Einwand von Eden e.V. gegen die Reeser Welle II

 

EDEN e.V., Esserdener Straße34, 46459 Rees                                 Rees, 04.02.2018

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

die BSAB-Ausweisung (Bereiche für die Sicherung und den Abbau oberflächennaher Bodenschätze)  im GEP als Rohstoffabgrabungsfläche bedingt nicht direkt ein „Muss“ zur Abgrabung, sondern nur ein „Kann“.

Die Genehmigung zur Auskiesung der „Reeser Welle“ kann jedoch nur dann erteilt werden, wenn ihr keine „Versagensgründe“ entgegenstehen.

Im Abgr.G §3 Abs 2 ist festgelegt:

 Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn

  1. 1. ein vollständiger Abgrabungsplan (§ 4 Abs. 2) vorliegt,
  2. 2. die Ziele der Raumordnung und Landesplanung sowie die Belange der Bauleitplanung, des Naturhaushalts, der Landschaft, des Bodenschutzes und der Erholung beachtet sind und
  3. 3. andere öffentliche Belange im Einzelfall nicht entgegenstehen.

Sind unter anderem diese Bedingungen erfüllt, erst dann ist die Genehmigung ein Muss, beziehungsweise ist die Genehmigung sie zu erteilen.

Damit die öffentlichen Belange umfassend aufgenommen und bewertet werden können, stellt der Gesetzgeber den Trägern öffentlicher Belange, sowie den Bürgern die Möglichkeit der öffentlichen Beteiligung zur Verfügung, damit  die Antragsunterlagen von diesen geprüft und ggf. ein Einwand erhoben werden kann. Die genehmigende Behörde wird nach entsprechender Prüfung eine Entscheidung über die Genehmigungsfähigkeit erstellen.

Für die Mitglieder, sowie vieler Bürger, die sich hilfesuchend an uns gewandt haben, erheben wir folgenden Einwand gegen die geplante Abgrabung Reeser Welle. Damit die Bürger die Möglichkeit haben, sich mit dieser Thematik auseinander zu setzen, werden wir unseren Einwand öffentlich stellen.

Dichtschürze

Lt. Antragsunterlagen soll eine Lehmschürze an der Abgrabungskante vor Esserden erstellt werden. Diese soll verhindern, dass bei einem Rheinhochwasser sich dieses Wasser nicht durch die Abgrabungskante hindurch in den Grundwasserkörper unter Esserden hineindrücken und zu bedeutend höheren Qualmwasser führen könnte. Auch das sog. Siphonprinzip unter dem Deichkörper her ist hier zu betrachten.

Hinsichtlich der Dichtschürze werden folgende Einwände erhoben:

  • Für den Bau dieser geplanten Dichtschürze gibt es bisher keine DIN-Normen und auch keine Langzeiterfahrungswerte.
  • Der Antragssteller führt an, dass die Erstellung der Dichtschürze erfolgt, indem LKWs mit lehmigen Abraum zur Böschungskante anliefern und das Material kopfüber verstürzt wird. So würde sich auf der unter Wasser befindlichen Abgrabungskante, welche einen Winkel von 1: 1,75 betragen soll, eine Dichtschürze im Winkel von 1:4 aufbauen. Bei einer Tiefe von z.T. 30 m müßte sich dann der Böschungsfuß quasi in 120m von der Böschungskante befinden.
  • Die Art der Überwachung, ob der Aufbau im Winkel von 1:4 umgesetzt wird, überall homogen und dicht ist, wird in den Unterlagen nirgendwo beschrieben. Die erfolgreiche Umsetzung bei der beschriebenen Anlage der Dichtschürze bzgl. Architektur, Dichtigkeit und Dauerhaftigkeit wird in erheblichen Maße angezweifelt.
  • Der Antragssteller erwähnt zwar Erfahrungswerte der Lineg, diese sind jedoch in keinster Weise mit dem Vorhaben der Reeser Welle vergleichbar und auch hier gibt es keine Langzeiterfahrungen, die gerade hier unabdingbar wären.
  • Entlang der geplanten Dichtschürze wurden Bohrungen vorgenommen, welche in der Anlage mit der Bezeichnung al8.4 Rückschlüsse auf die dortige Tiefe des Tertiärs zulassen. Die maximale Tiefe des Tertiärs beträgt dort 30m.

Dies ist jedoch nur eine 2-dimensionale Betrachtungsweise des Untergrundes, denn nirgends in den Unterlagen sind Bohraufschlüsse innerhalb der geplanten Abgrabung zu finden. Sollten sich im mittleren Bereich Tiefen unterhalb von 30m oder

Versprünge befinden, wird dies wiederum andere Erfordernisse an die Erstellung der Dichtschürze stellen, welche bei 30m Abgrabungstiefe bereits jetzt schon 120m weit in die Abgrabung hineinragen soll. Dass dies nur durch alleiniges Abkippen des Lehmbodens von der Uferböschung aus herstellbar sein soll, wird erheblich angezweifelt.

