Diskussion zur Reeser Welle

Hitzige Diskussion beim WDR5-Stadtgespräch in Rees

Maria Raudszus

 
 
WDR 5 hatte zum Stadtgespräch geladen, v.li.Thomas Koch, Moderator, Josef Tumbrinck, Bund Naturschutz NRW,  Christian Strunk, Hülskens-Holding, Initiativkreis Zukunft Niederrhein, Hans Hugo Papen, CDU-Fraktionschef Regionalrat Düsseldorf, Dr. Manfred Dümmer, Hydrogeologe, BI Zukunft Esserden.

Foto: Erwin Pottgiesser

WDR 5 hatte zum Stadtgespräch geladen, v.li.Thomas Koch, Moderator, Josef Tumbrinck, Bund Naturschutz NRW, Christian Strunk, Hülskens-Holding, Initiativkreis Zukunft Niederrhein, Hans Hugo Papen, CDU-Fraktionschef Regionalrat Düsseldorf, Dr. Manfred Dümmer, Hydrogeologe, BI Zukunft Esserden.

Rees.   Abgrabungsbefürworter und Gegner lieferten sich eine heftige Diskussion im Bürgerhaus Rees. Es gab Buh-Rufe und Applaus im Wechsel.

Die BI Eden hat mit Mailverkehr mobil gemacht, die Kiesindustrie ist mit Bussen angerückt. 200 Gäste sollen beim WDR5-Stadtgespräch zugelassen werden, am Ende sitzen dort 320 Interessierte, wie Bürgerhaus-Hausmeister Wilm Braam später mitteilen wird. Es geht um das Thema, das seit Jahren in Rees die Gemüter bewegt: „Bauboom braucht Kies: Wie viele Baggerseen kommen noch?“

 

„Wie eine Axt...“

„Schön, dass so viele gekommen sind“, freut sich WDR-Moderator Thomas Koch, der sich ob des großen Interesses einen „lebhaften Dialog“ verspricht, aber erst einmal die Gäste darauf einschwört, dass sie sich in wenigen Augenblicken in einer Live-Sendung befinden. „Nach den Nachrichten ist das wie eine Axt und wir sind dran“, erklärt er. 20.02 Uhr und 35 Sekunden ist es, als über Lautsprecher zunächst der Fußball-Reporter über den Stand des Fußball-WM-Spiels Argentinien-Kroatien berichtet, dann die Wettervorhersage für Freitag eingespielt wird. Dann ist Rees auf Sendung!

Vier Vertreter haben die Verantwortlichen aufs Podium geladen. Gleich fordert Koch sie auf, den Satz „Ich bin für (oder gegen) die Reeser Welle, weil ...“ zu vervollständigen. „Ich bin aus fachlicher Sicht dagegen“, hebt Dr. Manfred Dümmer, Hydrogeologe für die BI Zukunft Esserden, an. Die Abgrabung sei aufgrund der Rheinnähe und der Nähe zum Ortsteil Esserden abzulehnen, sagt er. Das von der Kiesindustrie vorgelegte Gutachten reiche bei weitem nicht aus, wird er später sagen. Einer von mehreren Knackpunkten sei, dass die geplante Dichtschürze auch das Wasser landseitig nicht abströmen lasse.

Hans Hugo Papen spricht sich für die Reeser Welle bei „geordneter Planung“ aus. „Wenn wir hier nicht abgraben, müssen wir Ersatzflächen suchen“, erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Regionalrat Düsseldorf sachlich.

Naturschützer sehen in Seen keinen Mehrwert

„...damit kostengünstig Wohnungen gebaut werden und wir eine gute Infrastruktur bekommen“, ergänzt Christian Strunk, von der Hülskens Holding, Initiativkreis Zukunft Niederrhein, den vorgegebenen Halbsatz. Der „einmalige Bodenschatz“ habe die gute wirtschaftliche Entwicklung des Niederrheins mit begründet, ergänzt er in Laufe des Abends. Strunk, von 1999 bis 2014 Bürgermeister der Stadt Xanten, bricht eine Lanze auch für die Baggerseen. „In Xanten haben die Süd- und Nordsee Heimat geschaffen – wie Menschen sie empfinden“. Buh-Rufe und Applaus wechseln sich ab an diesem Abend. Und immer wieder halten die Esserdener ihre Schilder mit dem Warndreieck „Reeser Welle, nein danke!“ hoch.

„Ich glaube, es gibt hier zwei Lager“, sagt WDR-Redakteur Ludger Kazmierczak vom Studio Kleve. „Die Befürworter sitzen rechts, die Gegner links.“ Was tendenziell stimmt. Und ihm die Arbeit erleichtert, wenn er auf Stimmenfang durch die Reihen geht. Zum Beispiel für das Thema Export. Den Abgrabungsgegner eingedämmt wissen wollen. Im Kreis Borken habe man entsprechende Vorkehrungen getroffen, sagt ein Gast. Was Papen sich nicht vorstellen kann.

Auch Josef Tumbrinck, Bund Naturschutz NRW, sitzt auf dem Podium. Klar, er ist gegen die Auskiesung. Dass die Seen einen Mehrwert für die Natur darstellen, sieht er nicht: „Über den ersten, zweiten und dritten haben wir uns noch gefreut, aber nicht über den 35sten und 40sten.“

Eine der letzten Stimmen, die Ludger Kazmierczak einfängt, ist die von Nadine Dierkes. „Es sind in Rees zu viele gegen eine Auskiesung. Eine sachliche Diskussion ist deshalb wohl nicht mehr möglich“, resümiert die CDU-Ratsfrau.

>>>KLARTEXT VON MARIA RAUDSZUS

An diesem Abend wurde eines überdeutlich: Viele Fragen rund um das Thema Kies und Sand werden von den Experten unterschiedlich beantwortet. Oder nicht beantwortet. Haben sie geschönt oder schlechtgeredet? Weiß man wirklich nicht, wie viel Kies in den Export geht? Kaum vorstellbar!

Welche Aussagekraft hat das von der Kiesindustrie erstellte hydrologische Gutachten für die Reeser Welle? Ist ein teures kombiniertes Grundwasser- und Niederschlagsmodell, wie von Eden und der BI Zukunft Esserden für die Region Wesel/Kleve gefordert, wirklich unerlässlich, um die Veränderungen zu erfassen und um sie künftig bewerten zu können? Ist die Möglichkeit des Recyclings, um den Rohstoff Kies und Sand zumindest teilweise ersetzen zu können, schon weitgehend ausgereizt oder d i e dringliche Aufgabe für die Zukunft?

Eines ist klar: Wir alle wollen in Wohlstand leben, vergessen, dass das einen Preis hat. Dennoch: es muss eine Lösung her. Sicherheit bleibt oberstes Gebot!

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