25. Februar 2017 | 00.00 Uhr

Wesel

SPD und Nabu sind gegen Gülle auf dem Deich

Wesel. Das stank zum Himmel: Im Herbst stand der Deich am Auesee unter Gülle. "Das hat tagelang und wochenlang dort gelegen", so SPD-Fraktionschef Ludger Hovest, der seinen Antrag für den Wirtschaftsförderungsausschuss so formuliert: "Es wird zentimeterdick Scheiße aufgebracht, dass man keinen Grashalm mehr sieht", heißt es da. Nabu-Chef Peter Malzbender hatte Wind davon bekommen, dass eine solche Aktion kurz bevorstehe. Hovest und Malzbender taten sich zusammen, um das zu verhindern: Große Teile des Flürener Deichs gehören der Stadt, ebenso Flächen in der Aue. Sie sind an Landwirte verpachtet. "Ich warte nicht auf neue Gülleverordnungen. Auf städtischem Grund bestimmen wir die Spielregeln", sagt Hovest. Und die sollen demnächst so aussehen: Auf dem Deich soll keine Gülle mehr ausgebracht werden, beantragt die SPD. Städtische Flächen, die landwirtschaftlich genutzt werden, dürfen nur einmal jährlich gegüllt werden, vorausgesetzt, dass die Gülle untergepflügt wird und die Maßnahme spätestens zwei Tage vorher angekündigt wird. Alle relevanten Pachtverträge werden gekündigt und umgestellt, so der Antrag. Heißt: Die Bauern können das Land weiter pachten, müssen sich aber an die Bedingungen halten. Und: Weil am 2. März der Ausschuss diskutiert, hat die Verwaltung die Landwirte gebeten, jetzt nicht zu düngen. Hovest will bei den Stadtwerken und bei anderen privaten Grundeigentümern darauf hinwirken, dass sie sich anschließen.

Gülle belastet das Grundwasser mit Nitrat, in den Kreisen Wesel und Kleve sind die höchsten Werte gemessen worden. Mehr als 40 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen liegen über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter Grundwasser. Die EU hat Deutschland bereits verklagt. Und: Auf diesen Wiesen gibt es keine Wildblumen, von denen sich Insekten ernähren könnten. Das gefährdet die Artenvielfalt. Malzbender zeigt am Beispiel Vahnum, wie ein Deich ohne Gülle aussehen könnte: Kamille, Mohn, Rittersporn, Körner Steinbrech und Butterblumen gedeihen hier, ein Insektenparadies. So könnte es zwischen Flüren und Wesel aussehen, die Flächen auf der Flussseite, rund 200 Hektar, hat Grav-Insel-Betreiber Frank Seibt bereits dem Naturschutz gewidmet, die städtischen sollen gar nicht mehr (Deich) oder nur noch einmal gedüngt werden.

Hovest und Malzbender kritisieren, dass auch Importgülle ausgebracht wird. In den Niederlanden dürfen die Bauern sie nicht ausbringen, sie exportieren sie nach Deutschland und bezahlen hiesige Landwirte dafür, dass sie sie abnehmen. Gülle, die in hiesigen Ställen anfalle, sollten in Biogasanlagen entsorgt werden. Malzbender kritisiert, dass Vorschriften nicht hinreichend kontrolliert werden. Trotz Nitratverseuchung würden auch Kreis und Bezirksregierung nicht aktiv. Sollte der SPD-Antrag erfolgreich sein, hätte Wesel in Sachen Grundwasserschutz eine Vorreiterrolle.

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