GRENZLAND AM RHEIN
Streit um Kies auf der Wahlkampftour

VON MARKUS BALSER


Friederike Janitza (4.v.l.) im Gespräch mit Marco Bonnes. Rechts daneben:


Beim Besuch der Grünen Bundestagskandidatin Friederike Janitza in
Rees ist es zum Streit zwischen Mitgliedern von Bürgerinitiativen und
dem Hülskens-Sprecher gekommen. Von der öffentlichen Tour wurde
er ausgeschlossen.


REES/KREIS KLEVE | | Friederike Janitza ist eine politische Newcomerin.
Erst vor drei Jahren trat sie der Partei Die Grünen bei. Bei den Bürgermeisterwahlen
in Rheurdt schrammte sie im vergangenen Jahr knapp an
der Stichwahl vorbei, jetzt möchte sie die erste Bundestagsabgeordnete
der Grünen aus dem Kreis Kleve werden.
Um sich auch auf der rechten Rheinseite bekannter zu machen, war sie
am Sonntag in Rees. Der Ortsverein hatte zu einer Fahrradtour eingeladen,
die auch zur Reeser Welle führte, jener geplanten Abgrabung bei Esserden,
gegen die sich viele seit Jahren heftig wehren.
Gut 25 Teilnehmer waren zu der Radtour gekommen, darunter Mitglieder
von Bürgerinitiativen, aber auch weitere interessierte Bürger. Einer
von ihnen war Tobias Höffner. Er ist Unternehmenssprecher bei der Weseler
Firma Hülskens, jenem Unternehmen, das die „Reeser Welle“ gerne


umsetzen möchte. „Als ehemaliger Journalist interessiere ich mich stets
für beide Seiten einer Geschichte. Das war mein Antrieb, den Weg von
Bislich nach Rees zu fahren, um dort eine öffentliche Veranstaltung der
Grünen zu besuchen“, schildert Höffner.
Die Stimmung auf der Radtour sei zunächst sehr freundlich gewesen –
bis sich Höffner als Mitarbeiter der Kiesbranche zu erkennen gegeben
habe. Vor allem mit Mitgliedern der Bürgerinitiativen gab es emotionale
Diskussionen. „Die Stimmung bekam einen deutlichen Knacks“, so Höffner,
der dann mit Fragen konfrontiert worden sei wie „Was für ein
Mensch muss man sein, wenn man für so eine Firma arbeitet? Haben Sie
Kinder? Wie können Sie dann so was tun?“ Schlussendlich sei er freundlich,
aber mit klarer Botschaft von der Tour dann ausgeladen worden. Ein
Rausschmiss also.
Höffner fragt: „Ging es hier wirklich um einen fairen und sachlichen Informationsaustausch?
Ich hatte den Eindruck, dass meine Argumente gegen
die vorgetragenen Behauptungen – aus politischen Gründen – nicht
gehört werden sollten. Ist das das Verständnis von Demokratie und
Transparenz bei den Grünen in Rees?“
Die wollen das so nicht stehen lassen. Fraktionssprecher Helmut Wesser
räumt zwar ein, dass es emotional zugegangen sei, Höffner sich aber
auch gezielt Vertreter der BIs herausgepickt habe, um mit ihnen Diskussionen
zu führen. „Das war nicht im Sinne unserer Veranstaltung, die dadurch
fast gesprengt worden wäre“, so Wesser.
So sieht es auch Grünen-Ortsverbandsvorsitzender Marco Bonnes. „Wir
scheuen nicht die inhaltliche Diskussion mit der Kiesindustrie. Aber das
können wir gerne bei einer Podiumsdiskussion und nicht bei der Vorstellung
einer Bundestagskandidatin machen.“ Er hält Höffner vor, sich nicht
von Anfang an, sondern erst später „geoutet“ zu haben. „Zu Beginn der
Tour habe ich alle Teilnehmer, die eine Funktion ausüben, vorgestellt.
Das wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, um zu sagen, ,ich bin von der
Kiesindustrie’. So haben sich vor allem die Mitglieder der Bürgerinitiativen
hinters Licht geführt gefühlt“, sagt Bonnes.
Wie emotional also das Thema „Kies“ in Rees diskutiert wird, davon dürfte
sich Friederike Janitza jetzt ein gutes Bild gemacht haben. Eine Verhärtung
der Fronten wünscht sich die Bundestagskandidatin nicht, sondern
eine sachliche Diskussion. Gleichwohl – das Thema sieht sie kritisch.
Gerade angesichts der Flutkatastrophe im Ahrtal.

Reeser Welle: Noch ist nichts entschieden
Das Projekt Die Reeser Welle ist ein Jahrzehnte altes Projekt der Unternehmen
Hülksens aus Wesel und Holemans aus Rees. Dabei geht es um eine etwa
80 Hektar große Abgrabung vor den Toren Esserdens, nahe des Rheins.
Der Verfahrensstand Die Stadt Rees lehnt zwar per Ratsbeschluss jede weitere
Abgrabung auf ihrem Gebiet ab, die Entscheidung über die Genehmigung
muss jedoch der Kreis Kleve treffen. Im Moment ruht das Genehmigungsverfahren,
nachdem der Kreis von den Unternehmen ein hydrogeologisches Gutachten
zu den Auswirkungen der Abgrabung gefordert hat. Es soll voraussichtlich
noch im Laufe des Jahres eingereicht werden.
Umstritten Die Bürgerinitiative Eden und die aus Esserden sind gegen die Auskiesung.
Sie befürchten ein Ansteigen des Grundwassers und Überschwemmungen
bei Hochwasser. Die Unternehmen wollen dem mit einer so genannten
Dichtschürze entgegenwirken. Die Kritiker bezweifeln, dass dies ausreicht.

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