Aufgewühlte Heimat

Betr. Kiesabbbau

Herr Holger Ellerbrock, umweltpolitischer Sprecher der FDP im Düsseldorfer Landtag, hat sich wieder zu dem Thema „Zuiderzee am Niederrhein“ zu Wort gemeldet. Er hat wohl schon viel Kritik zu seinem Vorschlag, Teile des Niederrheins in ein großes „Binnenmeer“, etwa wie das Ijsselmeer in Holland, zu verwandeln, erhalten. Darunter waren wohl auch Politiker in den Räten und Kreistagen.

Diese, so hält er ihnen vor, meinen es nicht ehrlich, wenn sie sich Sorgen um diese Entwicklung machen und eine solche „Wahnsinnsidee“ kritisieren. Er wirft ihnen vor, ihr Wissen zu bestehenden Gesetzen zum Bergerecht und dem Export von Kies in die Niederlande zu ignorieren. Sie würden Erwartungen wecken, die nicht zu halten seien. Hier tut Herr Ellerbrock so, als seien die Gesetze zum Bergrecht und Lieferverträge mit Kiesabnehmern in Holland „Naturgesetze“, die kein Mensch auf dieser Welt ändern könne. Wenn Gesetze, die schon vor vielen Jahrzehnten erlassen und nun den Gegebenheiten nicht mehr entsprechen, dafür herangezogen werden, um einen Riesenschaden für die Menschen am Niederrhein zu rechtfertigen, sollte ein verantwortlicher Politiker alles Menschenmögliche tun, um eben diesen Schaden von den Bewohnern dieser Landschaft fernzuhalten.

In allen Parlamenten werden Tausende von Gesetzesänderungen beraten und auch verabschiedet. Warum nicht auch mal eines, das den Menschen auf den Nägeln brennt?

Herr Ellerbrock sollte dafür sorgen, dass den Kiesverbrauchern Alternativen, die es sicherlich gibt, aufgezeigt werden. In den Ländern, wo es keine Kieslagerstätten gibt, wird auch mit Beton gebaut. Die Kiesindustrie brauchte überhaupt keine Arbeitsplatzargumente in die Waagschale werfen und den Menschen würden weitere, massive Lebensqualitäten dann nicht mehr entzogen. In Zeiten, in denen Experten sich weltweit große Sorgen um massive Verluste von Agrar-Anbauflächen machen, sollte eine fruchtbare Landschaft, wie der Niederrhein, davon ausgenommen werden.

Herr Ellerbrock sollte endlich zur Kenntnis nehmen, dass man das Geld aus Freizeitaktivitäten „nicht essen kann“. Die Qualität des Trinkwassers hat ihm offensichtlich noch gar keine Kopfschmerzen bereitet, sonst würde er die Priorität seiner Freizeitnutzung nicht über die der Grundbedürfnisse von Menschen und Tieren ansiedeln.

Rüdiger Helmich 46446 Emmerich am Rhein in der RP vom 28.11.2007