  • Würden sich dort Kiesmächtigkeiten von 40m oder 50m befinden, so müsste sich dieses Material, welches an der Abgrabungsböschung in das Wasser verstürzt wird, quasi (bei dem vom Antragssteller angenommenen Aufbauwinkel von 1:4) 160m -200m weit in das Abgrabungsgewässer erstrecken. Dass dies umzusetzen möglich ist, wird erheblich angezweifelt, bzw. wird ein entsprechender Nachweis gefordert.
  • Sollten sich dort Tiefen befinden, welche von den technischen Möglichkeiten her nicht mehr erreichbar wären, so hätte dies zur Folge, dass kein dichtender Abschluss mit dem Tertiär hergestellt werden könnte.
  • Darüber hinaus wird nirgendwo im Antrag erwähnt, wer nach Beendigung der Abgrabungen für die Überwachung der Funktion, oder gar einer „Reparatur“ der ca. 1600m langen Dichtschürze aufkommen wird, Zulasten der Allgemeinheit kann dies nicht geschehen.
  • Die geplante Dichtschürze soll bei Rheinhochwasser und Mittelwasser einen Schutz bieten, damit sich das Rheinwasser nicht durch die offene Abgrabungskante in den Grundwasserleiter, dann unter dem Banndeich hindurch und anschließend dahinter nach dem „Siphonprinzip“ wieder hochdrücken kann. Dieser Schutz ist jedoch nur eine einseitige Betrachtungsweise, denn hier ist unbedingt auch der Blick auf Verbleib des auf die Dichtschürze landseitig in Richtung des Rheines heranströmenden Grundwassers zu richten. Hierzu wurde bereits in 2016 von vielen Bürgern in Ihren Einwänden erhebliche Besorgnis geäußert. In diesem überarbeiteten hydrogeologischen Gutachten vom 30.07.2017 wird auf dieses Problem u.E. nach sehr ungenügend eingegangen.

Mit einem Bild, in dem ein auf Esserden und die Dichtschürze in seiner Breite schmal begrenzter Grundwasserstrom zufließt (mit Texterklärung), wird auf S. 20 des hydrogeologischen Gutachtens erklärt, dass das landseitig heranströmende Wasser sich maximal 30cm bei Rheinmittelwasser aufstauen und dann östlich und westlich um die Dichtschürze herumfließen würde.

Um das Copyright des Antragsstellers nicht zu verletzen, wurde die Darstellung auf S. 20 des hydrogeologische Gutachtens nachgebildet

Schon alleine 30cm sind eine nicht tolerable Größe, die in einem Kellerraum, oder gar für einen Wohnbereich bereits eine deutliche Verschlechterung ausmacht gegenüber dem Ist-Zustand. Der Ist-Zustand wird also nicht erreicht.

Wie bereits im Antragsgutachten 2016 wurde wieder nicht der Lastfall „landseits heranfließender hoher Grundwasserströme“ betrachtet. Dies ist aber aufgrund der Fließbehinderung des von landseits in Richtung des Rheines strömenden Grundwassers unabdingbar,

Es wurde in diesem Gutachten lediglich Bezug genommen auf ein Rheinmittelwasser, welches zu diesem Anstieg der 30 cm führen würde. Dieses ist jedoch nicht das alleinige Kriterium für einen solchen Aufstau, denn die Höhe des Aufstaues wird maßgeblich über die Höhe der landseitig in Richtung des Rheines heranfließenden Grundwasserströme und der dann noch frei zur Verfügung stehenden Aquiferbereiche und der umliegenden 3-dimensionalen Bodengeologie bestimmt.

Hierzu gibt es keinerlei Untersuchungen darüber, ob die Bodengeologie und das Aquifer

überhaupt solch ein Umleiten zuließe.

  • Westlicher Bereich der Dichtschürze:

Das Gutachterbüro erwähnt, dass im Bereich des Altrheinarmes (Ausläufer des Bienener Altrheines) ein mächtiger Flutlehmbereich vorliegen würde. Es gibt aber keine Untersuchungen über dessen Mächtigkeit, oder gar Pumpversuche zur Ermittlung des dortigen kf-Wertes, somit besteht durchaus die Möglichkeit, dass das „Ausweichen“ des Grundwassers dort zu einem Aufstau mit entsprechendem „sekundärem“ Rückstau nach Esserden führen könnte. Ein weitaus höherer Anstieg wäre dann zu befürchten, zumal das „umgeleitete Grundwasser aus einem 21-24m hohen und laut Gutachten 1000 Metern breitem Grundwasserleiter stammt, der dann komplett umgeleitet werden muss.

Vor diesem Hintergrund wäre es also durchaus möglich, sollte dieser Flutlehmbereich eine Sperrfunktion für das in Richtung Rhein fließende Grundwasser darstellen würde, dass das Gebiet der geplanten Abgrabung heutzutage schon einen Umleitweg darstellen könnte. Das ist zu untersuchen!

  • Östlicher Bereich der Dichtschürze:

Die „östliche Umleitung“ des vor die Dichtschürze anfließenden Grundwassers ist in Richtung der Innenstadt von Rees mit ihrem historischen Zentrum gerichtet. Vollkommen außer Acht gelassen wurde hier (wie im Übrigen auch an der westlichen Seite der Schürze), dass dort bereits Grundwasserströme aus dem Hinterland in Richtung des Rheines vorliegen. Dies wird in dieser bearbeiteten Grafik anhand der roten Linien verdeutlicht:

Für diesen Bereich, als auch weiter in Richtung der Stadtmitte finden sich ebenfalls keine geologischen Aufschlüsse, welche irgendwelche nur annähernden hydrologischen Rückschlüsse oder Berechnungen zuließen, geschweige denn, dass solches durchgeführt wurde.

Im Bereich der alten Kläranlage befindet sich eine Grundwassermeßstelle des Landes NRW. Deren Ganglinien zeigen durchaus sich wiederholende Zeiträume mit gerade 1-2m Flurabstand (Zeiträume, in denen aufgrund hoher Grundwasserstände der Abstand zwischen Geländeoberkante und Grundwasser nur 1-2m betrug).

Entsprechend ist der unbedingte Nachweis zu erbringen, ob der noch freie Grundwasserbereich in diesem Bereich dann die umgeleiteten Grundwassermengen aus einem bis zu 24 m mächtigen Aquifer (Grundwasserleiter) von der ca. 1000m breiten Anströmfront der Dichtschürze überhaupt noch aufnehmen kann.

Sollte dies nicht möglich sein, ist ein Aufstau, bzw. ein Ausweichen bis in den historischen Reeser Stadtkern denkbar.

