Getrübter Blick über den Rhein
VON CHRISTIAN HAGEMANN - zuletzt aktualisiert: 24.08.2012

Emmerich (RP). Empörung gestern an der Promenade: Die Nachricht, dass sich Abgrabungen gegenüber der "Meile" vermutlich nicht vermeiden lassen, trifft den Nerv der Bevölkerung. Einziger Trost: Die Baustelle wird nur zwei Jahre dauern.

2016 wird es vermutlich die Genehmigung für die Abgrabungen auf der anderen Rheinseite geben. Wie gestern berichtet, will das Land die Wasserrahmenrichtlinien der Europäischen Union auch bei uns umsetzen. Dafür soll nach 2016 eine Nebenrinne am Rhein gegraben werden. Auch eine Tieferlegung des Rheinufers ist möglich.

Was nicht sein soll: "Es wird hier keine Auskiesung wie bei einem Baggersee geben", betont Jörg Hüting von der Firma Hülskens. Diese hat bekanntlich Probebohrungen am anderen Rheinufer gemacht.

Bürgermeister Johannes Diks ist bislang gelassen und will das Verfahren auf sich zukommen lassen. Kontakt mit Kalkar wird die Stadt allerdings aufnehmen müssen. Schon um schlimme Eingriffe in die Landschaft zu verhindern. Zumindest sollte der Versuch unternommen werden.
Ob er gelingt? Der Fall erinnert ein wenig an die Stadt Rees, die sich vor Jahren dagegen zu wehren versuchte, dass der Kühlturm vom Kernwasser-Wunderland einen Anstrich mit Alpenmotiven bekommt. Viele Reeser stören sich bis heute an dem Anblick, der schlichtweg nicht in die niederrheinische Landschaft passt. Und der leider von Rees aus gut zu erkennen ist, wenngleich es sich auch hier um Kalkarer Stadtgebiet handelt.
Alle Versuche der Reeser, den unschönen Anblick zu stoppen, sind bislang ohne Erfolg geblieben. So ähnlich wird es möglicherweise auch den Emmerichern gehen. Sie müssen mit dem Blick auf die Großbaustelle leben. Einfluss nehmen können sie darauf wohl kaum.
Im Übrigen könnte sich auch die Stadt Kalkar nur schwer gegen die Umsetzung der EU-Richtlinie an ihrem Rheinufer zur Wehr setzen. Gegen das Vorhaben einer ökologischen Aufwertung, die in diesem Fall natürlich mit der Verwertung der Kiesbestände im Boden einherginge, kann eine Kommune nur schwer Einwände erheben. Zumal nur wenige Grundstückseigentümer betroffen wären. Und möglicherweise haben diese gar nichts dagegen, ihre Flächen zu verkaufen, wenn es so weit ist.

An der Emmericher Promenade jedenfalls stoßen solche Gedankenspiele schon jetzt auf Ablehnung. Gastwirte und Besucher, die die RP gestern befragte, waren sich einig: Dieser Anblick wertet die Promenade ab. Das einzig Positive: Eine ein- bis zweijährige Baustelle ist irgendwann auch mal vorbei.

 

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