Niederrhein zum Dumpingpreis?                                                      NRZ Wesel v. 22.06.2015

 

Grüne fordern erneut, dem Kiesabbau Grenzen zu setzen. Sie wollen einen Kreistagsbeschluss von 2013 neu auflegen und in die Landesentwicklungsplanung einbringen

An den gesellschaftlichen Mehrwert des Kiesabbaus am Niederrhein glauben die Kreisgrünen Ulrike Trick und Hubert Kück nicht. "Die Kiesindustrie argumentiert, dass die Landschaft eben der Veränderung unterliege. Das stimmt auch", sagt Ulrike Trick. "Aber Landschaft kommt von Land. Die Kies-Seen werden sich nicht mehr verändern, die sind in 100 Jahren noch da." Einzelne Naturschutzprojekte änderten daran nichts.  

Boden ist verloren

Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft, Mais-Monokulturen beispielsweise, auf die die Kiesindustrie gern hinweise, seien wieder gutzumachen. "Das Land ist ja immer noch da." Abbauflächen hingegen seien für immer verloren für die Nahrungsproduktion. Die einzigen, die davon profitierten, seien die Kiesunternehmen selbst.  

Die Grünen wollen einen Beschluss des Kreistags aus dem Jahr 2013 wiederbeleben und erneut in die Offenlegung des Landesentwicklungsplans nach den Sommerferien einbringen. Und sie haben keinen Zweifel daran, erneut eine breite Mehrheit dafür im Kreistag zu erhalten. Im Kreis Kleve wird der gleiche Vorstoß unternommen.  

Einige Forderungen: Der Rohstoffabbau soll regional verteilt werden. "In den Braunkohlegebieten fallen Kiese und Sande an. Sie werden aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht gefördert, nach dem Motto ‚Am Niederrhein ist es billiger"', sagt Kück. Er und Trick zitieren Hanns Dieter Hüschs Gedichte über den Niederrhein, eine Region aus Wiesen, Feldern und Kopfweiden, die quasi zum Dumpingpreis verhökert werde.  

19 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen seien abgebaut oder freigegeben. Weitere Vorranggebiete soll es nicht geben, so die Forderung. Die Landregierung, nicht die Kommunen oder die Bezirksregierungen, solle dafür sorgen, dass kontinuierlich der Flächenverbrauch für den Kiesabbau sinkt.  

Und: Der Kies-Euro, der die Vernichtung der Landschaft, wie die, Grünen sie sehen, teurer machen soll, muss kommen, fordern sie. Immerhin ist er Teil der Koalitionsvereinbarung.  

"Auch in 500 Jahren muss es noch Kies und Sand im Kreis Wesel geben", so die Grünen. Und Iandwirtschaftliche Fläche, "wir wissen nicht, ob die nachfolgenden Generationen den Boden noch brauchen. Oder den Kies."  

Was sie in jedem Fall brauchten, sei sauberes Grundwasser – Sand und Kies fungieren als hervorragende Filter. Und sie seien Grundwasserspeicher. „Wir machen uns Sorgen um das wichtigste Lebensmittel", sagt Kück. Immerhin exportiere der Niederrhein das Wasser ins Ruhrgebiet. Außerdem sorgten Wiesen und Kopfweiden für Kühlung, ein natürliches Frischluftsystem.

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