RP vom 06.02.2019

von Markus Balser

Reeser Welle : Keine Ausnahme für die Reeser Welle

 

REES / KREIS KLEVE Der Naturschutzbeirat des Kreises Kleve hat sich mehrheitlich gegen die Aufhebung von Verboten bei der Auskiesung Reeser Welle in Sachen Naturschutz ausgesprochen. Das Gremium hat allerdings nur eine beratende Funktion.

Der Naturschutzbeirat des Kreises Kleve hat sich in seiner jüngsten Sitzung am Dienstag mehrheitlich gegen die Aufhebung von Naturschutzbestimmungen für die Reeser Welle ausgesprochen. Das Gremium war um eine erneute Stellungnahme zu der geplanten Auskiesung vor den Toren Esserdens gebeten worden, die in die Gesamtbetrachtung im Zuge des Genehmigungsverfahrens einfließen soll.

Wie berichtet, musste das gesamte Verfahren noch einmal neu aufgerollt werden, nachdem der Rat der Stadt Rees einem Verkauf städtischer Flächen für das Projekt nicht zugestimmt hatte. Ob die um 17 Hektar abgespeckte Planung genehmigt wird oder nicht, wird der Kreis Kleve endgültig erst in den nächsten Monaten entscheiden.

Auskiesung seit Jahrzehnten geplant

Ende 2017 legten die beiden Unternehmen Hülskens und Holemans eine neuerliche Planung für die Reeser Welle vor. Die Abgrabung sollte demnach 95 Hektar groß und wurde jetzt auf 78 Hektar verkleinert.

Die Bürgerinitiative Eden und viele Anwohner aus Esserden sind gegen die Auskiesung. Sie befürchten ein Ansteigen des Grundwassers und Überschwemmungen bei Hochwasser. Die Unternehmen wollen dem mit einer so genannten Dichtschürze entgegenwirken. Die Kritiker bezweifeln, ob dies ausreicht.

In der Vorlage, in der es ausschließlich um die Auswirkungen des Projektes in Sachen Flora, Fauna und Artenschutz ging, hieß es, dass es zwar auch nach der Verkleinerung der Abgrabungsfläche eine erhebliche Beeinträchtigung der überwinternden Saat- und Blassgänse sowie einer Brutkolonie des Kiebitzes gäbe, jedoch seien insgesamt im Vergleich zur ursprünglichen Planung keine Verschlechterungen, sondern überwiegend Verbesserungen festzustellen.

Die Untere Naturschutzbehörde habe bereits dargelegt, dass ihre Bedenken nach der Überarbeitung der Pläne ausgeräumt seien. Sollte sich im weiteren Verfahren herausstellen, dass das Projekt genehmigt werden kann, stelle die Behörde eine Befreiung von Verbotsvorschriften in Aussicht, die für Schutzgebiete am Rhein normalerweise gilt. Darunter fallen auch Abgrabungen.

Nach einer gut anderthalbstündigen, äußerst sachlich und ruhig verlaufenden Diskussion über das Thema kam es Dienstag dann zu einer Abstimmung: Bei drei Ja- und zehn Nein-Stimmen sowie drei Enthaltungen sprach sich der Naturschutzbeirat mehrheitlich gegen die Aufhebung von Verboten für die Reeser Welle aus. Ein Erfolg für die Gegner des Projektes.

Welche Auswirkungen die Stellungnahme insgesamt haben wird, ist nicht absehbar, denn der Naturschutzbeirat hat lediglich eine beratende Funktion. „Seine Stellungnahme ist nur ein Mosaiksteinchen von vielen, die das gesamte, sehr umfangreiche Genehmigungsverfahren einlaufen werden“, so die Sprecherin des Kreises Kleve, Ruth Keuken, gegenüber der RP.

Die umstrittene Kiesabgrabung Reeser Welle zwischen dem Rhein und Esserden wird seit Jahrzehnten von den beiden Unternehmen Hülskens und Holemans geplant. Wegen einer Klage hatte sich das Projekt immer wieder verzögert. Ein Gericht hatte schließlich festgestellt, dass die Auskiesung nicht durch die Bezirksregierung, sondern den Kreis Kleve genehmigt werden muss. Dieses Genehmigungsverfahren läuft gerade. Der Rat der Stadt Rees und die Stadtverwaltung lehnen weitere Ausgrabungen auf Reeser Stadtgebiet ab.

(Markus Balser)

 

 

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