Niederrheinische Baggerlöcher versus heimische Landwirtschaft?

Fruchtbare Böden sind sehr gefragt, weil dort die Mühe der Arbeit die besten Ernten versprechen. Solch gesegnete Landstriche befinden sich in den Niederrheinauen. Eine Landschaft in der Milch und Honig fliessen, gehör(t)en somit ernährungswirtschaftlich eigentlich geschützt.

Mecklenburg-Vorpommern plant gegenwärtig, sämtliche landwirtschaftlichen Nutzflächen die die Bodenpunktzahl 50 oder mehr erreichen, als Vorranggebiete auszuweisen!

Am Niederrhein hingegen opfert man derweil noch immer grossmaßstäblich ertragreiche Böden zugunsten von Baggerlöchern (letztere sollen laut Kiesindustrie gesellschaftliche und/oder ökologische Mehrwerte erzielen). Aber erzeugen nicht vielmehr erst hochwertige Böden dauerhafte ökonomische und somit gesellschaftlich nachhaltig bessere Mehrwerte? Denn der Löwenanteil der Ernährung wird zu allen Zeiten längs der Flußmarschen erzielt.

Die zahlreichen Baggerlöcher verursachen inzwischen zusehends Lasten infolge Suburbanisierung (Zersiedlung durch zahlreiche abgrabungsbedingte Freizeiteinrichtungen). Ca. 50% der niederheinischen Entkiesungen dienten 1995 der Erholungsnutzung.

Umweltbelastend wirken sich auch Verfüllungen von Abgrabungen in Flussmarschen aus (aus strombautechnischen Gründen schließt man diese tlw. bis heute mit bedenklichen Fremdmaterialien die mitunter gar deponiert gehör(t)en ( u.a. Waschberge)).

Bereits 1981 monierte Dr. M. Hoffmann, dass oft landwirtschaftsflächenintensive Großab-grabungen genehmigt würden. Diese seien nicht nur unökologisch, sondern für die Kieser aufwandsminimierend. Ein Indiz, dass Profit als oberste Maxime gilt.

Die Ewigkeitsschäden wie z.B. der Verlust landwirtschaftlicher Flächen bzw. verfüllungsbedingte Ernteminderung, Grundwasserabsenkung-, sowie verschmutzung, Gebäudeschäden durch baggerlochbedingte Setzungsrisse (vorzugsweise an Wasserburgen und Hofanlagen), Retentionsverluste flossen bisher noch in keine sogenannte gesellschaftliche, geschweige denn ökologische Mehrwert-Bilanz.

Mutet es nicht einwenig seltsam an, dass Kies-Beton u.a. fruchtbarste Böden beseitigt, aber man vorgibt, nachhaltig gesellschaftliche Mehrwerte zu erzeugen. Stellt diese Bodenschatzförderung- und verarbeitung doch jeweils eine 100%-Vernichtung der landwirtschaftlichen Nutzung dar. In der Stromaue wird allzu oft leichtfertig hierfür die hoch produktive heimische Landwirtschaft geopfert. Auch wird die biologische "Wiederaufbereitungsanlage" Boden dabei also völlig vernichtet.                                   Landwirtschaft dient allen. Und das sogar zeitlos. Ist es nicht gerade der vergessene, ausgeblendete/ausgeklammerte Faktor Zeit, der lediglich suggeriert, dass Abgrabungen u.a. gesellschaftliche Mehrwerte erzielen würden (generationenübergreifende, potentiell auf ewig mögliche landwirtschaftliche Erntejahre vergleicht die Abgrabungs-Lobby mit der ihrerseits lediglich letzten "Kies-Ernte".

Der Planet Erde wächst jedoch nicht mit. Müsste Mensch vor diesem Hintergrund künftig nicht nur mehr von seinem Standpunkt aus handeln, sondern von den Grenzen unserer Mutter Erde ausgehend denken und wirtschaften?

Mit der Bodenvernichtung einher geht die Grundwasserfreilegung. Der natürliche, boden-gesunde Filter entfällt und Baggerlöcher sind somit diversen Schadstoffpfaden schutzlos ausgesetzt (manch einem umsorgt sogar, dass diese Luft-Sabotageakten ausgesetzt werden könnten).

