Bohrturm sorgt für Aufsehen
21.08.2012 /


Rüdiger Helmich wohnt an der Rheinpromenade. Etwas fiel ihm in den letzten Tagen auf. Mitten auf den linksrheinischen Rheinwiesen zwischen Coprayer Hof und Grieth hat er einen Bohrturm ausgemacht: „Wird da nach Gas gebohrt, oder hat das was mit Auskiesung zu tun?“ fragt nicht nur er sich.

Recherchen der NRZ ergaben, dass dort die Weseler Firma Hülskens tätig geworden ist. „Mit dem Bohrgerät werden Bodenproben gewonnen über die Frage der Zusammensetzung des Bodens“, sagte Jörg Hüting. Es wird auch untersucht, in welchen Tiefen Abraummaterial sowie Sand und Kies anzutreffen sind. „Bis zu 15 Probebohrungen dürfen die in dieser Gegend machen“, sagte Kreissprecher Eduard Großkämper.

Hüting stellt aber gleich klar: „Das ist keine Abgrabungsfläche.“ Der Bereich sei in der Landesplanung weder als Auskiesungs-, noch als Sondierungsfläche ausgewiesen.  

Hintergrund sei vielmehr die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie zur Ökologisierung von Flussgebieten. „Damit kennen wir uns aus, das können wir“, so Hüting: „Die Wasserrahmenrichtlinie muss gemacht werden, die EU fragt nach.“

Die Firma Hülskens tritt mit ihren Bohrungen – auf eigenen Flächen und dort, wo man sie lässt – in Vorleistung. „Wir möchten mit der Landesregierung und den Beteiligten vor Ort ins Gespräch kommen, um gemeinsam ökologische Projekte zu realisieren“, sagt Hüting. Das könnte die Tieferlegung des Rheinufers sein, wo „ein Haufen Material“ auf Lkw oder Schiffen verladen werden müsste. Wenn man dem Fluss mehr Platz schafft, hat das auch den Effekt, dass man der Rheinsohlenerosion begegnet: „Der regulierte Rhein kann sich nur nach unten ausleben, jedes Jahr gräbt er sich ein bis zwei Zentimeter tiefer.“

Mit fatalen Folgen für Flora und Fauna, weil auch das Grundwasser immer mehr absinkt. Die EU-Richtlinie schreibe vor, Flussgebiete wieder ihrem Erhaltungszustand zuzuführen.

Nur Ökologie also, keine eigentliche Abgrabungsfläche. Die Rheinfront gegenüber Emmerich ist in einer Karte des Reeser Vereins „Eden - Erhaltet den einzigartigen Niederrhein“ als Wunschfläche der Kiesbranche ausgewiesen.

Bild 1:
Probebohrung auf dem Emmericher Eyland „Gönne Kant“ durch die Firma Hülskens aus Wesel.

 

Autor: Von Norbert Kohnen   Emmerich.

 

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