EDEN e.V. Rees                                                                                                      07.02.2011

Dr. Leo Rehm

Bergswick 9

46459 Rees

www.eden-niederrhein.de

 

 

 

SPD Fraktionsbüro
Rathaus

46467 Wesel

 

 

Betr.: NRZ- u. RP-Berichte in den Lokalausgaben Wesel und Emmerich-Rees von Mo,   31.01.2011 und Mi, 02.02.2011 wg. Kiesabgrabung

 

Sehr geehrter Herr Hovest, sehr geehrte Mitglieder der SPD-Ratsfraktion Wesel,

 

gestatten Sie mir als Vertreter der Bürgerinitiative EDEN e.V. Rees einige Anmerkungen zu Ihrem Standpunkt gegenüber den Kiesabgrabungswünschen der Kiesindustrie in Bislich-Vahnum, die auch Reeser Interessen berühren. EDEN ist eine unabhängige Bürgerinitiative, die sich seit 2004 vor dem Hintergrund sich immer weiter ausdehnender Abgrabungen besonders in der Region zwischen Wesel und Rees, aber auch darüber hinaus für einen anderen Umgang mit unserer Heimat einsetzt.

 

Natürlich ist auf den ersten Blick zu verstehen, dass die Mitarbeiter der Kiesfirmen und der davon abhängigen Betriebe Angst um ihre Arbeitsplätze haben, und Sie sich gerade als SPD diese Angst zu Eigen machen. Das Arbeitsplatzargument relativiert sich aber, wenn Sie sich bewusst machen, dass der Kiesindustrie noch 30 Jahre lang Abgrabungsflächen zur Verfügung stehen. Gleichzeitig werden jedoch Arbeitsplätze gerade durch diese Abgrabungen in der Landwirtschaft und in vor- und nachgelagerten Bereichen dauerhaft vernichtet. Z.B in Rees 24 Arbeitsplätze pro 100 ha (Zahlen der Landwirtschaftskammer). Für Wesel werden ähnliche Zahlen gelten.  Das Arbeitsplatzargument, so verständlich es für die Betroffenen in der Kiesindustrie ist, stellt doch die Argumentationskette für eine Abgrabung auf den Kopf. Das Ergebnis ist doch, dass weiter unumkehrbar zerstört und unwiederbringbar ausgebeutet wird – mit allen ökologischen und ökonomischen Nachteilen, die die Gesellschaft als Folge in der Zukunft zu tragen hat. Viel besser und zukunftsorientierter wäre es doch für die Kiesindustrie vor dem Hintergrund der immer größer werdenden Belastung für unseren Niederrhein und der Endlichkeit der Ressource Kies sich der Herausforderung einer Umstrukturierung zu stellen. Besser jedenfalls als die Zeichen der Zeit nicht zu erkennen und die Energie in aberwitzige Werbekampagnen zu vergeuden. Viele große und kleine Betriebe in den verschiedensten Sparten haben einen Wandel in der Vergangenheit auch geschafft.

 

Die touristische Folgenutzung ist doch Illusion, ein durch ständige Wiederholung heraufbeschworener Nimbus. Es gibt doch in der näheren links- und rechtsrheinischen Umgebung genügend negative Beispiele. In Rees ist es die Ferienparkidee „Bad Himmelblau“, die einst für die Genehmigung der „Norderweiterung“ des Reeser Meeres herhalten musste. Was ist davon übrig geblieben: Nichts, außer ein weiterer toter Baggersee. Verbreitete Visionen einer ökonomisch einträglichen touristischen Folgenutzung sind doch,

 

 

 

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wenn man realistisch abwägt, Luftschlösser, die doch nur als Vehikel dienen sollen für weitere Abgrabungsgenehmigungen.

 

Was wird mit dem geförderten Kies gemacht? Er wird doch zu 80% über die Grenze nach Holland verbracht und von dort sogar teilweise in Arabische Länder verschifft. Wer soll denn da ein Interesse an einer für hier vor Ort verbesserten Wertschöpfungskette haben, wo es doch viel einfacher ist, unsere endliche wertvolle Kiesressource als Billigprodukt in die ganze Welt zu verteilen. Gerade der Kieseuro könnte doch, zielgebunden eingesetzt, z.B. die Förderung von Entwicklungen beim Recycling im großen Stil unterstützen. Wir haben doch schon die Möglichkeit beim Recycling, Stoffe bis ins kleinste Ursprungsadditiv (z.B. bis zum wieder verwertbaren Zement) aufzuspalten.

 

Deichsanierung mit Hilfe der Kiesindustrie: Hier wird doch ganz offensichtlich, welches Vehikel für die Genehmigung der seit langem gewünschten Abgrabung Vahnum eingesetzt wird. Hierbei wird mit den berechtigten Ängsten der Bevölkerung und der Entscheidungsträger um einen sinnvollen effektiven Hochwasserschutz gespielt. Ein wirksamer Hochwasserschutz durch Anlegen einer Retentionsfläche in Folge einer Deichrückverlegung (besonders wie in Vahnum so nahe am Rhein beabsichtigt) kann doch nur wirklich effektiv sein ohne Abgrabung, nämlich auf fester Deckschicht. Planungsgutachten diesbezüglich sollten kritisch dahingehend geprüft werden, ob sie von Planungsbüros erstellt worden sind, die auch Auftragnehmer der Kiesindustrie und des Deichverbandes sind. Sollte das der Fall sein (wie bei der beabsichtigen Nichtwiederverfüllung „Reckerfeld“ im benachbarten Rees-Mehr, Firma Hülskens), ist anzunehmen, dass sich das beauftragte Planungsbüro in einem Zielkonflikt befindet und somit nicht neutral sein kann. Die Mindestanforderung wäre, ein unabhängiges neutrales Gutachten zu erstellen. Hochwasserschutz brauchen wir, aber er muss ehrlich sein!

Und wer sind denn „Alle“, die sich angeblich wegen Vahnum schon einig sind? Ich glaube, die Bevölkerung ist nicht gefragt worden. Unterhalten Sie sich doch mal mit den Leuten (besonders mit den Betroffenen vor Ort), dann werden Sie erfahren, dass breite Schichten der Bevölkerung diesen Raubbau an unserer Heimat nicht mehr wollen, vor allem nicht mit vorgeschobenen Argumenten.

 

Immer mehr Menschen wird bewusst, dass wir hier in der Region inzwischen eine Grenze überschritten haben, eine Grenze der Vernunft und des Zumutbaren. Es gibt hier andere Möglichkeiten als diesen groß angelegten Raubbau an unserer Heimat mit all seinen ökologischen und ökonomischen Nachteilen.

Deshalb mein Appell an Sie als SPD-Ratsfraktion: Lassen Sie sich nicht durch vordergründige Argumente vor einen Karren spannen. Reihen Sie sich ein in die Riege derjenigen, die beim Thema Abgrabung schon längst umgedacht haben.

 

Mit freundlichem Gruß

 

 

Dr. Leo Rehm

EDEN e.V. Rees

 

Als Anlage gebe ich Ihnen zu Ihrer Verfügung den 4-Minuten-EDEN-Film „Kiesabbau am                          Niederrhein – Eine Kulturlandschaft wird zerstört“

Diesen Brief werde ich als offenen Brief an die Presse weiterleiten.

 

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