Kiesbekenntnis der Kiesbranche im Nov.2010 Leserbrief 27.11.10

 

Nach dem ich in Ihrer Ausgabe vom 25.11.2010 von dem Bekenntnis der 13 Kiesabbauunternehmen gelesen und auf etwas Neues gehofft habe, war ich nach der Lektüre schwer enttäuscht.

Es wird wieder nicht auf die Nachteile des Kiesabbaus eingegangen. Es wird wieder nicht darauf eingegangen, dass es für den Raubbau an der Natur des Niederrheins durchaus Alternativen gibt, mit denen sich zu beschäftigen die 13 Unternehmer bereit wären. Es wird wieder nicht darauf hingewiesen, dass der Erhalt der Arbeitsplätze in der Kiesindustrie mit der Vernichtung von Arbeitsplätzen an anderer Stelle einhergeht. Es wird wieder nicht darauf hingewiesen, dass die Qualität unseres Grundwassers (bis jetzt das gute Trinkwasser der Menschen am Niederrhein) durch den Kiesabbau kontinuierlich verschlechtert wird und die Niederrheiner irgendwann mal die teuren Wasseraufbereitungskosten zu bezahlen haben. Es wird wieder nicht eingestanden, dass durch die vielen Baggerlöcher der Charakter der Niederrheinischen Landschaft massiv zerstört wird.

 

Stattdessen wird windmühlenartig versucht, den Lesern zu vermitteln, wie die Wohltaten aussehen, die der Niederrheiner den Kiesabgrabungen zu verdanken hat.

Da ist mal wieder die Rede vom Erhalt von 10.000 Arbeitsplätzen, von der Schaffung von touristischen Konzepten, von der Verbesserung des Hochwasserschutzes und den Belangen des Naturschutzes. Das dem wirklich so ist, wird durch stetige Wiederholungen auch nicht nachvollziehbar.

 

Dass den Kiesunternehmen der „Kies -Euro“ ein Dorn im Auge ist, ist für jeden wirtschaftlich denkenden Menschen durchaus nachvollziehbar. Aber der Obolus soll doch nur verhindern, dass der Kies zu einem Ramschpreis in riesigen Mengen (allein jeden Tag über 7.000 LKW Ladungen per Schiff in Richtung Niederlande) verhökert wird. Wenn der Kies nicht so extrem billig wäre, würden die geschäftstüchtigen Holländer ihn nicht in derartigen Mengen einführen. Der Kies muss teurer werden, damit die Alternativen, wie z.B. Recycling, preislich überhaupt eine Chance bekommen. Dass die 13 Firmen darüber überhaupt nicht öffentlich nachdenken, ist ein Beweis dafür, dass mit den Alternativen zur Zeit kein Geschäft zu machen ist. Aber Arbeitsplätze kann man damit allemal sichern.

 

Nun sind die Damen und Herren der Kiesbetriebe darüber empört, dass man in Düsseldorf (aber nicht nur dort) als „Raubbau“ bezeichnet, was hier am Niederrhein geschieht. Die Abgrabungen würden ja schließlich mit behördlicher Genehmigung erfolgen. Dass die Abgrabungen des Kieses nichts mit dem „kriminellen Raub“ zu tun haben ist dabei wohl ohne Zweifel. Aber ein Raubbau ist es deswegen sehr wohl. Die Damen und Herren der 13 Firmen sollten sich mal im Lexikon ansehen, was dort darüber geschrieben steht. Zitat: „Unter Raubbau versteht man die Nutzung natürlicher Ressourcen (Natur- und Bodenschätze) ohne Rücksicht auf die Folgewirkungen. Raubbau ist am kurzfristigen Gewinn orientiert, wobei er in der Folge eine langfristige Nutzung erschwert oder gar verhindert. Im Gegensatz dazu steht die Nachhaltigkeit“. Ende des Zitats. Und genau das geschieht hier am Niederrhein, und dem ist nichts hinzuzufügen.

Rüdiger Helmich Rheinpromenade 39 46446 Emmerich am Rhein.

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