Hafen und Straße weichen

In der Kieskarte taucht die Reeser Welle immer wieder als genehmigtes Gebiet auf. Doch die Auskiesung ist noch im Verfahren. Ende des Jahres könnte der Beschluss vorliegen.

VON SEBASTIAN LATZEL


REES/ESSERDEN Während die Norderweiterung am Reeser Meer inzwischen in Angriff genommen wurde, ist das andere große geplante Abbaugebiet noch im Genehmigungsverfahren. Doch nach Aussage der Bezirksregierung könnte es jetzt auch bei der Reeser Welle ganz schnell gehen. „Bis zum Jahresende kann hier der Planfeststellungsbeschluss vorliegen“, sagt Claudia Pirch, Sprecherin der Behörde aus Düsseldorf. Ein Zeitrahmen, den auch Jörg Hüting, Prokurist des Kiesunternehmens Hülskens, für realistisch hält. „Eigentlich sind alle Fragen geklärt und diskutiert worden, daher müsste der Planfeststellungsbeschluss bis zum Jahresende geschrieben sein.“


Geplant ist, dass in der Nähe der Rheinbrücke Richtung Esserden ein etwa 100 Hektar großes Areal ausgekiest werden soll. Für etwa 15 bis 20 Jahre würden die Kiesvorräte reichen. Hülskens und die Niederrheinische Kies- und Sandbaggerei (NKSB) sind bei dem Projekt gleichberechtigte Partner und haben es bereits 1991 in Angriff genommen. Daher ist es kein Wunder, dass Hüting im Laufe der Jahre vorsichtig bei der Prognose von genauen Jahreszahlen geworden ist. Es sei schwierig, genaue Daten zu nennen, wann mit der Auskiesung begonnen wird. Daher gebe es derzeit auch noch keinen Zeitrahmen für die Verlegung des Yachthafens. „Im Zuge der Auskiesung soll der jetzige Hafen in die Reeser Welle verlegt werden“, erläutert Hüting. Das sei auch Wunsch der Stadtverwaltung. Zudem werde die momentane Einfahrt in den Yachthafen später geschlossen, damit der Polder bei Hochwasser von Dornick aus zulaufen kann und so eine Hochwasserschutzfunktion mit erfüllt.

Für Hüting bietet die Verlegung zudem auch touristische Pluspunkte. „Der Hafen ist dann näher an der Stadt und könnte in das Konzept der Wasserrastplätze einbezogen werden.“ Denn zwischen Duisburg und den Niederlanden gebe es ein solches Angebot noch nicht. „Hier steckt für Rees noch viel Potenzial“, meint er.


Für die Auskiesung muss die Kreisstraße am Rhein verlegt werden, weil die Abgrabung mitten über die Straße verläuft. Sie wird künftig etwa in Höhe des Real-Supermarktes wieder auf den Grüttweg stoßen. Eine Durchfahrt Richtung Reeserward unterhalb der Rheinbrücke wird später nicht mehr möglich sein.

- /SEBASTIAN LATZEL


Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Emmerich
Datum: Dienstag, den 04. September 2007



Lehmschürze nur Beruhigungspille?


BRIEFE AN DIE REDAKTION
08.10.2004 / LOKALAUSGABE / EMMERICH


Der Bürgermeister beklagt, dass von EDEN und der Bürgerinitiative Esserden der Eindruck erweckt wird, in Rees ständen im gesamten Stadtgebiet großflächige Abgrabungen an. Um diesem Missstand entgegen zu wirken, bitten wir Dr. Ketteler, umgehend die Flächen, die im Gebietsentwicklungsplan 1999 beantragt sind, bekannt zu geben und diese geographisch und größenmäßig zu benennen. Dieses wäre doch der richtige Schritt, um die Ängste, die die Bürger haben, auszuräumen.

· Des Weiteren wäre es hoch interessant, wenn die Bürger endlich einmal erfahren würden, was der Bürgermeister und mit ihm die Mehrheitsfraktion der CDU unter "laufende Verfahren" verstehen, die seit der Ratssondersitzung immer angeführt werden. Was sind denn all die laufenden Verfahren? Was für Abgrabungen gehören dazu?

· Ein Teil der Esserdener Bevölkerung hat fristgerechte Einsprüche bezüglich der drohenden Gefahren durch Grund- und Qualmwasser an ihren Häusern eingereicht. Von der Verwaltung der Stadt wurde, so wird aus der Pressemitteilung ersichtlich, nur die Weiterleitung der Einsprüche nach Düsseldorf geleistet. Unterstützung der betroffenen Bevölkerung blieb auf der Strecke. Warum werden die Bürger in so wichtigen, Existenz bedrohenden Fragen, von der Stadtverwaltung alleine gelassen?

· Zum Thema Dichtschürze durch Lehm erwarten wir die Benennung von Referenzprojekten. Wo funktioniert diese so genannte Lehmschürze und wie hoch sind die Langzeitwerte dieser Schürze?



Kaltschnäuziges Doppelpack

Leserbrief


Betr.: Kiesindustrie


In den letzten Wochen beherrschte das Scheitern des Ferienparks die Reeser Kommunalpolitik. Dabei gingen zwei Schachzüge der Kiesindustrie im öffentlichen Bewusstsein fast unter. Den einen Zug machte die NKSB, den anderen Hülskens. Die NKSB kündigte an, die Abgrabung Norderweiterung durchzuführen, obwohl der Ferienpark Reeser Meer vermutlich nicht kommt. Die Norderweiterung wurde der Bevölkerung in jahrelanger Propaganda mit den sicheren Früchten des Ferienparks schmackhaft gemacht. Diese Voraussetzung steht auch als Auflage im Gebietsentwicklungsplan. Jetzt nach dem Scheitern des zweiten Projektentwicklers erklärt die Kiesfirma die Auflage für unerheblich.


Es ist aber nicht nur die NKSB so kaltschnäuzig. Vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erregte bis vor kurzem die Abgrabung Reckerfeld durch die Firma Hülskens. Die Parzelle Reckersfeld - am Rhein an der südlichen Stadtgrenze gelegen - wurde mit der Auflage zur Auskiesung freigegeben, dass die ganze Fläche wieder verfüllt und als ertragreicher Boden für die Landwirtschaft rekultiviert wird. Die Firma befürchtet für die Zukunft Probleme bei der Beschaffung des Füllmaterials. Statt den Stopp der Abgrabung einzuleiten und die schon ausgekiesten Abschnitte umgehend zu rekultivieren, kündigte sie an, die restliche Fläche ohne Wiederverfüllung und Rekultivierung abgraben zu wollen.


Hülskens ist bezüglich Vertragserfüllung ähnlich rücksichtslos wie die NKSB. Beide Firmen verfolgen vor dem Banndeich des Abschnitts Esserden ein gemeinsames Abgrabungsprojekt. Sie versprechen, dort nur Gutes zu tun. Nachdem jede Firma in Einzelverpflichtungen ihre Zusagen und Verträge nicht einhalten will, fragt man sich, warum sie im Doppelpack vertrauenswürdiger sein sollen.


Bernhard Lukkezen 46459 Rees

Diese Webseite verwendet Cookies, um die Bedienfreundlichkeit zu erhöhen.
Weitere Informationen Ok