Abgrabung Reeser Welle „Sie nehmen uns nicht ernst“                   NRZ v. 15.11.2015

Die Firmen Holemans und Hülskens informieren die Nachbarn bei Markett in Esserden über die Reeser Welle.

Die Pläne für die Abgrabung Reeser Welle wurden in der Gaststätte Markett vorgestellt. Esserdener halten die Pläne für risikoreich.

.. Die Sorge der Esserdener um Haus und Hof ist derart groß, dass der erste Zwischenruf schon nach 13 Minuten erfolgte. Und es sollten weitere folgen im Laufe der Vorstellung der neuen Pläne für die Abgrabung Reeser Welle in der Gaststätte Markett.

Dabei hatte Dr. Rudolf Koss, Geschäftsführer bei der Firma Hülskens und dort zuständig für den Bereich Technik, zuvor erklärt, dass die Verantwortlichen im nun gestellten überarbeiteten Antrag versucht hätten, „mögliche Reibungspunkte und Interessenverletzungen“ der Esserdener zu vermeiden. Wie bekannt haben die Abgrabungsunternehmen Hülskens und Holemans vor rund einem Monat beim Kreis Kleve die Auskiesung im Bereich Esserden, genannt Reeser Welle, erneut beantragt.

Neu an diesen Plänen ist, dass die Kreisstraße (K 18), die mitten durch das Gebiet verläuft, erhalten bleiben soll. Das heißt: Statt des einen großen Sees soll es nun zwei kleinere Gewässer geben, 45 und 47 Hektar groß. In dem neuen Antrag nehmen die Unternehmen Abstand von einer schwimmenden Aufbereitungsanlage und favorisieren eine an Land liegende. Auf dem See soll es folglich nur einen kleinen Schwimmbagger geben, der Kies und Sand fördert. Weiterverarbeitet wird der Rohstoff im Kieswerk an Land – in Rheinnähe. Um die Lärmquelle von den Anwohnern abzurücken.

Die bereits im Erstantrag geplante Dichtschürze aus Lehm soll noch massiver werden, damit im Hochwasserfall möglichst wenig Wasser unter der Schürze durchsickern kann. Zudem sind sogenannte Sümpfungsbrunnen zur weiteren Sicherung geplant. Sie sollen landseitig entlang des Deichkörpers gebaut werden. Im Hochwasserfall soll mit den Brunnen Wasser abgepumpt werden, bis zu 600 Kubikmeter Wasser am Tag.

„Dass lässt den Schluss zu, dass die Dichtschürze in der ersten Planung überhaupt nicht ausreichend war“, meldete sich Everhard Baumann zu Wort. Weitere Bedenken, zum Teil hochemotional vorgebracht, zeigten, dass das die Esserdener die Pläne für risikoreich halten. „Wie viel Land haben Sie in dem Bereich denn schon erworben? Von mir bekommen Sie keinen Quadratmeter!“, so ein Zwischenruf, der mit heftigem Klopfen auf den Tischen quittiert wurde.

Koss forderte immer wieder mit Nachdruck Ruhe ein, um erst mal die erst einmal Planungen vorzustellen. „Ihr Ton gefällt mir nicht. Sie nehmen uns nicht ernst“, äußerte sich eine Zuhörerin verärgert. Die Abgrabung soll zunächst südlich der K 18 erfolgen, später Richtung Esserden. Hier ist die Mächtigkeit besonders groß, also die Kiesschicht besonders dick, so dass hier auch besondere Dichtungsmaßnahmen erforderlich seien, kam Koss noch einmal auf die im neuen Antrag ertüchtigte Lehmschürze zurück.

Die Rekultivierung soll schrittweise der Abgrabungstätigkeit folgen. Verfüllt werden die Seen nicht. „Warum nicht?“, wunderte sich Eduard Wendges. Wenn dies geschehe, gehe doch langfristig das so wichtige Land nicht verloren. „Wir müssten Fremdstoffe verwenden, die nicht mehr ohne weiteres eingebaut werden dürfen“, so Koss. Heute dürfe nicht mehr, wie früher üblich, mit einem von der Landwirtschaft im Rahmen der Zulässigkeit gedüngten Boden verfüllt werden.

Die Gesamtlaufzeit der Abgrabung wird auf 25 Jahre geschätzt, die Kies- und Sandgewinnung – 1,4 Millionen Tonnen sollen dort gefördert werden – auf 18 Jahre. „Aber das ist abhängig von der Nachfrage“, so Koss. Und die sei rückläufig. So rückläufig, dass Hülskens seinen Mitarbeiterstab von 315 auf 181 habe „verschlanken“ müssen. „Was, wenn die Kiesfirma pleite macht, bevor die Abgrabung beendet ist?“, kam prompt eine Frage aus der Anwohnerschaft.

Auch der Reeser Yachthafen, den die Stadtväter, sollte die Reeser Welle denn tatsächlich in Bewegung kommen, an die Stadt heranrücken will – das jedenfalls war mit dem Erstantrag gefordert worden – wurde thematisiert. Denn die Einfahrrinne für die Schiffe, über die der gesamte Rohstoff Kies und Sand abtransportiert werden soll, will man dafür erhalten. Der Mahnensee soll Rückzugsraum für die Natur werden.

Maria Raudszus

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