Stellungnahme EDEN e.V. zur geplanten Abgrabung Histenbruch

Mit dem Abbau von Kies und Sand werden der Natur-, sowie insbesondere der Wasserhaushalt nachhaltig verändert und  äußerst wertvolle Böden der unteren Niederrheinterrasse unwiederbringlich zerstört. Diese massiven Eingriffe in das Grundwasser sind in ihrer Komplexität nicht mehr rückgängig zu machen.

In vielen Bereichen ergeben sich zunächst Grundwasserabsenkungen, die aber in bestimmten Situationen, wie z.B. Rheinhochwasserständen oder Grundwasserhochständen genau in das andere Extrem umschlagen können.

Bis zum 02.06.2017 konnte jeder Bürger beim Kreis Wesel in die Antragsunterlagen zur geplanten Großabgrabung „Histenbruch“  mit verbleibender Wasserfläche von 95 ha Einsicht nehmen, bzw. sich diese Unterlagen als Download auf seinem Computer abspeichern.

Eine solche Offenlage dient dazu, dass sich Bürger über ein geplantes Vorhaben informieren können, und die Gelegenheit erhalten bei der genehmigenden Behörde (hier die Kreisverwaltung Wesel) einen Einwand zu erheben, insofern sie sich als von dieser Maßnahme betroffen sehen, bzw. von deren Belange betroffen sind.

Diese Möglichkeit des Einwandes besteht für die geplante Großabgrabung „Histenbruch“ noch bis zum 16.06.2017.

Eden e.V. setzt sich für den Erhalt des einzigartigen Niederrheines ein. Dabei beurteilt Eden abgrabungsbedingte weitere Eingriffe in den Grundwasserkörper mit immer weiter fortschreitender Beeinflussung der Grundwasserverhältnisse zum offensichtlichen Nachteil einer ganzen Region als äußerst bedenklich. Aufgrund dieses langjährigen Einsatzes, auch unter Hinzuziehung fachlicher Unterstützung, werden die Belange des Vereines EDEN e.V.  von dieser Maßnahme berührt.

Bezüglich  verschiedenster Punkte, die EDEN e.V. in seiner Stellungnahme näher aufführt, zweifelt der Verein die Gültigkeit des Hydrogeologischen Gutachtens an (somit auch die Genehmigungsfähigkeit), und sieht bei Durchführung dieser Maßnahme dadurch bedingt eine Gefahr für Hab und Gut der Bevölkerung bei extremen Rheinhochwasserständen oder aber auch von landseits heranströmenden hohen Grundwasserständen, wie z.B. im Juni 2016.

In Wahrung ihrer Fürsorgepflicht den Bürgern  gegenüber, fordern wir die genehmigenden Behörden auf, hinsichtlich des Hydrogeologischen Gutachtens eine genaueste Prüfung der Genehmigungsunterlagen vorzunehmen.

Wir haben in der Onlineeinstellung auf das Zitieren von Original- Textpassagen verzichtet, um nicht Gefahr zu laufen, von Seiten des Antragsstellers juristisch angreifbar zu sein. Solches Verhalten würden  wir jedoch unverzüglich über die Medien an die Bürger weitergeben.

Die Original- Textpassagen können auf Anfrage bei EDEN e.V. eingesehen werden.

 

Stellungnahme zu den hydrogeologischen und grundwasserhydraulischen Aussagen der Genehmigungsplanung zur Auskiesung von Histenbruch
(erstellt zu den auf der Homepage Kreis-Wesel.de zur Verfügung gestellten Downloadlinks)

Nordöstlich der Ortschaft Wesel - Bislich plant die Holemans GmbH die Kiesabgrabung “Histenbruch“ mit  99,8 Hektar Abgrabungsfläche.

Hierzu enthalten die Planunterlagen ein „Hydrogeologisches Gutachten“ (nachfolgend in den weiteren Erläuterungen auch als HG bezeichnet) des Ingenieurbüros Borchert, mit dem die Auswirkungen der momentan beantragten Abgrabung „Histenbruch“ und einer weiteren geplanten Abgrabung „Vissel-Süd“ auf den Grundwasserstand, sowie die umliegenden Baggerseespiegel durch Modellberechnungen quantifiziert werden sollen.

Zu diesem Vorhaben wird in dem hydrogeologischen Antragsgutachten vom 19.04.2010 ausgeführt, dass im Jahre 2008 ein Ingenieurbüro Janssen GmbH bereits einen Erläuterungsbericht zu Auswertungen auf den Grundwasserspiegel hinsichtlich der geplanten Abgrabung „Histenbruch“ und „Vissel-Süd“ erstellt hat. Dabei habe sich herausgestellt, dass es in Teilbereichen im Hochwasserfall zu einem Übertreten des Grundwasserspiegels oberhalb des benachbarten Geländeniveaus kommen kann. Daher wurde vorgeschlagen ein Grundwassermodell zu erstellen, um die kritischen Geländebereiche genauer identifizieren zu können, damit man zuverlässige Planungsgrundlagen für die Eingrenzung eben dieser kritischen Geländebereiche erlangen könnte.

