Wesel/Rees Kies-Markt Niederlande ist eingebrochen

VON FRITZ SCHUBERT UND SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 16.10.2013

Wesel/Rees (RP). Hülskens baut massiv Stellen ab, weil Abgrabungsgenehmigungen fehlen. Auch andere Auskieser haben Probleme. Vor allem die Baukrise im Nachbarland setzt den Unternehmen zu. Die Holemans-Gruppe plant noch keine Entlassungen.

Am Werk am Reeser Meer kann die Holemans-Gruppe noch einige Jahre Kies fördern. Neue Flächen zu finden, wird schwierig. "Problem ist vor allem, dass der Markt in den Niederlanden weggefallen ist", sagt Michael Hüging-Holemans (2.v.r.).

Am Werk am Reeser Meer kann die Holemans-Gruppe noch einige Jahre Kies fördern. Neue Flächen zu finden, wird schwierig. "Problem ist vor allem, dass der Markt in den Niederlanden weggefallen ist", sagt Michael Hüging-Holemans (2.v.r.).

Die Krise im Kiesgeschäft ist kein Solo-Problem der Weseler Firma Hülskens, die bis zu 70 Stellen abbauen will (RP berichtete), sondern betrifft die ganze Branche. Das bestätigte gestern Michael Hüging-Holemans, Geschäftsführer der Holemans-Gruppe aus Rees, die in Wesel unter anderem für den Diersfordter Waldsee zuständig ist. "Im Moment ist mit Kies kein Geld zu verdienen. Was wir einnehmen, verlieren wir in den Niederlanden."

Knackpunkt sei, dass der Markt im Nachbarland zusammengebrochen ist. In den Niederlanden gebe es nun Probleme wie vor einigen Jahren in den USA, wo lockere Kreditvergabe zu einer Immobilien-Blase geführt habe, die geplatzt sei. "Die Bautätigkeit in den Niederlanden ist nahezu halbiert", berichtet Hüging-Holemans.
Wesel bedauert

Haarmann: Stadt hat für Pettenkaul alles versucht

Machtlos "Mit großem Bedauern", so Beigeordneter Dirk Haarmann gestern, nehme man die Entscheidung bei Hülskens zur Kenntnis. Für die Abgrabung Pettenkaul habe Wesel "alles versucht", aber Oberbehörden seien nicht gefolgt.Hilfe Gern wolle man dem Unternehmen helfen, sagte Haarmann, sei jedoch an Ausschreibungen gebunden. Aber man kenne Hülskens "als solide und konkurrenzfähig".

"Es ist eine schwierige Lage", sagte er. In Rees will das Unternehmen versuchen, ohne Entlassungen auszukommen. "So etwas ist immer ein schwerer Schritt und das letzte Mittel. Aktuell gelingt es uns, die Situation zu kompensieren." So ist der Betrieb an der Kiesanlage Reeser Meer auf ein Ein-Schicht-Verfahren umgestellt worden. Reduziert wurde die Zahl der Saisonkräfte.

Wie Hülskens klagt auch Hüging-Holemans, dass sich die Lage verschärft, wenn Abbau-Flächen ausgehen. Am Reeser Meer könne man bis noch mindestens 2020 auskiesen. Doch längst schaut sich das Unternehmen wegen der restriktiven Ausweisung neuer Flächen durch die Politik in anderen Regionen um. Bei Köln gräbt Holemans bereits ab. In Osnabrück steht eine Genehmigung an.

Jörg Hüting, Mitglied der Hülskens-Geschäftsführung, sieht den schwindenden Absatz gelassener. In mehr als 100 Jahren Firmengeschichte habe man permanent Schwankungen erlebt und gemeistert: "Hauptabnehmer ist die Betonindustrie, Hauptbauherr der Staat. Wenn öffentliche Kassen leer sind, wird nichts gebaut. Das ist endlich, denn irgendwann wird ein Reformstau aufgelöst. Wenn wir aber keine Genehmigungen mehr kriegen, ist die Perspektive nicht so schnell revidierbar." Hülskens habe mal neun Kiesbetriebe gehabt, sagte Hüting. 2015/16 würden es nur noch vier bis fünf sein. "Man kann nicht ein Werk nach dem anderen schließen und die Mannschaft gleichhalten."

Ob mit der Kündigungswelle eine Drohkulisse aufgebaut wird, um doch noch eine Änderung des Landesentwicklungsplans zu erreichen, fragte gestern SPD-Kreistagsmitglied Wilfried Fenske (Hamminkeln). Jörg Hüting wies den Vorwurf entrüstet zurück. Es passe nicht zur Kultur des Hauses, mit dem Schicksal von Familienvätern zu spielen.

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