RP Emmerich-Rees 16. Januar 2016

"Reeser Welle" steht in der Kritik

Rees. Beim Nabu-Mitgliedertreffen kochten die Emotionen hoch. Eden-Sprecher Dr. Leo Rehm forderte ein neutrales hydrogeologisches Gutachten und griff Politiker an.

Stürmisch ging es zeitweise am Donnerstagabend in Esserden während des Nabu-Mitgliedertreffens zu. Die von Dr. Leo Rehm, Mitglied des Vereins Eden (erhaltet den einzigartigen Niederrhein), erläuterten denkbaren Szenarien zum Abgrabungsvorhaben "Reeser Welle" schlug hohe Wellen. Nicht nur Esserden und Speldrop, sondern auch Reeserward und Grietherort könnten durch ein Hochwasser des Rheins "bedroht" werden. Über 80 Zuhörer verfolgten in der Gaststätte "Zur Linde" einen Vortrag zu den möglichen Auswirkungen von Kiesabgrabungen auf die Grundwasserströme, insbesondere auch in Esserden.

Dr. Volkhard Wille von der Nabu-Naturschutzstation Niederrhein in Kranenburg zog eine Bilanz über "33 Jahre Naturschutzarbeit im EU Vogelschutzgebiet Unterer Niederrhein", die er mit eindrucksvollen Naturaufnahmen und Kartendokumenten ergänzte. In seinem Referat stellte er das Vogelschutzgebiet Niederrhein als das zweitgrößte Natura-2000-Gebiet in Europa vor. Die landwirtschaftliche Intensivierung, das Absinken des Grundwasserstandes und die Folgen der Entwässerung, der Flächenverluste durch Abgrabung sowie Siedlungsentwicklungen seien einige der größten Nutzungskonflikte.

Diese belasteten unter anderem das größte binnenländische Feuchtgebiet in Deutschland. Es müssten verträgliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Hierzu gehöre auch eine klare Positionierung zum Thema Abgrabungen in Vogelschutzgebieten und eine Ausrichtung des Kiesabbaus, der sich an dem regionalen Bedarf orientiere. Der Exkurs von Wille um die von den Zuhörern aufgezeigte Problematik der Sommer- und Wintergänse machte die unterschiedlichen Interessen der Landwirtschaft und des Nabu deutlich.

Mit der provokanten Aussage: "So beschissen wie heute das Wetter ist, so beschissen ist das Thema", eröffnete Dr. Leo Rehm sein Referat über das Projekt "Reeser Welle und Abgrabungen" und legte nach: "Mit welchem Recht zerstören wir unsere Heimat und wertvolle Ackerböden?". Mit Hilfe von Planskizzen und Grafiken beschrieb er ein Szenario im Falle eines Hochwassers und die möglichen Auswirkungen auf die Ortsteile Esserden und Speldrop, die sogar auch Reeserward und Grietherort bedrohen könnten. Er forderte nachdrücklich die Erstellung eines neutralen hydrogeologischen Gutachtens und die Übernahme der Kosten durch die Stadt Rees. Sein heftiger Angriff auf die örtliche Politik: "Warum setzt ihr euch nicht zusammen!" und "Ich vermisse den lokalen Aufschrei zum geplanten Projekt ,Reeser Welle'", löste eine erhitzte Diskussion aus.

Erbost wiesen der Fraktionsvorsitzende der CDU, Dieter Karczewski, der stellvertretende Bürgermeister Harry Schulz (SPD) und sein Fraktionskollege Peter Friedmann diese Vorwürfe als unbegründet zurück. Über das Projekt sei erst dann eine Entscheidung möglich, wenn die Abgrabungsanträge dem Rat vorlägen. Einige Zuhörer forderten eine eindeutige Aussage: "Bei uns wird nicht mehr ausgekiest!"

(Het)

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