Bedenken in Wind geschlagen           RP v. 04.03.14

Verladehafen ForFarmers-Thesing auf dem Reeser Eyland


Die Argumente sind ausgetauscht. Bedenken kritischer Bürger wurden in den Wind geschlagen. Der Reeser Bauausschuss hat sich mit großer Mehrheit für die Unterstützung des größten europäischen Futtermittelherstellers ausgesprochen. Er will alle Mittel ausschöpfen und die Lizenz für die provisorische bis 2021 genehmigte Verladestelle verlängern. Damit stimmt die Politik gegen die Verwirklichung eines Europäischen Schutzgebietes.
Schon jetzt hat man den Rückzug brütender Vögel beobachtet. Die zum Teil heftigen Stäube beim Verladen können fremde, mit Sicherheit artfremde Samen enthalten, die eine Renaturierung verhindern. Vielleicht enthalten sie auch Gifte, die Fauna und Flora und die Gesundheit der Anwohner schädigen können. Wie ist es mit gentechnisch verändertem Saatgut ? Und das alles ohne Auflagen für unabhängige Kontrollen, für eine möglichst schonenden, staubfreie Entladung und ohne Vorgabe für einen erträglichen Transport zum Schutz der Anwohner.

Ein Spaziergang zur Entladestelle macht deutlich, wie viel Schmutz, darunter auch Öle und Fette, mitten im Schutz- und Überschwemmungsgebiet vorhanden sind. Ein Werkstattbesitzer auf dem „Festland“ Hätte schon längst Schwierigkeiten mit der Gewerbeaufsicht. Sicherer, qualifizierte und gut bezahlte Arbeitsplätze für Haffen und die Region sind lebenswichtig. Aber nicht um jeden Preis.

Vom guten Willen eines expandierenden Kraftfutter-Multis abhängig zu sein, ist das eine; aber dafür die Ängste und Sorgen betroffener Reeser Bürger – zumindest nicht erkennbar – ernst zu nehmen und nach Kompromissen zu suchen, schwächt das demokratische und nachbarschaftliche Miteinander. Es bleibt zu hoffen, dass sich der riesige europäische Konzern nicht zu einer Heuschrecke entwickelt. Aber vielleicht gibt es doch noch Kontrollinstanzen, die im Vorfeld Sicherungen einbauen und Grenzen setzen können.

 

Dr. Klaus Kleineberg, Bonn

 

 

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