Zum potentiellen Konflikt ergeben sich also Bereiche, in denen es durch diese Vorhaben zu Überschwemmungen im Hochwasserfall kommt/ kommen kann. Diese gilt es zu finden und auch dazugehörige quantitative Aussagen zu erstellen, damit im Zusammenhang mit dieser Planung sich ergebende Grundwassererhöhungen, bis hin zu Übertritten erfasst und bewertet werden können.

Dass die bisher durchgeführten Untersuchungen eine sachgerechte Beurteilung des Zusammenhanges überhaupt ermöglichen, sehen wir nicht als gegeben an. Dies begründen wir nachfolgend mit dieser Stellungnahme:

Auf  S. 19 des HG findet sich der Hinweis, dass ein zweidimensionales Berechnungs-Modell herangezogen werden könne wegen der geringen Komplexität des Untergrundes.

Weiter heißt es auf S. 20 des HG , dass es nicht möglich sei, mit einem einfachen horizontal-ebenen Modell den Hochwasserstand des Untersuchungsgebietes nachzubilden….. und dass die verwendete Gleichung um den vertikalen Zufluss  zu ergänzen sei (leaky aquifer)

Die u.E nach ausgeprägte dreidimensionale Strömungskonfiguration

wird also durch eine zweidimensionale Modellierung mit einem vertikalen Zustrom gemäß dem Ansatz des leaky aquifer berücksichtigt.

Unseres Erachtens nach ist die derzeitige Grundwasserströmung jedoch bedeutend umfangreicher zu betrachten, denn:

  • Bei Mittel- und Niedrigwasserführung des Rheines erfolgt die Grundwasserströmung über große Bereiche hinweg mit freier Grundwasseroberfläche
  • Innerhalb des Untersuchungsgeländes existieren bereits eine Vielzahl von Abgrabungen
  • Mit steigendem Rheinwasserstand erfolgt die Grundströmung über zunehmende Bereiche (auch Teilbereiche) gespannt bis vollständig gespannt
  • Das Untersuchungsobjekt liegt in einem Rheinbogen, so dass bei auflaufendem

Hochwasser eine Einströmung von 2 Seiten (Süden und Westen) in das Untersuchungsgebiet erfolgt

  • Kreuzschichtungen

Der im Gutachten auf S. 20 gewählte Ansatz der horizontal- ebenen Modellierung könnte u.E. nach diesen Merkmalen der Grundwassertrömung nicht ausreichend gerecht werden. Wir fanden keine Ausführungen über die Modellierung des räumlich-zeitlichen Wechsels gespannter und ungespannter Verhältnisse. Dieser Wechsel hat aber möglicherweise auch einen Einfluss auf die Druckübertragung im Aquifer,  sowie die daraus mögliche Vernässungs- oder gar Überflutungsgefahr tiefliegender Geländebereiche in den zu berechnenden Lastfällen.

Somit sollte u.E. nach eine dreidimensionale instationäre Grundwassermodellierung erarbeitet werden, welche die Geometrie

  • der Baggerlöcher (Ist/geplant),
  • der Auelehmschicht (im Allgemeinen bis in 1,50m - 4,0m Tiefe, lt. HG nur vereinzelt weniger)
  • des quartären Aquifers mit dem Tertiär als  liegendem des Aquifers (starke Schwankungen der Mächtigkeit von bis zu 14m!)

erfasst.

Werteermittlung

Für die Modellberechnung (welche Aussagen über zu erwartende Grund- oder Baggerseewasserstände berechnen soll z.B. für ein 95er oder Extremhochwasser) wurden die zur Verfügung gestellten Messungen der SUCO-Pegelbrunnen 1-13 aus den Jahren 1990-2008, sowie der Pegelbrunnen an der K7 der Menting und Bresser aus den Jahren 1997 bis 2008 zugrunde gelegt.

Die Tabelle 2 auf S. 9 des HG zeigt Min-/ und Max- Werte eben dieser Grundwassermessstellen, die dann für Berechnungen genutzt wurden. Beim Vergleich mit ELWAS-WEB  fiel uns auf, dass Einige dieser Min-/Max-Werte, die für die Modellberechnung herangezogen wurden nicht mit Daten eben dieser Messstellen in ELWAS-WEB  übereinstimmen.

Siehe hierzu u.a. Anlagenteil dieser Stellungnahme:

Schon alleine aufgrund der Aussage des Hydrogeologischen Gutachterbüros auf S. 29 (8) , dass das hydrogeologische Gutachten für diese geplante Abgrabung (Histenbruch und Vissel Süd) nur für die dem Grundwassermodell zugrunde gelegten Randbedingungen gültig sei,

aber auch aufgrund der Erläuterung S.29 (4), dass das Grundwassermodell sensibel auf Veränderungen reagiert, ist hier u.E. nach eine tiefere, unabhängige Prüfung der zugrundegelegten Werte (und möglichen Auswirkungen) erforderlich, welche u.E. nach fundamentale Randbedingungen darstellen. 

Es fällt auf, dass der überwiegende Teil dieser Messstellen abgrabungsnah gelegen und somit die Frage zu stellen ist, inwieweit sich diese Werte überhaupt eignen, um damit ein Modell mit Grundwassergleichen zu erstellen.