Das Zusammentreffen des durch die Dichtschürze umgeleiteten Grundwassers mit dem seitlich aus dem Hinterland heranströmenden Grundwasser, birgt aber noch zwei weitere Gefahrenpunkte.

  • Entsprechend der Einzeichnung könnte sich ein erster Aufstau unter der Brückenrampe ergeben. Hier sind mögliche Folgen dringend für die Brückenrampe, als auch für die Standfestigkeit der Reeser Rheinbrücke abzuklären, auch unter Berücksichtigung des Einflusses des östlich der Brückenrampe vorhandenen Baggerloches
  • Ebenso befindet sich dort der Banndeich. Hier könnten sich entsprechend negative Folgen bzgl. der Hochwasserschutzanlage ergeben. Dazu an späterer Stelle.

Besonders interessant erscheint aber der westliche „Überschneidungsbereich“. Denn hier käme zu dem prognostizierten Aufstau von max. 30 cm logischerweise noch die Überlagerung des seitlichen Grundwassers mit dem umgeleiteten Grundwasser, was unwillkürlich zu einem Rück-, und somit erheblichen Aufstau unter Esserden und einem weitaus höheren Grundwasseranstau als den angegebenen nur 30cm führen könnte.

  • Auf S. 37 des Gutachtens steht, dass nach Fertigstellung der Dichtschürze der Ausgangszustand (Ist-Zustand) hergestellt sei. Die Inbetriebnahme der Pumpen sei dann nicht mehr erforderlich.

Der seitens des Gutachterbüros bereits eingeräumte Anstieg des Grundwassers von 30cm wiederspricht dieser Aussage.

Banndeich

Ersten Planungen zufolge ist ein mgl. Verlauf des neuen Banndeiches zu entnehmen. Hier bleibt jedoch nicht mehr viel Platz bis zur Abgrabungskante. In Anlage 12 „Schematische Darstellung Dichtschürze“ gibt der Antragssteller einen Abstand von Banndeich zu Abgrabungskante von >100m an.  Diese Entfernung steht bei weitem nicht mehr zur Verfügung, wenn die neue Hochwasserschutzanlage vor dem jetzigen Altdeich in Richtung des Rheines gebaut wird.

Darüber hinaus soll der neue Banndeich um 1m erhöht werden gegenüber dem Alten. Entsprechend wird er aufgrund der Brückenrampe weiter nach vorne gezogen (oder im Bereich der Rampe vorgezogen) werden müssen.

Somit wird also ein privatwirtschaftliches Unternehmen Veränderungen und Fakten schaffen, welche im Nachhinein der freien Planung für die neue Hochwasserschutzanlage nur noch einen begrenzten freien Raum lässt, und dieser möglicherweise nicht optimale Bedingungen für eine neue Hochwasserschutzanlage stellen würde.

  • Gemäß DIN 19712 (Hochwasserschutzanlagen an Fließgewässern) Punkt 10.2 müssen mögliche Veränderungen z.B. durch strömendes oder gestautes Wasser bzgl. der Tragfähigkeitsberechnungen neuer Hochwasserschutzanlagen berücksichtigt werden. Eben solche Veränderungen würden unter dem neu zu planenden Deich aufgrund der Grundwasserströmungsveränderungen landseits der Dichtschürze, geschaffen. Bei dem jedoch nur noch geringst verbleibenden Planungsraum ist den Belangen des Planungsfreiraumes für den neuen Banndeich hier Vorrang zu geben.
  • Diese Veränderungen sind auch hinsichtlich des alten Banndeiches dringend näher zu betrachten.
  • Das hydrogeologische Gutachten gibt an, dass das von landseits auf die Dichtschürze zuströmende Grundwasser sich aufteilen und an dieser in östlicher und westlicher Richtung vorbeifließen würde. Dadurch ergeben sich Überschneidungsbereiche, auf die bereits eingegangen wurde. An diesen Stellen wird es unweigerlich zu einem Grundwasseraufstau, oder aber einer Fließgeschwindigkeitszunahme unter dem Banndeich kommen. Hier ist bezugnehmend der Standsicherheit zu prüfen, in wie weit sich diese Veränderungen negativ auswirken könnten.
  • Da die genaue Trassenführung des neuen Banndeiches noch nicht festliegt und durch die Abgrenzung der Abgrabung nur ein schmaler Korridor verbleiben würde, sind die gemäß DIN 19712 13.1 nach DIN 1997-1 und DIN 1054 zu führenden Nachweise gefährdet.
  • Es können zum derzeitigen Stand noch keine Aussagen über die lokale Standsicherheit des neu zu planenden Deiches gemacht werden (z.B. Spreizspannungen, Sicherung der Schubkraftübertragung zwischen einzelnen Schichten).
  • Im engen und auch umliegenden Bereich der Dichtschürze ist der Nachweis gegen Auftrieb der Deckschicht zu führen.
  • DIN 19712 besagt: „Bei oberflächennahen, wasserseitigen Böschungsdichtungen ist der Nachweis der Standsicherheit der Oberflächendichtung gegen Auftrieb (Wasserdruck vom Deichkörper aus) zu führen“.

->Ein solcher Standsicherheitsnachweis für die Dichtschürze liegt dem gesamten Antrag nicht bei. Darüber hinaus gibt es keine DIN-Normen, für die Errichtung von Dichtschürzen in Kiesabgrabungen.

  • Sollten der Antragsteller und die genehmigende Behörde trotz DIN 19712 und dem Fehlen einer DIN für Dichtschürzen bei Kiesabgrabungen garantieren, dass keine negativen Veränderungen zu befürchten sind, so sollten diese nicht nur im vollen Umfang der Haftung unterstehen, sondern im Vorfeld eine entsprechend hohe finanzielle Gewährleistung hinterlegen , welche bei jedweder Schädigung der Gebäude durch aufsteigendes Grundwasser, oder sonstiger Schäden in diesem Zusammenhang eintritt.

