Lankern bewahren NRZ vom 05.05.2020

 

Nunmehr zeichnet es sich offenbar zunehmend ab, daß uns das dritte aufeinanderfolgende, durch extreme Trockenheit gekennzeichnete Frühjahr widerfährt. Es fehlt seit 2018  im Schnitt noch immer 1,80 m an Grundwasser (Quelle: Land NRW). Nahezu allerorts “tauchten” bis Ende April auch in diesem Frühling Traktoren auf den Äckern oftmals aus dem staubigen “Nichts” auf.

Ganz besonders fällt mir dieses Phänomen im Raume Lankern auf. Das in weiten Bereichen ackerbaulich bewirtschaftete Lankerner Land führte bei jedweder Bearbeitung zu deutlich sichtbaren Staubfahnen. Darüber hinaus fällt ganz besonders dort ins Auge, dass eine Vielzahl an Bewässerungsanlagen vonnöten zu sein scheint, um bereits jetzt witterungsbedingte Ernteverluste zu vermeiden.

 

Nicht nur vor diesem Hintergrund ausgerechnet in diesem Gebiet noch eine weitere 180 ha-Großabgrabung zu planen, halte ich ökologisch für fragwürdiger denn je. Wenn man darüber hinausgehend berücksichtigt, dass das Wasserwerk Bocholt in Lankern seine  -im dort inzwischen verkleinerten Wasserschutzgebiet- Brunnengalerie betreibt, ist bereits heute eigentlich kaum vorstellbar, dass durch jahrzehntelange, parallel andauernde intensive Kies- sowie Wassergewinnung der -für die Landwirtschaft so wichtige- Landschaftswasserhaushalt um Lankern, dauerhaft unbeschadet davonkommt. Durch die Sonneneinwirkung auf die sehr großen heutigen Wasserflächen der Baggerlöcher, wird viel Grundwasser verdunstet. Dadurch wird der Grundwasserspiegel sicherlich noch weiter abgesenkt (da die Baggerlöcher sich das verdunstete Wasser aus dem Grundwasserspeicher wieder zurückholen). Der Wind verstärkt noch diese Verdunstung.

 

Dieses wiederum könnte mittel- bis langfristig dazu führen, daß es für die Landwirtschaft noch problematischer werden könnte, den verschieden Anbauflächen jeweils noch ausreichend Bodenwasserhaltekraft zur Erzielung der verfügbaren Feldkapazität zukommen zu lassen. Bleibt zu hoffen, dass -wenn sich künftig die Grundwasserverhältnisse noch weitergehend verschlechtern sollten- die Kiesindustrie nicht auch noch in die Verlegenheit gerät, Grundwasser aus ihren bereits heute vorhandenen Lankerner Baggerlöchern zur Bewässerung von Agrarland zur Verfügung zu stellen zu müssen und dieses als gesellschaftlichen und ökologischen Mehrwert darzustellen.

Lasset uns also Lan(d)kern in der heutigen Form bewahren.

 

 

Wilhelm Wißen, Rees

 

 

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