Die Brunnen / Grundwassermessstellen B1 und B2 liegen im Bereich der Bislicher Ley (einem großen Vorfluter) und dazu noch direkt an der Rhein-Terrassenkante, sodass hier möglicherweise verschiedene Einflussfaktoren gegeben sind.

An der GWM Nr. 10 (Leckerfeld) befinden sich laut ELWAS-WEB zwei Grundwassermessstellen, welche von dem Unternehmen Suhrborg (Holemans) abgelesen werden/wurden. Es handelt sich um die Nummern 046532213 und 046532183. Es ist für uns nicht nachvollziehbar, warum diese Grundwassermessstellen mit Ihren ermittelten Ergebnissen an gleichen Ablesetagen z.T. so extrem voneinander abweichen. Siehe hierzu Beispiele in Anlage 9-12 dieser Stellungnahme.

Insbesondere aufgrund der Kreuzschichtungen hätte u.E. nach ein bedeutend engeres Raster von Grundwassermesssstellen, sowie Pumpversuchen erstellt werden müssen.

Pumpversuche

Am 27.05. und 05.06.2009 wurden an den Grundwassermessstellen Nr.1 (Ellerdonk), Nr.3 (Brüggenhofsee), Nr.8 (Diersfordt Süd) und Nr.10 (Leckerfeld) Pumpversuche durchgeführt zur Ermittlung des für die Modellberechnung ansetzbaren mittleren Durchlässigkeitsbeiwertes des Grundwasserleiters.

Gemäß S. 21 weisen die Abgrabungsseen Brüggenhof, Ellerdonk, sowie Leckerfeld eine geschlossene umlaufende Abraumverkippung der Uferböschungen auf.

Hier stellen sich uns die Fragen,

  1. warum diese Grundwassermeßstellen allesamt an Abgrabungen anstromseitig des Rheines ausgewählt wurden und nicht eine Einzige anstromseitig des von landseits heranfließenden Grundwassers
  1. warum keine Grundwasserstelle mitten im Geländebereich hinzugenommen wurde
  1. ob und in wie weit der Pumpversuch /Wiederaufstieg an den Messstellen 1, 3 und 10 beeinflusst sein könnte, da die Messstelle im maßgeblichen Moment nicht von allen Seiten angeströmt wird-> Absenkungstrichter weist möglicherweise keine gleichmäßig angeströmten 360° auf. Sollten Durchlässigkeitswerte hierdurch beeinflußt werden, könnte dadurch ein „veränderter“,  großflächig homogener Aquifer angenommen werden.

Es liegen aufgrund der Kreuzschichtungen, sowie auch der Eingriffe und Abraumverfüllungen keine laminaren Verhältnisse vor.

Es findet sich auf S.11 des HG der Hinweis, dass die ermittelten Pumpversuchs-Durchlässigkeitsbeiwerte die Durchlässigkeit im näheren Brunnenbereich jeweils darstellen, jedoch aufgrund der Niederterrassen-Kreuzschichtung, sowie des großen Untersuchungsgebietes nicht die Durchlässigkeit des Gesamtsystemes darstellen. Daher müsse man, um den Rechenaufwand in akzeptabler Grenze zu halten, bei einem komplexen System wie diesem, großflächige ANNAHMEN ansetzen

In diesem Zusammenhang wird zusätzlich neben dem u.E. nach vernachlässigten Aspekt der Kreuzschichtungen kritisiert, dass vom Gutachter ein komplexes System mit großflächlichen Annahmen angesetzt wird, um den Rechenaufwand in „akzeptabler Grenze“ zu halten.

Auch, dass der stark schwankende Tertiärhorizont im Bereich der Messstelle 3 abgesenkt wird, da solche Schwankungen in diesem verwendeten Rechenmodell nicht verwendet werden können, zeigt doch einmal mehr die enorme Komplexität des Untersuchungsgebietes und dass es möglicherweise einer bedeutend kritischeren Untersuchung und eines dreidimensionalen Grundwassermodells inklusive Niederschlagabflussmodelles mit Einpflegung der bestehenden und geplanten Abgrabungen inkl. derer Geometrie bedarf.

Bei einem Planungsvorhaben in dieser Größe (99 Hektar plus Mitbetrachtung Vissel-Süd ca. 49 Hektar) und unter Beeinflussung von Rhein-  und Grundwasserhochständen (hierzu später) müßten da nicht zur Sicherheit der Bevölkerung, dem Schutz von Hab und Gut, sowie den wertvollen Erträgen der hiesigen Landwirte mit großflächig und insbesondere engmaschig ermittelten Untersuchungsergebnissen die fachlichen Grundlagen erarbeitet werden, bis dieses komplexe System genauestens darstellbar ist, anstatt großflächige Annahmen anzusetzen,“um den Rechenaufwand in akzeptabler Grenze zu halten.“?