Der naturgewässerreiche Niederrhein gehört noch immer zu den bundesweit am stärksten von der Landwirtschaft geprägten Gebieten. Doch er verkommt zusehends zur Retortengewäserlandschaft. Die Altwasser treten gegenüber der überbürdenden Anzahl von Baggerlöchern optisch zusehends in den Hintergrund. In der Gesamtschau hielte ich es für angezeigt, nicht von einem Multiplikations-, sondern vielmehr von einem Dividierungseffekt zu sprechen. Sprich, nicht von einem gesellschaftlichem Mehrwert, sondern vielmehr dbzgl. Verlust auszugehen. Denn dabei handelt es sich doch um eine naturfeindliche, aber nicht gesamtbilanzielle Kalkulation. Auf beseitigten Böden kann nun einmal nichts mehr zeitlos nachhaltig -wirtschaftlich- wachsen (Anmerkung: Immerzu wachsen kann eigentlich nur etwas in der Natur. Stetes Wirtschaftswachstum ist auf der begrenzten Erde garnicht möglich und somit ein völlig falscher Ausdruck von Ökonomen) Verbrauchtes Land stellt keinen Ausweg dar. Es entzieht jeder Wirtschaft i. w. S. den Boden. Abgrabungen hinterlassen meistens Wasserwüsten, die oft Industriebrachen zur Folge haben. Beispielgebend ist die in spe nutzungslose, sowie nutzlose? Norderweiterung Reeser Meer bei Kloster Aspel (die herrliche Verbindung von Architektur und beeindruckender Landschaft wurde zugunsten eines gescheiterten Freizeit- und Erholungsschwerpunktes im Nachhinein" umsonst" vernichtet. Und das vor dem Hintergrund, dass bereits über 20% der Stadtgebietsfläche von Rees in nur wenigen Jahrzehnten für den Kiesabbau geopfert wurden).

Die Demaskierung dieses Begriffes halte ich für längst überfällig. Der baustoffabbaubedingte Verzehr von heimischen Landwirtschaftsflächen entsolidarisiert den Bauernstand (Stichwort Kies-Bauern vs. Land-Wirte).                                                                                                                  Alle vier Tage wächst die Weltbevölkerung um eine Millionen Menschen. Auch vor diesem Hintergrund sollten nur noch weniger ergiebige, bzw. Grenzertragsflächen mit maximal 50 Bodenpunkten am Niederrhein abgebaut werden.

Ist es nicht erstrebenswerter, sich nicht nur in Krisenzeiten weitestgehend von Lebensmittel-importen unabhängig zu machen? Heuschreckenspekulanten würde man hier nicht so leicht antreffen, aber Menschen, die ihr Geld dort in die Hände nehmen, wo sich Zukunft durch die vermehrte Reaktivierung lokaler Wertschöpfungketten gestalten lässt.

Wäre es vor diesem Hintergrund nicht überlegenswert, Nass-, und Tockenabgrabungen verstärkt mit innerten Stoffen wiederzuverfüllen und zeitgleich somit vermehrt Flächen für die Landbewirtschaftung zu renaturieren? Denn laut Bundesumweltministerium 2015, müsse agrarflächendeckend eine zunehmende Ökologisierung der Bewirtschaftung einsetzen. Das biologische Ertragspotential der Böden will man stärker ausgenutzt wissen, um so deren künstliche Stickstoffüberfrachtung entgegnwirken zu können (durch chemisch-syntethische Dünger, sowie Luftstickstoffoxide sei bundesweit gegenwärtig, summarisch eine 50%-ige Überdüngung der landwirtschaftlichen Nutzflächen zu verzeichnen).

Der Naturschutz würde ebenfalls davon partizipieren. Denn die Wertigkeit von Biotopen hängt zu 75% von der ökologischen Qualität unserer Böden ab. Der Degeneration/Defastier-ung von Feldern und Wiesen würde ebenfalls deutlich entgegengewirkt werden können.

Früher wurde das Kulturland von allen genutzt, das Prinzip hieß Allmende. Ein Stückweit könnte es wieder so werden, wenn die Region Niederrhein den Agrarwert künftig mehr schätzt. Sie würde damit auch ganz eindeutig gegenüber der Kiesindustrie, die Verteidigung der Heimat in den Vordergrund stellen.

Enden möchte ich mit einem Zitat von Dr. E.G. Zitzen:"Die Lanwirtschaft ist Ursprung und Ausgang allen Werdens und Geschehens, ist Kern und Grundlage des gesamtem Volkes und der ganzen Wirtschaft. Die Landwirtschaft schließt alle Anfänge des wirtschaftlichen und des kulturellen Daseins in sich. Handel, Industrie und Kultur entwickeln sich zunächst im Schoße des bäuerlichen Lebens.

Im Jahre 2015, dem internationalen Jahr der Böden, hätten wir vielleicht wieder einmal mehr Grund&Boden zu schützen (die Kultur des Bauerntums entstammt dem lateinischen "colore" und bedeutet die Bestellung -von Acker-, sowie Grünland und ist somit eine Daseinsform die Land schafft; sprich die der Land-Wirt erschafft).

Willi Wissen, im April 2015

  

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