Rees: Auskiesung: Hitzige Debatten im Bürgerhaus

WDR-Stadtgespräch: Mehr als 300 Teilnehmer kamen zur Diskussion mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Naturschutz.

 

Die 320 Stühle im Bürgerhaus waren schnell vergeben und von zwei großen Lagern besetzt: auf der einen Seite die Mitarbeiter der hiesigen Kiesindustrie, die in firmeneigenen Kleinbussen zum "WDR 5 Stadtgespräch" transportiert worden waren. Auf der anderen Seite die Abgrabungsgegner, die sich mit Transparenten und Schildern gegen die geplante Reeser Welle in Esserden und weitere Baggerseen positioniert hatten.

Ludger Kazmierczak, Leiter des WDR-Hörfunkstudios in Kleve, hatte sich extra die bequemen Sportschuhe angezogen, um schnell zwischen beiden Lagern pendeln zu können und deren Stimmen und Stimmungen einzufangen.
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Moderator Thomas Koch interviewte auf der Bühne die geladenen Experten: Josef Tumbrinck vom Naturschutzbund NRW, der sich gegen die Auskiesung der Reeser Welle auf einer Größe von 100 Fußballfeldern aussprach: "Damit geht wieder ein Stück Landwirtschaft, wieder ein Stück Natur, wieder ein Stück Heimat verloren".

Hydrogeologe Manfred Dümmer hielt eine Auskiesung in Rheinnähe, unmittelbar vor Esserden, für "nicht verantwortbar". Hans Hugo Papen, CDU-Fraktionsvorsitzender im Regionalrat Düsseldorf, befürwortete dagegen eine Auskiesung der Reeser Welle mit "geordneter Planung", da andernfalls Ersatzflächen gefunden werden müssten, um den Bedarf der Bauindustrie zu stillen. Der vierte Interviewpartner war Christian Strunk, Geschäftsführer der Hülskens Holding und Mitbegründer der Initiative "Zukunft Niederrhein" von 13 Kiesunternehmen. Er spaltete das Publikum in der 55-minütigen Livesendung am stärksten und erhielt von den Gegnern viele Buh-Rufe und Pfiffe. Unter anderem für seine These, der Niederrhein habe vor allem deshalb Naturschutzgebiete, weil die Kiesindustrie dort Wasserflächen geschaffen habe.

Naturschützer Josef Tumbrinck hielt dagegen, die Wildgänse bräuchten die Wiesen, um sich zu ernähren, und nicht die Baggerseen. Deshalb werde der NABU in Esserden "dieses Tafelsilber der Natur mit Zähnen und Klauen" verteidigen.

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