Unserer Meinung nach wären Pumpversuche auch für die Ortschaft Bislich, sowie eine häufigere und weiträumigere Anzahl von Pumpversuchen erforderlich gewesen, denn gerade  aufgrund der angesprochenen Kreuzschichtungen können sich überall „ungünstige Lagerungen“ befinden, die durch die durchgeführten Pumpversuche nicht ausreichend nachgebildet werden (können). Denn: ein Pumpversuch ist immer kritisch zu bewerten, da die ermittelten Werte letztendlich nur für den direkten Bereich gelten, der durch den Pumpversuch erfasst wurde.

Darüber hinaus dürften auch die bestehenden Abgrabungen selbst einer laminaren Betrachtungsweise entgegen stehen.

Leider findet sich auch keine Aussage, ob es sich bei den für die Pumpversuche genutzten Brunnen um vollkommene oder unvollkommene Brunnen handelt.

Dichtschürzen aus Abraum

Auf S. 12 des HG wird angeführt, dass die vorhandenen Abgrabungsseen entlang der Uferlinie teilweise vollständig und teilweise abschnittsweise mit Abraumboden (i.d.R. Auelehm / Material unter dem Oberboden) verkippt sind, welche nach den erhaltenen Informationen bis auf den Tertiärhorizont reichen und einen abdichtenden Effekt zum Grundwasserleiter haben sollen- zur Verminderung der Wasserdurchlässigkeit.

Doch hierzu findet sich im gesamten Antrag kein Nachweis!

Die Mächtigkeit der nutzbaren Kiese und Sande weist z.B. im beantragten Gebiet in Teilbereichen Stärken bis zu 30 m auf, sodass sich sofort die Frage nach der abdichtenden Art und Überwachung der Einbringung, sowie der anhaltenden Dauerüberwachung der Funktionalität der Abdichtungen stellt. Die Kontrolle der Funktionalität dieser eingebrachten Dichtschürzen ist u.E. nach dauerhaft und von einem unabhängigen Gutachter zu überwachen / überprüfen, da gemäß S.27 (1) des HG auch die verkippten Abraumböden einen  signifikanten Einfluss!!! auf die Veränderung der Seespiegel bei extremen Hochwasserereignissen haben. Noch höhere Seepegel als berechnet wären also evt. möglich, sollten diese „Abdichtungen“ eines Tages versagen, mit entsprechenden Folgen für die Bevölkerung.

Dies bedeutet also, es müsste doch sichergestellt sein, dass die postulierten Angaben der Verfüllungen /Abdichtungen der vorhandenen und geplanten Abgrabungen so auch exakt erfüllt und definitiv dauerhaft funktional bestehen bleiben.

Darüber hinaus weisen wir darauf hin, dass es unseres Wissens nach keine Norm oder DIN-Norm zur Erstellung von Dichtschürzen gibt.

Es ist richtig, dass das Dichtschürzenmaterial eine geringere Wasserdurchlässigkeit hat, als die anstehenden sandig-kiesigen Böden der Niederrheinterasse. Diese Aussage kann jedoch nur auf alle Bereiche der geplanten Dichtschürze übertragen werden, wenn diese auch in einem relativ „dichten Zustand“ erstellt wird. Hierzu schreibt der Antragssteller jedoch nur, dass  der bindige Boden entlang der Abgrabungsböschung verkippt wird (siehe auch S. 16 Antrag Histenbruch). Das Material scheint also nur in das Wasser „hineingeworfen oder -geschoben“ zu werden, was von Bürgern als solches auch beobachtet wurde. Hieraus erschließt sich nicht der bündige und abdichtende Effekt zum Tertiär (Boden der Abgrabung) oder auch der gleichmäßig aufzubauende Auftrag auf den Abgrabungsschrägen, deren Sohlen teilweise äußerst weit in das Baggerloch hinein erstellt werden sollen. Dies ist lediglich durch ein einfaches Abkippen des Bodens in das Wasser für uns nicht nachvollziehbar.

Gerade aus dem Teichbau ist bekannt, dass Lehm schichtweise eingebaut und dazwischen jeweils stark verdichtet werden muss, um die Eigenschaft des einigermaßen „Abdichtens“ zu erreichen (wobei er dann immer noch semipermeabel ist). Diese Dichtschürze wird später „Druck“ durch das Grundwasser und auch „Druck und Zug“ durch die Wasserstandschwankungen ausgesetzt sein. Es erschließt sich also nicht, auf welche Art und Weise der Abraum dauerhaft abdichtend eingebaut wird/ist.

Ein bindiger Boden setzt sich sehr langsam, sodass es zu späteren „Restsetzungen“ kommen kann. So sind ungeplante „undichte“ Stellen möglich (ggf. auch erst in Laufe der Zeit), also weitere Öffnungen in den Grundwasserleiter hinein.

Das Verhalten bindiger Böden ist von deren Wassergehalt abhängig. Man kann den Zustand, den man unter dem Oberboden vorfindet, nicht mit dem Zustand im Wasser gleichsetzen, da z.B.  die Tonminerale unter Wassereinfluss zum Quellen neigen und sich ausrichten.

Unter Druckbelastung verformen sich bindige Böden über einen längeren Zeitraum relativ stark, wozu die Neigung des Quellverhaltens (unter nicht optimalen Verdichtungszuständen) sicherlich auch ihren Beitrag beisteuert.