Die dauerhafte Schutzfunktion der Dichtschürze wird massivst angezweifelt.

Aufgrund von Wellenschlag (trotz Wellenschlagschutz), Strömungen, Pegelschwankungen in der Abgrabungsfläche, möglichen Rissbildungen, Freiwaschungen oder späteren Setzungen kann u.E. nach keine dauerhafte Garantie der „Dichtheit“ gewährleistet werden. Dies könnte eine erhebliche Qualmwassergefahr für Esserden (mit seinen geringsten Flutlehmmächtigkeiten als Schutz vor aufsteigendem Grundwasser), oder schlimmsten Falles katastrophale Folgen für den Hochwasserschutz zur Folge haben. Dem Antrag und auch dem hydrogeologischen Gutachten sind keine belastbaren Nachweise zur dauerhaften Standfestigkeit der Lehmschürze oder jahrzehntelanger Erfahrungen beigefügt.

  • Brunnen, die eine bauliche Fremdanlage darstellen, welche der Hochwasserschutzanlage nicht direkt zuzuordnen ist, dürfen u.E. nach gemäß DIN 19712 nur errichtet oder betrieben werden, wenn dies nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand vermeidbar ist. Ebenso ist die Querung von Hochwasserschutzanlagen, mit Leitungen zu vermeiden.

Vom heutigen Standpunkt aus und nur für die Interessen eines privatwirtschaftlichen Unternehmens, ist die Genehmigung zum Betrieb dieser Pumpen im Vorfeld nicht zu erteilt und wenn doch bereits erfolgt, dann ist sie aufgrund noch vieler nicht geklärter Fakten in Frage zu stellen. Hierzu gehören auch die Überschneidungsbereiche des von landseits heranströmenden Grundwassers seitlich der Schürze mit „umgeleiteten Grundwassers um die Schürze“, wo nicht ausgeschlossen werden kann, dass es womöglich zu einem Ewigkeitsschaden in Form eines Dauerbetriebes der Pumpen kommen könnte.

In den Anlagen des hydrogeologischen Gutachtens wurden die Standorte der geplanten Pumpen eingezeichnet. Diese haben von östlich nach westlicher Richtung betrachtet einen Abstand von 180m- 200m-135m-170m-200m untereinander.

Die Fördermenge einer jeder dieser Pumpen, welche in o.g. Abständen voneinander stehen, wurde mit 100m³ berechnet. Angesichts einer Mächtigkeit des Grundwasserleiters von bis zu 24m, und auch mgl. hoher Grundwasserstände, muß dieser Wert für den Fall eines BHQ angezweifelt werden. Im Abbaufeld 1 würden so z.B. 2 Pumpen einem offenen Kiesfenster von 260m breite und bis zu 29 Tiefe entgegenpumpen müssen.

Diese Brunnen sind seitens des Antragsstellers nur für ein Hochwasserereignis während eines Zeitraumes mit „offenem Kiesfenster“ geplant. Sie müssten im Falle der Genehmigung u.E. nach gemäß DIN 19712 nach Verschluss des/der Kiesfenster(s) entfernt werden und dürfen jedoch in einem Abstand geringer als der 5-fachen Höhe des Deiches beiderseits des Deichfußes überhaupt nicht errichtet werden. Gemäß den vorgelegten Plänen ist dies der Fall, zumal auch noch auf Privatgrundstücken, deren Besitzer bei Inbetriebnahme der Pumpen nicht nur bzgl. derer eigenen Gartenpumpen auf dem Trockenen sitzen, sondern aufgrund der mächtigen GW- Schwankungen auch um Gebäudeschäden fürchten müßten.

Vorhaben sind lt. DIN 19712 Punkt 13.5 unzulässig, da eine nachteilige Beeinträchtigung der Hochwasserschutzanlage in vielerlei Hinsicht (auch der Deichunterströmung-> Auftrieb/ Erosion/Suffosion während eines offenen Kiesfensters, oder einem möglichen Versagen der Schürze in Zukunft) nicht ausgeschlossen werden kann. Hier ist auch im besonderen Maße auf die Situation der sich unter dem Banndeich überschneidenden Grundwasserströme (bestehender Grundwasserstrom und des „umgeleitetes Grundwassers“) hinzuweisen. Diese Situation und deren möglich Folgen wurden im hydrogeologischen Gutachten nicht näher untersucht.

Die Vorgaben der Deichschutzverordnung sind einzuhalten.

Meßstellen

Die Lage der Messstellen zur Kalibrierung des Modelles liegen sehr weit auseinander, obwohl das Gutachterbüro selber schreibt: „Infolge der Kreuzschichtung der Niederterrasse des Rheines schwankt die Mächtigkeit der sandig ausgebildeten und stärker kiesig ausgebildeten Böden innerhalb dieser Bodenschichten relativ stark und kann auch zwischen einzelnen Aufschlussstellen nicht parallelisiert werden“.

Gerade aufgrund dieser enormen Schwankungen, ist nicht nachvollziehbar, wie hier ein plausibler Grundwasserpotentiallinienverlauf erstellt werden soll, da dieses Rechenmodell nur von „homogenen Untergrundverhältnissen“ zwischen den Messpunkten ausgehen kann und nicht von solch mächtigen Kreuzschichtungen.

Entsprechend unsinnig scheint es auch, die Grundwasserpotentiallinien noch über den Rand der äußersten Messstelle in Richtung Rees Stadtkern weiterzuführen, da dort keine bezugnehmenden Messstellen oder geologischen Aufschlüsse vorhanden sind.

