Rheinische Post vom 30. März 2016

Reeser Welle: Verwaltung für Abgrabung

Die Stadtverwaltung Rees hat bereits eine Empfehlung pro Auskiesung formuliert - trotz des Ratsbeschlusses gegen weitere Abgrabungen. Eine Jachthafen-Verlegung ist weiterhin geplant.

Die Unterlagen für die Genehmigung der Abgrabung Reeser Welle liegen derzeit bei der Stadt Rees. Sie ist nun gehalten, eine Stellungnahme dazu abzugeben. Dazu wird das Thema zunächst am kommenden Dienstag im Bauausschuss beraten, danach wird der Rat am Dienstag, 26. April, die endgültige Position der Stadt Rees festlegen. Die Stadtverwaltung Rees hat bereits eine Empfehlung pro Auskiesung formuliert - unter Berücksichtigung diverser Auflagen.

Wie bekannt, planen die Firmen Hülskens und Holemans eine Fläche von 95 Hektar beidseitig der Wardstraße auszukiesen. Die Abbaufläche wird, so sieht es der Plan vor, einen Anschluss an den Rhein bekommen, um Kies und Sand direkt abtransportieren zu können. Zeitlich will man den Rohstoff-Abbau so terminieren, dass zuerst die Rheinzufahrt sowie die südliche Wasserfläche erstellt werden. In einem zweiten Schritt soll dann zunächst die Ortslage Esserden mit einer Lehmschürze gesichert werden, bevor der nördliche Bereich ausgekiest wird. Zusätzlich will man hinter dem Deich in Esserden diverse Brunnen errichten, um bei Hochwasser austretendes Qualmwasser abpumpen zu können.

Für die Realisierung des Projekts muss ein Teilstück von 330 Meter des Spyckweges verlegt werden. Im Interesse des Hochwasserschutzes wird die K18 als Sommerdeich erhalten bleiben. Ein zusätzliches Stück Sommerdeich soll südlich der Wardstraße zum Schutz der dortigen Obstwiesen und anderer landwirtschaftlichen Flächen aufgeschüttet werden.

Die Aufbereitungsanlage ist am Sommerdeich geplant. Dafür soll das Gelände aufgeschüttet werden, und zwar 3,50 Meter über die heutige Geländehöhe.

Die Abgrabung wird mit Herstellung der Rheinzufahrt, des Sommerdeiches, der Abgrabung selbst und der Rekultivierung rund 25 Jahre dauern. Am Ende werden zwei große unverbundene Wasserflächen zurückbleiben.

Die Verlegung des Jachthafens Richtung Innenstadt ist nicht Bestandteil der Antragsunterlagen und kann dies rechtlich auch nicht sein. An diesem Ziel hält die Stadt Rees weiterhin fest und beabsichtigt, dies mit einem separaten Planverfahren umzusetzen. An einer reinen Wasserfläche zugunsten der Natur ist die Stadt Rees nämlich nicht interessiert. Sie möchte dort neben dem stadtnahen Jachthafen entsprechende Freizeiteinrichtungen sowie Gastronomie angesiedelt wissen.

Der Polder Reeserward/Grietherbusch mit einem Gesamtvolumen von rund 25 Millionen Kubikmeter wird durch die Abgrabung um rund zwei Prozent verkleinert (469.000 Kubikmeter). Der Verlust der Polderfläche soll durch die Deichrückverlegung, die der Deichverband Bislich-Landesgrenze umsetzt, ausgeglichen werden.

Was sicherlich zu Diskussionen führen wird: Bekanntlich hat der Rat der Stadt Rees beschlossen, weiteren Abgrabungen nicht zuzustimmen. Dennoch sieht die Verwaltung diesen konkreten Abgrabungsantrag über den am 17. Juni 2004 gefassten Ratsbeschluss abgedeckt. Darin hatte es geheißen: "Der Rat der Stadt Rees beschließt, dass es keine weiteren Abgrabungen über die schon im Verfahren befindlichen Abgrabungen hinaus (Reeser Meer, Reeser Welle, Reckerfeld, Helderloh, Vahmen) geben soll. Wie bekannt, ist diese Fläche auch im Gebietsentwicklungsplan (GEP 99) als Bereich zur Sicherung oberflächennaher Bodenschätze dargestellt. Die Inanspruchnahme für andere Zwecke, heißt es dort, sei auszuschließen, somit diese nicht mit der Rohstoffgewinnung vereinbar seien.

Der Ausschuss für Umwelt, Planung, Bau und Vergabe beschäftigt sich am Dienstag, 5. April, mit der Abgrabung Reeser Welle. Die Sitzung ist öffentlich und beginnt um 16 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses, Markt 1. Das Thema "Reeser Welle" ist Top 5 auf der Tagesordnung.

(rau)

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