Es ist anzunehmen, dass das landseitige Grundwasser stärker an den genannten Kiesfenstern (Bereiche ohne Abraumabdichtung) anliegen wird und dort „vehementer“ seinen Weg durch die semipermeable Schicht sucht, als an den doch „verhältnismäßig dichteren/wasserstauenden“  Wänden.

Bei einer noch intakten Schürze könnten so immer mehr Feinanteile randseitig der Kiesfenster freigespült werden, mit entsprechender Schwächung.

Wir  befürchten, dass die Dichtschürze an diesen Stellen auf  Dauer dem Druck nicht standhalten kann und sehen die Gefahr, dass es im Laufe der Zeit zu Freiwaschungen aufgrund des anstehenden Wasserdruckes kommt. In einem Gebiet unter dem Einfluss eines großen Fließgewässers, wie in diesem Fall am Rhein, wäre dies nicht vertretbar.

Das beschriebene Aufquellen des bindigen Bodens findet an der Oberfläche der Schürze stärker statt, sodass das Material dort in eine diffuse Oberschicht übergeht. Durch die noch lange andauernden Tätigkeiten der Abgrabung kommt es zu Wasserbewegungen, welche das leichtere Material von der Schürzenoberfläche abtragen können. Da sich alsdann aber sofort wieder eine neue diffuse Oberschicht bilden kann, ist dies ein anhaltender Erosions-Prozess für den Zeitraum der Abgrabungstätigkeiten und ggf. auch durch Wasserbewegungen durch Wasserthermik und Wind, sowie Wellenschlag auch in den Jahrzehnten darüber hinaus.

Die dabei erfolgenden Freiwaschungen feinster Partikel, die durch diese Bewegungen mitgezogen werden, wären in der Lage wiederum mögliche „Setzungen“ der Schürze herbeizuführen.

Wasserdurchlässigkeitsbeiwert des Abraummaterials

Auf S. 12 ist zu lesen, dass die Wasserdurchlässigkeit nicht anhand von Laborversuchen für die verkippten Abraumböden, sondern aus insitu-Versuchen an verkipptem Abraummaterial der Hülskens-Abgrabung „Milchplatz“ angesetzt wurden.

Inwieweit dieser Wert herangezogen werden kann ist uns nicht plausibel. Genauere Informationen sind dem Gutachten nicht zu entnehmen. Hier wären u.E. nach mehrere Jahre intensiven Monitorings erforderlich (s.o.)

Wie ist es möglich, dass der Wasserpegel exemplarisch des Baggerloches Ellerdonk, welches eine geschlossene Abraumverkippung haben soll, bei einem extremen Hochwasser lt. Anlage 17 des HG zügig einen Anstieg von 1,40m haben soll? Und dies im Anstieg entsprechend der postulierten Rheinhochwasserkurve? Wäre bei einer Abdichtung nicht vielleicht ein gedämpfterer und insbesonders zeitverzögerter Gewässerpegel-Verlauf anzunehmen?

Gleiche Frage stellt sich z.B. auch für den Brüggenhofsee, welcher ebenfalls lt.S. 21 des HG eine geschlossene Abraumverkippung aufweisen soll, jedoch in Anlage 17 mit der postulierten Rheinhochwasserkurve ab dem 21. Hochwassertag einen schnellen Anstieg bis hoch auf 17,45 mNN im Rechenmodell zeigt.

Lastfall postulierte Hochwasser-Kurve
(errechnetes Hochwasserereignis)

Für den Lastfall „Rheinhochwasser“ wurde das Modell für den Fall MW, `95, sowie BHQ

(Bemessungshochwasser/Extremhochwasser), für Ist-Zustand, Ist+Vissel, Ist+ Histenbruch, sowie Endzustand (alle geplanten und bisher genehmigten Abgrabungen in diesem Gebiet) gerechnet.

Für die Modellberechnung wurde ein leichter Rhein-Hochwasseranstieg von Tag 0 bis Tag 21 zugrundegelegt, bis Tag 28 ein schneller Anstieg bis zum BHQ, dieser bis Tag 32 gehalten und gefolgt von einem schnellen Abfall.

Es stellt sich die Frage, ob nicht auch der Fall eines kontinuierlichen, langanhaltenden Anstieges bis zum BHQ betrachtet werden muss, da im Zeitraum 0-21 der Modellberechnung des Antragsstellers das landseitig in Richtung des Rheines fließende Grundwasser bei weitem noch nicht wesentlich betroffen ist. Erst wenn der Druck des Rheines in den Grundwasserkörper landeinwärts wandert und ihm das landseitig heranströmende Wasser entgegensteht, kommt es doch zu größeren Problemen. Somit ist u.E. nach auch die Betrachtung eines schnellen Abfalls hinsichtlich des hypothetischen Extremfalles nicht dienlich. Hierzu siehe verschiedene Rheinhochwasser-Verlaufskurven in den Anlagen 13-16 dieser Stellungnahme mit Beispielen verschiedener Verläufe von Rheinhochwässern.

Reckerfeld und Lohrwardtsee

Auf der Seite19 des HG steht, dass die Untersuchungsgrenzen vom eigentlichen Untersuchungsgebiet daher so  weit entfernt anzusetzen seien, dass die Randbedingungen das Untersuchungsgebiet nicht mehr beeinflussen.

