Dinslaken: Umweltinitiative fordert "Kies-Euro"                             

Auch in Dinslaken und Hünxe gibt es zahlreiche Baggerlöcher: Am Tenderingsee wird weiter gebaggert. In einem Schreiben an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet fordert die Initiative Eden Restriktionen für die Kiesindustrie am Niederrhein.

 

 

Der Kies werde zunehmend auf dem Weltmarkt veräußert. Dies kritisieren auch die Grünen.

Die niederrheinische Bürgerinitiative Eden wirft der Landespolitik vor, in Sachen Kiesabgrabungen falschen Informationen aufgesessen zu sein. Diesen Vorwurf formulieren die Eden-Sprecher Leo Rehm, Rüdiger Hellmich und Melanie Gronau aus Rees in einem Schreiben an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Der Kies vom Niederrhein werde zunehmend auf dem Weltmarkt verkauft, statt für den heimischen Straßenbau verwendet zu werden. Es würde zu viel abgegraben. Stattdessen sollte mehr auf Recycling von Abrissmaterial gesetzt werden, fordert Eden. "Mit einer Kiesabgabe in Form eines Kies-Euros könne man die Kiesindustrie in die Lage versetzen, diese lange überfällige Maßnahme endlich anzupacken." In Dinslaken und Hünxe findet dieses Schreiben Zuspruch: "Auch hier ist das Ende der Fahnenstange längst erreicht", sagt Helga Franzowiak, Kreistagsmitglied der Grünen und selbst eine der Gründerinnen der Initiative "Kies wider Willen", die sich gegen eine weitere Auskiesung in Hünxe-Bruckhausen ausspricht.

Anlass der neuen Kritik ist auch eine Lobby-Veranstaltung "Kies im Dialog" der Kiesindustrie kürzlich in Wesel, bei der verschiedene Akteure auf die Notwendigkeit weitere Abgrabeflächen hingewiesen hatten. Lange Genehmigungsverfahren und komplizierte rechtliche Rahmenbedingungen würden am Niederrhein auf Dauer zu Engpässen bei der Sand- und Kiesversorgung führen. Aufgrund fehlender neuer Genehmigungen könnten die Unternehmen nicht so viel Sand und Kies gewinnen, wie nachgefragt werde.

Die Initiative Eden fragt nun im Schreiben an Ministerpräsident Laschet: "Wie kann man beklagen, dass das Beschaffen von Rohstoffen von weither umständlich und teuer sei, wenn man es gleichzeitig zulässt, dass unser niederrheinischer Kies in riesigen Mengen von der Kiesindustrie den Rhein abwärts ,verramscht' wird? " Man habe über Luftbilder festgestellt, dass viele der Kiesschiffe niederländische Häfen ansteuern. "Diese Mengen stehen dann natürlich der hiesigen Bauindustrie nicht mehr zur Verfügung. Zusätzlich gibt es augenscheinliche Hinweise darauf, dass die hiesige Kiesindustrie große Teile des geförderten Kieses auf Halde hortet und dadurch noch zusätzlich verknappt." Seit Jahren würden täglich 7000 Lkw-Ladungen Sand und Kies per Schiff die deutsch-niederländische Grenze in Richtung Niederlande und Belgien anfahren. Solche Mengen würden dort aber gar nicht benötigt. Vom Rotterdamer Hafen aus würden weite Teile der niederrheinischen Kiesmengen nach Übersee umgeschlagen. Am Niederrhein würde der Kies "billig verramscht", auf dem Weltmarkt aber würden seit Längerem schon 35 bis 40 Euro pro Tonne üblich sein. Dass Kies zunehmend auf dem Weltmarkt angeboten wird, kritisiert auch Helga Franzowkiak. Sie wohnt an der Stadtgrenze zwischen Dinslaken und Hünxe. Immer näher rücke der Kiesabbau an die Wohnbebauung heran, am Tenderingsee werde weiter gebaggert. "30 Hektar haben wir schon erfolgreich verhindert, aber man weiß nie, wie es bei Heidelberger Zement weitergeht."

Die Initiative Eden macht zahlreiche Umweltschutzgründe geltend: Es werde immer mehr Landschaftsabfall hinterlassen, mit großen ökonomischen Folgen. Die Kiesindustrie werde immer mehr Kies auf dem Weltmarkt verkaufen. Am Niederrhein werde "Raubbau" zur Befriedigung des Weltmarktes betrieben, argumentieren die Umweltschützer. Eden verlangt die Veröffentlichung von Kies-Exportmengen. Wer sich etwa in Emmerich an den Rhein stelle, könne Kiesschiffe mit jeweils 500 bis 4000 Tonnen Kies beladen in großer Zahl den Rhein herunterfahren sehen.

Die Konsequenzen für die Natur seien verheerend. "Immer mehr Ackerböden und Wiesenflächen mit ihren vielfältigen Funktionen einschließlich der damit verknüpften Arbeitsplätze für immer zu opfern, ist nichts anderes als verantwortungslos. Genauso steht es mit dem Schutz der Trinkwasserzonen im Land. Niemand versteht, wie man lediglich des Profites wegen, riskieren kann, dass unser Trinkwasser zur Disposition gestellt wird. Auch die Aufgabe von Verbotszonen in Naturschutzgebieten ist hochgradig kurzsichtig." Eine Gefahr seien die Abgrabungen besonders für das Grundwasser. Überall seien durch Baggerseen künstliche Fließhindernisse geschaffen worden. "Zwischen Bislich und Rees befinden sich knapp 25 Prozent der Fläche als offenliegende Grundwasserbaggerseen. Weitere Flächen, insbesondere die Deichvorlandgebiete, wurden in früheren Jahrzehnten ausgekiest und mit minder-wasserdurchlässigen Materialien als Kies und Sand wiederverfüllt, welche in unseren Augen ebenfalls eine Barriere für das von landseits in Richtung Rhein strömende Grundwasser darstellen", schreibt Eden an Laschet.

(RP)
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