Emmerich  23.03.2013
Widerstand vernetzt sich über die Ortsgrenzen

Isselburg. Das Thema bewegt die Menschen. Der Andrang im PZ der Verbundschule war so groß, dass nicht alle Interessierten einen Sitzplatz fanden. Über 300 Besucher waren gekommen, um ein Bürgersymposium zum Kiesabbau zu verfolgen. Nach der Begrüßung durch die drei Vorsitzenden der einladenden Bürgerinitiativen - Klaus Awater (Eden), Werner Brand (Dinxperwick) und Michael Kempkes (Isselburg 21) - informierte Dr. Leo Rehm (Eden) anhand eines Films über die Machenschaften der Kiesindustrie am Unteren Niederrhein.

Am Anfang des Kiesabbaues hätte man sich darüber noch keine großen Gedanken gemacht, aber mittlerweile würde seit Jahrzehnten abgebaut, immer größere Wasserwüsten würden entstehen und der Niederrhein ohne Respekt vor der Natur ausgebeutet. Wertvolles Ackerland sei für immer verloren. Am Beispiel des Reeser Meeres zeigte Klaus Awater auf, wie das Blaue vom Himmel versprochen wurde.
Zerstörung von Arbeitsplätzen

Dass es nicht unbedingt notwendig ist, Kies abzubauen, sondern aus Bauschutt Kies und Zement zurückgewonnen werden kann, darüber referierte Dr.-Ing. Helmut Spoo. Auf die Frage eines Zuschauers, wie teuer das denn wäre, musste Spoo eingestehen, dass Kies und Zement auf diese Art der Gewinnung zwar um einiges teurer wäre, aber der Preis einer zerstörten Landschaft könne mit Geld nicht aufgewogen werden.

Die Fragen nach der Generationengerechtigkeit und den ökologischen Auswirkungen des Kiesabbaus beantwortete Michael Kempkes, die künftige Generation würde irgendwann zu Recht fragen, warum auf einer Wiese keine Blumen mehr blühen? Warum es immer weniger Schmetterlinge und Insekten gäbe? Man immer weniger Vögel singen höre? Die Verarmung der Natur und die Abnahme der Biodiversität sei selbstverständlich nicht alleine der Kiesindustrie anzulasten, sie sei vielmehr das Ergebnis eines beinah ungebremsten Flächenverbrauches. Die Widerständler in den Bürgerinitiativen jedoch kämpften für den Erhalt ihrer Heimat, für sich und für kommende Generationen.

Herwig Scholz von der Landwirtschaftskammer NRW erklärte in seinem Referat, dass die Umgestaltung der Landschaft nicht nur optische Folgen hätte, sondern auch enorme Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Es sei nur eine Frage der Betrachtungsdauer, wann der Kiesabbau mehr dauerhafte Arbeitsplätze abgebaut habe, als er selber unterhält.

Irmgard Middelberg-Handler informierte über die Bürgerinitiative „Erhaltet Hunteburg“ (Niedersachsen) und deren Kampf gegen den Kiesabbau. In Hunteburg hätte man die Erfahrung gemacht, dass es für den Erfolg der Arbeit wichtig sei, frühzeitig um die Unterstützung aller Bürger sowie der Umweltverbände zu werben und die Forderungen den politischen Mandatsträgern auf Gemeinde-, Kreis- und Landesebene zu erklären. „In Hunteburg haben wir erste Teilerfolge erzielt,“ sagte sie. „Wir sind nun zuversichtlich, dass es keine Genehmigung für den Kiesabbau in Hunteburg gibt.“

Von Brigitte Tausche

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