Derzeit wird am Lohrwardtsee eine Dichtschürze landseits von ca. 700m gebaut. Direkt nebenliegend soll die Abgrabung Reckerfeld verfüllt werden.

Verfuellung Reckerfeld
Quelle: Kartenausschnitt aus Tim-online mit Einzeichnungen Verfüllung Reckerfeld, sowie „Abdichtung“ im Lohrwardtpolder

In Zeiten hoher Grundwasserstände, welche sich von landseits kommend in Richtung des Rheines bewegen, kann sich der anströmende Druck des Grundwassers dort also nicht mehr in den Abgrabungsgewässern direkt „entladen“, sodass das Grundwasser sich mit großer Wahrscheinlichkeit seinen Weg um diese Barrieren „sucht“.

Beide Maßnahmen befinden sich exakt am Rand des Untersuchungsgebietes und es ist möglich, dass hier die entsprechenden Randbedingungen des Untersuchungsgebietes geändert werden. U.E. nach müssten diese Einflüsse ebenso berücksichtigt werden wie aber auch der Fall, dass der Polder Lohrwardt im Rheinhochwasserfall geflutet würde und dann mit seinem erhöhten Wasserpegel auch noch in den Grundwasserkörper hineindrückt. All diese Maßnahmen und Einflüsse, ebenso aber auch das Wassermanagement des Oberflächenwassers in Lastfallzeiten müssen unserer Meinung nach modelltechnisch berücksichtigt werden (s. auch Rahmenbedingungen und Gültigkeit des Gutachtens).

Standsicherheit von verbleibenden Landbrücken und „Inseln“ mit Wohnbebauung

Die Pegelstände der bereits bestehenden Abgrabungsgewässern inkl. der geplanten Abgrabung „Histenbruch“ werden zukünftig in engstem Zusammenhang mit dem Pegelstand des Rheines,  sowie den von landseits heranströmenden Grundwasserständen schwanken, welche sich in Richtung des Rheines bewegen. Gleichermaßen, oder evtl. auch verzögert, werden die Pegelstände der verschiedenen Baggerlöcher miteinander korrelieren. Dieser Wasseraustausch wird z.T. auch durch verbliebene Landbrücken hindurch erfolgen. Es ist zu befürchten, dass es durch diese zukünftig erfolgenden Wasserströmungen/ Siphonhöhenaustausch (durch das Material der verbliebenen Landbrücken hindurch), zur Freiwaschung von Feinsanden kommen und dies auf Dauer zu Instabilität/Absackungen führen könnte. Siehe hierzu z.B. auch Baggerlochhöhendifferenz Brüggenhofsee/Visselbruch in Anlage 17.

In Grietherbusch gab es beim Maihochwasser 1983 den Fall, dass eine Straße, zwischen zwei wasserstandschwankenden Baggerlöchern liegend, größeren Schaden nahm bzw. wegsackte.

Markierung Schadensbereich
Quelle: Kartenausschnitt Tim-online mit Markierung des Schadensbereiches

Die Gefahr eines Erosionsbruchs bzw. von Erosionsschäden kann also möglicherweise auch hier nicht außer Acht gelassen werden. Da sich auf einigen Landbrücken wie z.B.  „Schüttwich“  Wohnbebauung befindet, sind u.E. nach entsprechende Standsicherheitsnachweise zu erbringen, sowie deren Standsicherheit unter allen hydrogeologischen Zuständen von einem unabhängigen Gutachter zu überwachen.

Entsprechendes gilt insbesondere auch für die auf regelrechten Kleinstinseln verbleibenden Wohnbebauungen in der geplanten Abgrabung Histenbruch.

Standsicherheit, Sicherheitsabstände etc.

Bei einem solch risikoreichen Projekt, bei dem selbst das vom Antragssteller beauftragte Gutachterbüro auf die Gefahr eines streckenweise nicht ausreichenden Freibordes bei einem Extremhochwasser hinweist (ohne Betrachtung von landseits heranströmenden Grundwasserhochständen, welche die berechneten Szenarien deutlich verschärfen könnten), sollte unserer Meinung nach im Vorfeld für jeden Haushalt im Einflussgebiet ein unabhängiges Beweissicherungsverfahren zu Lasten des Antragsstellers in Auftrag gegeben werden. Dies sollte auch in einer evtl. zu erteilenden Genehmigung enthalten und von der genehmigenden Behörde mitverantwortet werden.

Im Antrag heißt es, dass einzelne Anwohner auf den Sicherheitsabstand verzichtet haben. Ein Sicherheitsabstand hat jedoch immer seine Begründung darin etwas abzusichern und es liegt in seiner Bestimmung, diesen auch einzuhalten.

Entwässerung über den Bislich Haffenschen Fließpolder

Nord- Nordöstlich des Brüggenhofsees befindet sich eine Ausleitstelle für das aus den Baggerlöchern abfließende, überschüssige Wasser (da letztendlich alle Abgrabungslöcher miteinander kommunizieren).