Es mutet seltsam, dass der Antragssteller lediglich Messdaten seiner eigenen Messstellen verwendet, deren örtliche Lage er selber festgesetzt hat. Dies, obwohl das Land NRW einige Messstellen im Gebiet unterhält. Auch, wenn diese Messstellen teilweise nicht kontinuierlich abgelesen wurden, so existieren dennoch Werte. Die Messstellen des Antragsstellers sind im Übrigen ebenfalls sehr lückenhaft abgelesen worden.

Letztendlich dreht sich der wesentliche Bestandteil des hydrogeologischen Gutachtens darum, ob für die Ortschaft Esserden negative Veränderungen hinsichtlich Grundwassererhöhungen zu erwarten sind. In diesem Sinne ist es nicht nachvollziehbar, dass existierende Grundwasserwerte zweier direkt in der Ortschaft bestehender Messstellen nicht einbezogen wurden, bzw. dort keine eigene Messstelle des Antragsstellers eingerichtet wurde.

Wie immens wichtig dies gewesen wäre, zeigen Vergleiche der Grundwasserwerte/ Grundwasserhöhen  zwischen der staatlichen Messstelle des Landes NRW, welche sich in der Ortsmitte befindet und der dieser nächstgelegenen Grundwassermessstelle der Antragssteller mit der Bezeichnung VIII:

Kalibrierungsdatum für die Modellberechnung 21.09.07:

Meßstelle in Esserden durch das Land NRW gemessen mit 13,15

Meßstelle VIII des Antragsstellers gemessen mit 12,97

Meßstelle VIII des Antragsstellers berechnet 12,85

Dies ergibt eine Meßdifferenz von 18 cm bzw.eine Berechnungsdifferenz von 30cm

Kalibrierungsdatum für die Modellberechnung 05.10.07:

Meßstelle in Esserden durch das Land NRW gemessen mit 12,98

Meßstelle VIII des Antragsstellers gemessen mit 12,72

Meßstelle VIII des Antragsstellers berechnet 12,66

Dies ergibt eine Meßdifferenz von 26 cm bzw. eine Berechnungsdifferenz von 32cm

Am 17.01.2011 war der durch die Messstelle 080302932 ermittelte GW-Wert an der Kläranlage Rees mit 15,22 sogar 65cm höher als an der Messstelle des Antragsstellers HIV mit 14,57.

Da die Grundwasserwerte des Antragsstellers am 21.09.07,5.10.07, 16.01.11 genutzt wurden, um damit das Grundwassermodell zu kalibrieren, aber teilweise erheblich niedriger lagen, als staatliche Messstellen , ist hier u.E. nach dringender Er-/Klärungsbedarf indiziert.

Meßstelle HIV befindet sich in einer tiefen Lehmschicht, hier wurden Grundwasserdruckmessungen mit Grundwasserstandwerte gleichgesetzt. Dies scheint jedoch nicht richtig, da das Grundwasser sich nicht in der Lehmschicht analog den normalen GW-Schwankungen bewegt, sondern lediglich der GW-Druck gemessen wird. Die Werte wurden jedoch in das Rechen-Modell eingepflegt.

Entsprechend sieht man in der Anlage 2/2.4 eine Ganglinienangabe für HIV von ca 14,35m- dies ist absolut unplausibel, da sich dort bei einer Geländeoberfläche von 17,41 eine Lehmschicht bis in 11,91!!! befindet. -> Unterschied Grundwasserstand zu gemessenem Grundwasserdruck.

Wie sehr die Berechnungen des Modelles zu hinterfragen sind, zeigt sich unserem Erachten nach am deutlichsten in der Anlage2/2.4.

Anhand der eingepflegten Daten wurden die Grundwasserstände für das Datum 21.01.2011 mit der Modellberechnung nachgebildet. Dabei wird nun in der genannten Anlage mittels einer Grundwasserpotentiallinie ein Grundwasserstand von ca. 14,80 an der Örtlichkeit der Messstelle 080302932 des Landes NRW angegeben. Tatsächlich wurde aber am 24.01.2011 an der Grundwasserstelle Messstelle 080302932 des Landes NRW ein Grundwasserstand von 15,34m gemessen. Ein solch drastischer Anstieg innerhalb von 3 Tagen scheint unplausibel.

Eine solche Abweichung wirft Fragen auf, denn eine Differenz von ca. einem halben Meter kann in Zeiten höherer Grundwasserstände enorm ausschlaggebend sein für nasse Keller.

 

Die Grundwasserpotentiallinien der Anlage 3/4 laufen direkt auf die östlichen und westlichen Bereiche der Dichtschürze zu. Aufgrund der Angabe, dass hier aber das umgeleitete, von landseits auf die Dichtschürze heranströmende und dann dorthin umgeleitete Grundwasser fließt, sind diese Grundwasserpotentiallinien unplausibel, da sich dort grundwasserhydraulische Aufstauungen ergeben sollten.

Der immer wieder geradlinige Grundwasserpotentiallinien-Verlauf über das (vor dem) NSG Bienener Altrhein ist in allen Berechnungsvarianten unplausibel, da das hydrogeologische Gutachten dort von einem mächtigen Flutlehmbereich spricht- hier könnte es durchaus auch im Ist-Zustand zu Grundwasserabflussstörungen kommen.

 

Der 16.01.2011 wurde ausgewählt, um ein Kalibrationsdatum mit höherem Rheinpegelstand zu haben. Grundwasserstände der Antragsstelle-Messstellen wurden ebenfalls von diesem Tag eingepflegt. Zunächst fällt auf, dass von 7 Kalibrationsdaten 2 fehlen, das sind 14%.

