´Dieter Haller 46499 Hamminkeln, den 21.01.2019

NRZ Wesel vom 23.01.2019

-Wer-definiert-was-nötig-ist

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Auf der Podiumsveranstaltung „Informationen zum Regionalplan und zur Landesplanung“ im Parkettsaal der Niederrheinhalle in Wesel sagte Herr Strunk (Hülskens) zum Export von Sand und Kies in die Niederlande, dass der Kies in den Niederlanden oft von schlechter Qualität sei und man helfe ja seinen Nachbarn. Weiter führte er aus, dass wir ja auch Gas aus den Niederlanden bekämen. Diese Aussage ist nur bedingt richtig. Er hätte sagen müssen, dass wir zur Zeit noch Gas aus den Niederlande bekommen.

Ende März 2018 hat das Kabinett in Den Haag beschlossen, die Gasförderung in der Provinz Groningen massiv zurückzufahren und im Jahr 2030 komplett zu beenden. Bis 2050 sollen die Niederlande fossilfrei werden. Das geschah auf starken Druck der Bevölkerung. Die Gasförderung führte zu Erdbeben, die bis heute anhalten. Die Folgekosten für die Schäden sollen bereits insgesamt 6,5 Mrd. € betragen. In einem Bericht vom Nationalen Sicherheitsrat wurde aufgezeigt, dass „alle Institutionen die Gefahren der Gasförderung ignoriert haben“.

Unsere Politiker sollten aus den Erfahrungen in den Niederlanden lernen, die Bedenken gegen den Kiesabbau ernst nehmen und die Abgrabungen reduzieren. Auch haben die Politiker der Niederlande gezeigt, dass kein Land der EU gezwungen werden kann ihre Heimat zu vernichten.

Zur Bedarfsermittlung überprüft das geologische Institut jährlich die Abgrabungen mittels Luftaufnahmen und eines nicht erklärten Tiefen-Messverfahrens, wie viel Kies und Sand entnommen wurde. Aus diesen Werten plus Aufschlag werden dann die neuen Abgrabungsflächen festgelegt. Es wird nicht überprüft, für welche Zwecke diese Mengen verwendet wurden. Es wird auch nicht ausgewiesen, welche Mengen ins Ausland exportiert worden sind. Aber nur an Hand solcher Daten kann sicher festgestellt werden, wie groß der wirkliche Bedarf in Zukunft sein wird. Die Kies- und Sandmengen, welche ins Ausland exportiert werden, müssen von der erfassten Gesamtsumme abgezogen werden, um den nationalen Bedarf festzustellen.

Auf Nachfrage wurde bestätigt, dass die Kiesindustrie bestimmt, wie viele Flächen sie für neue Abgrabungen benötigen - also eine Selbstbedienung ohne Kontrolle.

Die Abgrabungen haben irreversible Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Die Vielzahl z. T. großflächiger Baggerlöcher führt zum Verlust der Speicher-, Filter- und Produktionsfunktion der Böden. Das Freilegen des Grundwassers führt zu hydrologischen Veränderungen sowie zu physikalisch-chemischer Belastung des Grundwassers und somit auch des Trinkwassers!

Es wurde zwar gesagt, dass das Trinkwasser im Kr. Wesel noch in nicht belastet ist.

Das ist aber eine falsche Information! In den Medien wurde berichtet, dass unser Trinkwasser stark belastet ist und die Qualität des Trinkwassers nur dadurch sichergestellt wird, weil das Wasser aus den Trinkwasserbrunnen gezielt gemischt wird.

 

Seitens der Kiesindustrie wird immer wieder vorgeschlagen, die Baggerlöcher als Retentionsfläche zu benutzen, d.h. bei Hochwasser bzw. Überschwemmungen soll dieses mit allen möglichen Schadstoffen belastete Wasser in die Baggerlöcher eingeleitet werden. Jeder kennt die Aufnahmen von Überschwemmung, wo das Wasser großflächig mit einer Ölschicht verunreinigt ist. Diese ist aber nur die sichtbare Belastung. Die eingetragenen Schadstoffe verbleiben für immer in den Abgrabungen und dadurch wird dann langfristig unser Trinkwasser geschädigt.

Wo bleibt eigentlich die Deckschicht –wertvoller Mutterboden- wenn eine neue Abgrabung erstellt wird?

 

Es ist an der Zeit, dass unsere Politiker nicht fragen „wo“ sondern „warum“ Abgrabungsflächen bereit gestellt werden müssen. Es muss durch eindeutige Fakten belegt werden, dass diese Abgrabungen notwendig sind. Es darf doch sind sein, dass die Kiesindustrie Flächen fordert, ohne den notwendigen Nachweis zu erbringen. Die Vorgehensweise der Kiesindustrie zeigt doch sehr deutlich, dass der Sand und Kies vom Niederrhein als „Nationale Rohstoffreserve“ ausgewiesen werden muss. Nur so ist sichergestellt, dass Sand und Kies nur im nahen regionalen Bereich eingesetzt und nicht ins Ausland verbracht werden!

Es ist zwingend notwendig, dass unsere Politiker den niederländischen Weg einschlagen und nicht einer Verlängerung der Versorgungssicherheit auf 25 Jahre zustimmen, sondern es muss eine Verkürzung aus 15 Jahre festgelegt werden. Unsere Politiker sollten keine Marionetten der Kiesindustrie sein, sondern für den Erhalt des Niederrheins stimmen. Sie müssen immer bedenken, was weg ist, ist für immer weg!

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Dieter Haller

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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