Das Abgrabungswasser geht dort über in die Bislicher Ley (oder als Landwehr bezeichnet), welche Bestandteil eines alten Entwässerungssystemes zwischen Bislich und Haffen ist und das gesammelte Oberflächenwasser aus heranführenden Gräben aus dem Deichhinterland aufnimmt und in den Rhein leitet.

Gemäß Anlagen 10 und 16 des Gutachtens  (der Gegenüberstellung von Ist-Zustand und Ist-Zustand +Histenbruch) fällt auf, dass der Brüggenhofsee für den Lastfall 95er Rhein-Hochwasser im Pegel etwas steigen wird. Dieser Anstieg wird aber dann noch extremer, wenn es wie in Anlagen 11 und 17, also der Gegenüberstellung von  Ist-Zustand und Ist-Zustand +Histenbruch, um den Lastfall eines extremen Hochwassers geht.

Hinzu kommt noch der geplante Histenbruchsee, welcher lediglich durch eine schmale Landbrücke vom Brüggenhofsee abgetrennt sein wird. Zwischen diesen Baggerlochpegeln befindet sich lt. Berechnung in Anl.17 ein ∆h von ~ 30- 35 cm.

Es ist möglich, dass sich der höhere Pegel des Histenbruchsees auf den Brüggenhofsee pegelsteigend auswirken kann, und dieses Wasser nun auch noch „on Top“ zu dem zusätzlich abzuführenden Wasser (der geplanten Abgrabung) über das Bislich-Haffensche Grabenentwässerungssystem aufgenommen und weggeführt werden muss.

Hier raten wir dringend zu einem Niederschlag-Abflussmodell, da sich bereits im Juni 2016 zeigte, dass der verbliebene Teil des Grabenentwässerungssystemes weder die Niederschlagsmengen des Starkregenereignisses einigermaßen adäquat, noch die über Wochen herrschenden Grundwasserhochstände/Qualmwasser und Baggerseewässer  abführen konnte.

Die im Juni 2016 entstandenen baulichen und landwirtschaftlichen Schäden dürften sich in einem exorbitanten Bereich befinden.

Dringend raten wir auch zu einer Betrachtung möglicher Beeinflussung  der Grundwasserstände für die Ortslage Mehrhoog, die ggf. bedingt wird durch die höheren Seepegel im Lastfall durch die anzunehmenden größeren fortzuleitenden Wassermengen, welche unten an der Rheinterrassenkante über die Vorfluter Lange Renne und Haagener Meer, Haffensche Landwehr aus dem Deichhinterland ausgeleitet werden müssten. Eine Erhöhung dieser Wasserpegel könnte einen Einfluss auf die Vorfluterfunktion dieser Landwehren hinsichtlich des oberen Grundwasserkörpers von Mehrhoog, als auch dem Einzugsgebiet von Haffen und Mehr haben.

Nach den Ereignissen im Juni 2016 hat sich der Grundwasserkörper im Mehrhooger Bereich erst im Frühjahr 2017 langsam wieder erholt. Es ist durchaus denkbar, bzw. nicht auszuschließen, dass es aufgrund der Situation in der niederen Rheinterrasse zu einem Rückstaueffekt in der höher gelegenen Rheinterrasse kam, mit dadurch bedingten Grundwasserhochständen weit ins Hinterland hinein.

Steuerung des Bislich-Haffenschen Fließpolders

Im oberen Bereich des Brüggenhofsees befindet sich die Ausleitung der Baggerseegewässer (s. Anlage 18 dieses Schreibens) in die Bislicher Ley /Haffensche Landwehr und somit über das Grabenentwässerungssystem des Bislich-Haffenschen Fließpolders hinaus aus dem Deichhinterland.

Dort wurden an den Betonwangen eines Brückendurchlasses U-Profile befestigt, in die z.B. im Juni 2016 Vierkanthölzer eingelegt wurden, um das Baggerlochwasser zurückzuhalten und am weiteren Zufluss der dahinterliegenden Ausleitgewässer (Landwehren, Leyen)  zu hindern, welche damals einen sehr hohen Pegel aufwiesen mit umliegenden Landbereichen von teilweise Flurabstand=0.

Diese Stauvorrichtung befindet sich in einem Gebiet, welches auf Tim-online mit 17,5mNN Geländehöhe angegeben wird, wobei sich dieses Hilfsmittel wie erwähnt unter der Brücke befindet und somit vermutlich noch unter 17.5 mNN. Siehe hierzu Anlage 18 dieser Stellungnahme.

Entsprechend sind Folgen zu eruieren, inwiefern es bei einem Lastfall zu einem Schwellenübertritt des Baggerseewassers hinsichtlich dieses Stauwehres kommen würde.

Niedrig gelegene Gebiete

Exemplarisch ist hier das Gebiet Jöckern ~ 17,5 mNN zu nennen, s. hierzu Anlage 17 dieser Stellungnahme.

Für diesen Bereich ergibt sich für den Lastfall eines extremen Hochwassers  (s. Anlage 17 des HG) eine Pegelhöhe des Brüggenhofsees von ~17,45 mNN. Bezugnehmend auf die „unvermeidlichen Rechentoleranzen im Dezimeterbereich“ s. S. 27 (3) wären hier also durchaus höhere Wasserstände und eine Überflutung der bebauten Gebiete möglich.