Schaut man sich jedoch den Pegelverlauf des Rheines zu diesem Datum an, so stellt man fest, dass es sich um einen sehr steilen, kurzfristigen Anstieg handelt, zu dem sogleich die entsprechenden Grundwasserstände festgehalten wurden

Es fällt auf, dass die Ganglinien der Grundwassermessstellen des Antragsstellers in den folgenden Tagen noch weiter anstiegen, also der Grundwasseranstieg, welcher aus dem Hochwasser resultierte, noch längst nicht sein Maximum zeigte- siehe hierzu Anlage 2/1.3 des hydrogeologischen Gutachtens. Hier wurde offensichtlich nicht beachtet, dass ein Grundwasserkörper immer zeitlich verzögert/ träge reagiert. So stieg z.B. die Messstelle VIII, welche im Vorderland direkt vor Esserden liegt, noch um einen weiteren halben Meter an, ebenso die westlich von Esserden gelegene Messstelle HIV um einen halben Meter und die Messstelle HV sogar um weitere 80cm!!! Offensichtlich hat man hier nicht beachtet, dass ein Grundwasserkörper immer zeitlich verzögert reagiert. Hinsichtlich mit Hilfe der Kalibrierung, bzw. dem Ziel zu ermitteln, unter welchem Rheinhochwasserstand der daraus resultierende Grundwasserspiegel unter Esserden welchen Max-Stand hat, ist dieses Datum zu früh gewählt. Da es sich hier um relevante Anstiege handelt, wird auch in dieser Hinsicht die Modellberechnung erheblich angezweifelt.

 

Deichschutzverordnung

Lt. Deichschutzverordnung bedürfen Anlagen zur Kies- und Sandgewinnung eine gesonderte Genehmigung in der Deichschutzzone III. Die Genehmigungshoheit obliegt der Bezirksregierung Düsseldorf und scheint bisher nicht erteilt worden zu sein.

Auch die Verbote des § 4 der Deichschutzverordnung werden u.E. nach in diesem Antrag nicht eingehalten.

Retentionsraumverlust

Im hydrogeologischen Gutachten findet sich auf S.40 die Aussage, dass ein Retentionsraumverlust durch die geplante Abgrabung nicht eintreten wird. Dies kommt einem Wortspiel gleich, denn durch die Abgrabung tritt kein Retentionsraumverlust ein, jedoch aber durch die 50.000m²große Fläche mit der Aufbereitungsanlage, welche eine entsprechende Aufschüttungserhöhung erhalten soll.

In Anlage18.1 wird die Höhe des dann angeschütteten Geländes mit 21.12 über NN angegeben.

Rheinvorlandverfüllungen

Dem Blatt C4302 Bocholt vom Geologischen Landesamt Nordrhein-Westfalen kann entnommen werden, dass der Bereich zwischen dem Rhein und dem südlichen Abgrabungssee bereits ausgekiest worden ist. Lt. dieser Karte erfolgte diese Wiederverfüllung mit Materialien wie Asche, Schlacke, Bergematerial, Abraum, Müll, Bauschutt, Klärschlamm u.a.

Hier ist dringender Klärungsbedarf, welche möglichen Schadstoffe sich dort befinden.

Durch die Widerstandsminderung der Bodenschichten kann es zu einer generellen Freiwaschung von möglichen Schadstoffen kommen und bei Rheinhochwasser und der damit verbundenen Umkehrung des Grundwasserflusses zu einem Eintrag in den Grundwasserkörper unter Esserden.

  • §34 BNatSchG

Diesem Antrag steht u.E. nach §34 BNatSchG entgegen.

Bei dem beschriebenen Vorhaben bestehen keine zwingenden Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses an der Auskiesung der Reeser Welle, zumal Kiesvorkommen nicht nur in diesem Bereich vorliegen. Eine Alternativenprüfung mit entsprechender Abwägung konnte nicht gefunden werden.

Hier sind u.E. nach den Vorgaben des EU-Vogelschutzgebietes Vorrang zu geben.

Reeser Rheinbrücke/ Auffahrtsrampe zur Reeser Rheinbrücke

Die Abgrabung ist sehr nah an der Böschung der Brückenrampe geplant. Den Bohrprofilen ist an der Abgrabungskante eine Mächtigkeit des Kieses von 30m zu entnehmen. Ob die Tiefe in Richtung der Abgrabungsmitte hin zunimmt bleibt offen.

Hier ist dringender Klärungsbedarf, ob

  1. bei einem Abgrabungswinkel von 1:1,75 noch genügend Stabilität gewährleistet ist
  2. genügend Stabilität bei einem Rheinhochwasser gewährleistet ist (wenn der Rhein Druck auf die Rampe in Richtung der Abgrabungsböschung ausübt)
  3. ob durch die Abgrabungserschütterungen Schäden an der Rampe, oder der Rheinbrücke entstehen können.
  4. Ob es zu Erosionsschäden unter der Rampe (auch in Bezug der östlich daneben-liegenden alten kleinen Abgrabung) kommen kann, wenn zukünftig zusätzliche Grundwassermengen des um die Dichtschürze umgeleiteten Wassers dort „on Top“ vorbei müssen.
  5. Wie der Tertiärverlauf in Richtung der Abgrabungsmitte hin verläuft.

Fazit:

In dem Gebiet zwischen Wesel und Rees sind in den vergangenen Jahrzehnten multiple Abgrabungsseen angelegt worden. Dadurch ist neben der Beseitigung und Veränderungen vieler der Entwässerungsgräben das gesamte Grundwassersystem grundlegend verändert worden.

Vor jeglicher weiteren Auskiesungsgenehmigung sollten umfassende, engmaschige hydrogeologische Erkundungen, sowie ein kombiniertes Niederschlags-Abflussmodell mit einem dreidimensionalen Grundwasser-Modell auf Grundlage instationärer Berechnungen erstellt werden.

