hannelore Kraft 
           weitergeleitet,
       2. an die Lokalpresse Emmerich-Rees

 

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