Kreis Wesel. Baustoffverband kritisiert Pläne für Kies-Euro                     NRZ vom 27.06.2022

 

Schwarz-Grün plant eine Rohstoffabgabe für Kies und Sand. Der Baustoffverband Vero übt Kritik und rechnet mit Preissteigerungen für Endkunden.

Wenig überraschend übt der Baustoffverband Vero als Interessenvertreter eines großen Teils der Rohstoffindustrie deutliche Kritik an den Plänen der künftigen schwarz-grünen Landesregierung, spätestens ab Anfang 2024 eine auf Kies und Sand beschränkte Rohstoffabgabe einzuführen. Das Vorhaben aus dem 146 Seiten langen Koalitionsvertrag, den Hendrik Wüst und Mona Neubaur am Donnerstag vorstellten, kam an der politischen Basis im Kreis Wesel gut an. Vero hingegen kritisiert die Maßnahme in einer Pressemitteilung als rechtlich bedenklichen Hebel, der „zu Marktverzerrungen, Rohstofflieferungen mit höheren Transportwegen und somit gleichzeitig zu einem höheren CO2-Ausstoß“ führe.

Grundsätzlich, so Vero, stelle der Koalitionsvertrag ein positives Bekenntnis zu NRW als Industrieland dar. Der Verband spricht sich auch für eine Stärkung der Kreislaufwirtschaft und einer gemeinsamen Strategieentwicklung aus und unterstützt laut eigener Aussage „weiterhin die Förderung von Recycling-Baustoffen innerhalb der Bau- und Rohstoffindustrie“.

Allerdings stehe die Umweltabgabe „im Widerspruch zu einer Gewährleistung der Versorgungssicherheit im Sinne der Bürgerinnen und Bürger“, so der Baustoffverband weiter. Hendrik Schulte-Wrede, Geschäftsführer Rohstoffe und Umwelt NRW bei Vero, kündigt bereits an, dass die Rohstoffabgabe „höchstwahrscheinlich eins zu eins an den Endkunden weitergegeben“ werde, „sodass mit weiteren Preiserhöhungen im Bereich der mineralischen Rohstoffe zu rechnen“ sei.

Die Politik im Kreis Wesel sieht die Rohstoffabgabe, umgangssprachlich auch Kies-Euro genannt, als ein geeignetes Vehikel, die Ausbeutung von natürlichen Kieslagerstätten am Niederrhein deutlich zu reglementieren und so zu reduzieren. Weitere Pläne für einen reduzierten Flächenfraß für Kiesabbau im Kreis Wesel sind ein deutlicher Ausbau des Baustoff-Recyclings und die maximale Ausschöpfung bestehender Abgrabungsflächen, um weniger Flächen zu verbrauchen. Ein Vorgehen, dessen Erfolgsaussichten unterschiedlich eingeschätzt werden.

 
 

So kam ein Gutachten im Auftrag des NRW-Wirtschaftsministeriums, das der Redaktion vorliegt, im März dieses Jahres zu dem Schluss, dass die sogenannte Nachauskiesung bereits bestehender Abgrabungsgewässer weniger ertragreich sein dürfte als angenommen. Demnach kommt das Gutachten zu dem Ergebnis, dass einem theoretischen Gesamtpotenzial von etwa 22,6 Millionen Kubikmetern nach Abzug von zu kleinen oder naturschutzrelevanten Flächen sowie bereits vorgenommener Nachkiesungen ein realistisches Restkiespotenzial von 7,2 Millionen Kubikmetern gegenüber steht. Dies entspricht dem derzeitigen Jahresbedarf im RVR-Gebiet.

Diese Webseite verwendet Cookies, um die Bedienfreundlichkeit zu erhöhen.
Weitere Informationen Ok