Nur so sind die sich dadurch veränderten Auswirkungen bei schwankenden Rhein- und Grundwasserständen annähernd zu ermitteln und zu beurteilen, um daraus durch entsprechend angepasste Planungen einen entsprechenden Schritt in Richtung Siedlungssicherheit zu gehen.

Standsicherheitsberechnung der Wardstraße

Die durchgeführten Berechnungen für die Standsicherheitsberechnung der Wardstraße wurden nach dem Teilsicherheitskonzept der DIN 1054 durchgeführt. Eine ausreichende Sicherheit ist nach DIN1054 dann gegeben, wenn die Einwirkungen kleiner sind, als die Widerstände, die das System diesen Einwirkungen entgegenbringt.

In der durchgeführten Berechnung wurden nicht alle Einwirkungen berücksichtigt.

Das Teilsicherheitskonzept der DIN 1054 fordert den Nachweis zweier verschiedener Grenzzustände:

  • Grenzzustand der Tragfähigkeit (ULS; ultimate limit state)
  • Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit (SLS; serviceability limit state)

Ein Überschreiten des Grenzzustandes der Gebrauchstauglichkeit hat hierbei nicht zwingender Weise den Verlust der Tragfähigkeit bzw. einen Grundbruch des Tragkörpers der Wardstraße zur Folge. Vielmehr werden durch den Nachweis der Gebrauchstauglichkeit zu große Verformungen des Untergrundes der Wardstraße vermieden. Nur hierdurch kann entsprechend nachgewiesen werden, dass keine erheblichen Straßenschäden und damit verbundene Kosten zu erwarten sind.

Stellungnahme zum Immissionsschutz-Gutachten

Schallimmisionsprognose für die geplante Kiesabgrabung Reeser Welle in Rees

Schallimmisionsprognose Nr.: 03.0600 17-1 vom 23. Aug.2017

Das schalltechnische Gutachten wird in der Gesamtheit angezweifelt, da die zu berücksichtigenden Emisionsquellen unvollständig erfasst wurden. Darüber hinaus wurden auch keinerlei Vorbelastungen berücksichtigt.

In der Zusammenfassung des Gutachtens heißt es:

Die schalltechnischen Untersuchungen haben folgendes ergeben:

  • Die geltenden Immisionssrichtwerte werden zur Tageszeit an den maßgeblichen Immisionsorten unter Berücksichtigung der im Gutachten beschriebenen Grundlagen und Rahmenbedingungen eingehalten bzw. unterschritten. Die Unterschreitungen betragen am Tag mindestens 1 dB.

Bei den Grundlagen fehlen:

  1. Zuschlag für Stunden erhöhter Empfindlichkeit (TA Lärm 6.5 an Werktagen von 6:00 – 7:00 Uhr und 20:00 – 22:00 Uhr um 6 dB (A). Dies betrifft weit über 100 Tage/ Jahr.

Ein prozentualer Zuschlag nur für den Jahresanteil der entsprechenden Windrichtung ist in der TA Lärm unter 6.5 nicht vorgesehen.

  1. Bei den maßgeblichen Emissionsquellen fehlen die Silos.
  2. Es wird eine Pumpengalerie für die Grundwassernivellierung, bedingt durch die Kiesabgrabung, von 6 Pumpen installiert, auch diese wurden nicht erfasst. Diese werden direkt vor der Wohnbebauung installiert und werden im Bedarfsfall 24 Std. eingesetzt.
  3. Der Immissionsort IP11 – Grüttweg 54 ist nach Abschnitt 6.1 TA Lärm falsch klassifiziert worden. Laut Flächennutzungsplan der Stadt Rees handelt es hier um ein reines Wohngebiet, also analog zu IP12 Grüttweg 52.
  4. Die Einschnürungen um IP04 und IP08 mit geringeren Schallimmissionen des Schallimmissionsplanes auf Seite 14 des Anhangs zum Gutachten erschließen sich nicht.

„Abschnitt 6.6 TA Lärm – Zuordnung des Immissionsortes

Die Art der in Nummer 6.1 bezeichneten Gebiete und Einrichtungen ergibt sich aus den Festlegungen in den Bebauungsplänen. Sonstige in Bebauungsplänen festgesetzte Flächen für Gebiete und Einrichtungen sowie Gebiete und Einrichtungen, für die keine Festsetzungen bestehen, sind nach Nummer 6.1 entsprechend der Schutzbedürftigkeit zu beurteilen.“

Anmerkung: Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Einwirkzeit aller Komponenten im nicht vollständigem Emissionskataster, bei einer beantragten werktägigen Betriebszeit (montags bis samstags) der Gewinnung, Aufbereitung und Verladung von 06:00 Uhr bis 22:00 Uhr (960 min) mit jeweils 3 Stunden (180 min) Ruhezeit in einem Tageszeitraum versehen worden sind.

Bei allen Berechnungen ist der Bodeneffekt zur Schallübertragung: Wasser, also hart zu berücksichtigen, dies konnte nicht gefunden werden.

Die schalltechnischen Untersuchungen haben folgendes ergeben:

  • Kurzzeitige Geräuschspitzen, die die geltenden Immisionssrichtwerte am Tag um mehr als 30 dB überschreiten, sind nicht zu prognostizieren. Die Spitzenpegelkriterien nach Ziffer 6.1 der TA Lärm werden somit ebenfalls eingehalten.

 

Bei den Grundlagen fehlt:

 

Vor Anlauf der Bänder wird aus Sicherheitsgründen ein akustisches Signal im gesamten Abbaugelände gegeben, dies wurde nicht erfasst. Sollten die Förderbänder mehrmals am Tage stillstehen, so wird dann auch mehrmals am Tage ein lautstarkes Signal gegeben.

