Leser-Klartext  NRZ v. 20.04.2012

Nur noch Wasser


Zum Leserbrief vom 07.April des Herrn Hickl möchte ich mich wie folgt äußern: Dass hier für das Weiterleben der Kiesindustrie alles Mögliche unternommen wird und nur das Positive ihrer Belange dargestellt wird, ist aus Sicht der Kiesindustrie verständlich.

Völlig an der Realität vorbei ist die Behauptung, dass der größte Teil der niederrheinischen Bevölkerung positiv zu diesen Landschaftsveränderungen steht. Dass hier riesengroße Agrarflächen in Wasser umgewandelt und dazu noch bester, fruchtbarer Ackerboden in die bis zu 16 Meter tiefen Löcher geschoben wird, bleibt unerwähnt.

„Waldsee“ – Waldmeer müssste es namentlich heißen, denn er wird immer größer. Bis Bergerfurth, Schüttwich und Bislich zieht er sich inzwischen hin. In Schüttwich wird radikal bis an die Grenzen der Anlieger jeder Quadratmeter genutzt. Die Straße Jöckern hat mit ihren Anliegern hinter ihren Grundstücken Wasser (Waldsee) und rechts von ihrer Straße Wasser bis zur Bergerfurther Straße. Wird das Gebiet Vahnum, das sich bis zur Grenze Mehrhoog hinzieht, genehmigt, dann hat auch die Bislicher Straße links und rechts nur noch Wasser.

Wenn dieser drastische Abbau die nächsten 25 Jahre so fortschreitet, bleibt von unserer niederrheinsichen Landschaft nicht mehr viel übrig. Es gibt keine Kornfelder, keine Bäume, keine Sträucher, kein Niederwild wie Hase, Rebhuhn, Fasan, Rehe usw., keine Vögel.
Jetzt schon ist der Lebensraum für Distelfinken nicht mehr vorhanden. Es verschwinden Agrarflächen von höchstem Anbauwert. Immer mehr Landwirte geben ihre Höfe auf, auch eine schlimme Folge des Abbaus. Der größte Teil der Kiesgewinnung, zirka 75 Prozent, geht ins benachbarte Ausland. Vater Staat und die Kiesindustrie verdienen und der iederrheinische Bürger verliert einen Großteil seiner angestammten Heimat.

Wann werden unsere Kommunen und Politiker wach? Es ist längst fünt vor zwölf. Es gibt noch zig Argumente , die nur Negatives ergeben würden. Das alles hat Herr Hickl uns verschwiegen. Den gesamten Kiesabbau habe ich einem bekannten Weseler Politiker in einer Rundfahrt nahegebracht. Sein Kommentar: Nicht zu fassen, dass hätte ich nicht erwartet. Daraufhin wollte er eine Fahrt mit Kollegen organisieren. Ich habe bis heute nichts mehr davon gehört.

 

Paul Beenen,    Wesel

 

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