Die schalltechnischen Untersuchungen haben folgendes ergeben:

  • Von einer relevanten Vorbelastung durch weitere Anlagen, für die die TA Lärm gilt, ist nach Inaugenscheinnahme vor Ort nicht auszugehen, sodass eine unzulässige Überschreitung der geltenden Immissionswerte in der Gesamtbelastung nicht zu prognostizieren ist. Auf eine nähere Untersuchung kann daher u.E. verzichtet werden.

 

Bei den Grundlagen fehlt:

 

Zusatzbelastung liegt durch das Kernwasser-Wunderland nicht vor (linksrheinisch westlich zu IP11). Entfernung von ca. 3,4 km Luftlinie Schallträger Rhein.

Die schalltechnischen Untersuchungen haben folgendes ergeben:

Hinsichtlich des anlagenbezogenen Verkehrs im öffentlichen Verkehrsraum wurde festgestellt, dass eine Prüfung, ob organisatorische Maßnahmen eine Verringerung der Geräuschimmissionen bewirken können, nicht erforderlich ist. 

Im Gutachten Seite 24 unter Punkt 7 Berechnungsergebnisse Straßenverkehr heißt es:

Die Ergebnisse zeigen, dass die Pegelwerte des Ist-Zustandes im Mittel um ca. 3 dB steigen. Eine rechtliche Beurteilung für den Prognose-Zustand ist nicht eindeutig geregelt bzw. nicht möglich, da eine entsprechende Rechtsgrundlage fehlt, bei der die Beurteilung geregelt ist, wenn eine Steigerung der Lärmbelastung nicht durch den Verursacher des Lärms hervorgerufen wird.

 

Dies ist sehr wohl der Fall, da der Lärmverursacher mit Hilfe der Lärm-Emissionen aus dem Ist-Zustand die Bodenoberfläche porös (G=1), in eine, für den Prognose-Zustand relevante Bodenoberfläche, schallharte Wasserfläche (G=0) umwandelt.

Bei den Grundlagen fehlt:

 

  1. Die Querung der K18 mit Lkw an einer Ampelanlage. Druckluftbremse und Anfahren an einer Steigung. Es wird bezweifelt, dass es rechtlich möglich ist, einen Teil einer öffentlichen Straße zu einem Betriebsgelände zu erklären. Hilfsweise bezieht sich dieser Einwand auf den erhöhten Lärm durch abbremsen bis zum Stillstand vor der Ampelanlage und erneutes Anfahren, was nicht mit den Regelwerten RLS-90 einhergeht, da sich diese auf annähernd gleichbleibende Geschwindigkeit von mindestens 30km/h und höchstens 80km/h für Lkw und 130 km/h für Pkw bezieht. Bei der Berechnung ist ebenfalls die harte Wasserfläche, als Schallträger zu betrachten.

Folgende Lärm Emissionen wurden vollkommen außer Acht gelassen:

Es wurden die, aus dem Antrag der Firmen Hülskens GmbH & Co. KG und Holemanns Niederrhein GmbH hervorgehenden 4 bis 6 Schiffe pro Tag, für den Abtransport von Sand und Kies nicht erfasst, obwohl diese unter der Rubrik Verkehrsbelastung aufgeführt sind.

  • Der Geräuschpegel für die Anlegemanöver bei Tag oder in der Nacht wurden demnach auch nicht erfasst. Die Schiffe kommen nicht nur bei Tag.
  • Die Lärmimmision der Stromgeneratoren oder Hauptmaschinen bei nächtlicher Liegezeit wurden nicht erfasst.
  • Die Schiffe sind nicht mit dem regulären Schiffsbetrieb auf dem Rhein zu vergleichen, da diese die Hauptfahrrinne verlassen und unter Land kommen, wurde nicht erfasst.
  • Warnsirene bei Anlaufen der Förderbänder

 

Vorbelastung

Der Verkehrslärm der naheliegenden B67 wurde nicht berücksichtigt.

Verkehrslärm durch Rheinschifffahrt wurde nicht berücksichtigt.

im Antrag unter 1.1 steht: „Der Abtransport der Produkte erfolgt mit Binnenschiffen über eine temporäre Verladeanlage am Rhein.“

im Immissionsschutzgutachten steht:“… der Versand der Produkte erfolgt ausschließlich per Schiff….“

Damit die Staub- und Lärmissionsprognosen nicht gegenstandslos werden und die Gutachten somit Ihre Gültigkeit verlieren, muß bei einer Genehmigung festgehalten werden, dass jeglicher Abtransport der Produkte ausschließlich nur über den Schiffsweg erfolgen darf und nur Materialien für die spätere Rekultivierung des Geländes gelagert werden dürfen.

Anmerkung:

  • Vibrationen, wie sie durch andere Abgrabungen bekannt sind, wurden nicht berücksichtigt. Diese werden entweder durch den Schürfkübelbagger, die Sortier- oder Aufbereitungsanlage ins Erdreich eingeleitet.
  • Die geographische Darstellung der Ausbreitungsklassenstatistik der Wetterstation Bocholt aus dem Zeitraum 1975 bis 2004 ist veraltet, da 83% der Daten aus dem letzten Jahrhundert stammen. Die Windhäufigkeit und -intensität hat sich in den letzten 15 Jahren verändert.

Die beigefügten Stellungnahmen des hydrogeologischen Gutachterbüros BGS Umwelt sind Bestandteil dieser Stellungnahme.

Dieser Einwand wurde nach bestem Wissen und Gewissen erstellt.

Wir sind der Meinung, dass neben den Unterzeichnern dieses Einwandes, alle Bewohner der Stadt Rees und auch darüber hinaus im Gesamten oder zumindest in Teilbereichen durch die u.E. nach gravierenden Unzulänglichkeiten des Abgrabungsantrages betroffen sind.

Heinz van Laak                              Dr. Leo Rehm                  Melanie Gronau                   Andreas Elbers

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