Bedeutend drastischer würde ein extremes Hochwasser für den „hydrogeologisch errechneten Endzustand“ Anlage 29 (Ist-Zustand plus Histenbruch+Vissel) ausfallen, welcher für den Brüggenhofsee ein ∆h von ~ 55cm  zusätzlich gegenüber dem Ist-Zustand bei diesem Hochwasser bedeuten würde.  Addiert man hier zu allen errechneten Ganglinien noch die Unschärfe, dürften für dieses Gebiet katastrophale Verhältnisse postuliert werden.

Nicht berücksichtigt wurde aber in diesen Szenarien der Einfluss zusätzlich hoher Grundwasserstände von landseits kommend.

In der Vergangenheit trafen oftmals starke Rheinhochwässer auf höhere Grundwasserstände bedingt durch längere Regenperioden (oder Schneeschmelzen) aufeinander.

Somit ist u.E. nach zu eruieren, um wie viel mehr die Baggerlochpegel und Grundwasserstände in den betrachteten Lastfällen noch zusätzlich durch von landseits heranströmende hohe Grundwasserstände ansteigen würden.

Auf S. 27 (3) weisen die Borchert Ingenieure deutlich darauf hin, dass die Geländehöhen überprüft werden müssen aufgrund des starken Seewasseranstieges bei einem Extremereignis.

Zwar liegen genannte Straßen hoch genug, aber dennoch sind kritische/ zu niedrige Geländehöhen zu überprüfen, damit es nicht zu einem Übertritt des Baggerlochwassers mit entsprechender Schädigung von Wohneigentum (auch hinsichtlich von Kellern) und Schäden in der Landwirtschaft kommen kann.

Diese Aufarbeitung findet sich jedoch nicht in den Antragsunterlagen.

Lastfall landseitig hoher Grundwasserstände

In den Anlagen des Gutachtens (S. 9,15,21,27) zeigen sich nahezu unveränderte Ganglinien aller Abgrabungen für den Lastfall eines Rheinmittelwassers.

An dieser Stelle zeigt sich u.E. nach die fatalerweise wohl nicht ausreichende bis fehlende Betrachtungsweise bzw. der fehlenden modelltechnisch nachgebildeten landseitig anströmenden hohen Grundwasserstände, obwohl zweimalig von den Borchert Ingenieuren auf diesen Einfluss verwiesen wird (S. 27 oben und (2)).

Im Juni 2016 hoben sich die Pegelstände der Abgrabungsgewässer unter einem Rheinmittelwasser im höheren Dezimeterbereich. Nach vorausgegangenen Starkregenfällen, sowie einem Rheinmittelwasser kam es zu wochenlang anhaltenden, äußerst hohen Grundwasserständen (z.T. kein ausreichender Flurabstand/ aufstehendes Wasser auf Wiesen und Äckern).

Würde man diesen zusätzlichen Faktor hoher Grundwasserstände noch mit in die berechnete Situation eines (Extrem-) Hochwassers einbeziehen, welcher nicht nur durch ein Starkregenereignis, sondern auch durch eine länger anhaltende Regenperiode zustande kommen kann, wäre es durchaus denkbar, dass alle errechneten Ganglinien in den Anlagen des Gutachtens erheblich höher ausfallen.

Es ist anzunehmen, das sich der Druck des Aquifers in den Baggerlöchern „entlädt“ dadurch deren Pegel wie im Juni 2016 hochtreibt und diese wiederum noch freie Bereiche des Aquifers im umliegenden Bereich „verwässern“. Darüber hinaus ist es möglich, dass diese erhöhten Wasserpegel jedoch Grundwasserabflusshindernisse darstellen, sobald sich der Grundwasserfluss wieder normalisiert, die Baggerlochpegel aber noch erhöht sind.

Bei rundum verfüllten Abgrabungen ist generell eine gewisse weitere Stopfenwirkung- Grundwasserabflussbehinderung für jede weitere Abgrabung anzusetzen.

Rahmenbedingungen und Gültigkeit des Gutachtens

Die Aussagen des Hydrogeologischen Gutachtens basieren auf den Ergebnissen eines instationären Grundwassermodelles. Nicht nur aufgrund der bisher aufgeführten Punkte, sondern auch bezüglich einer Reihe weiterer Gründe werden diese Aussagen in Frage gestellt:

1. )

  • Auf S. 28 5 (3) heißt es, dass die Ergebnisse dieses Gutachten auf „Annahmen“ für die im Uferbereich verkippten Abraumböden bzgl. deren Materialzusammensetzung und Wasserdurchlässigkeit, sowie der Vorlandverfüllung der ehemaligen Abgrabungen basieren. Auf den entscheidenden Einfluss der Vorlandverkippung für die Ergebnisse wird im Gutachten verwiesen.
  • Auf S.29 (4)  steht, dass sich das Grundwassermodell wegen der Vielzahl der Abgrabungsseen als ein sehr komplexes Modell herausgestellt habe und entsprechend sensibel auf Veränderung der Randbedingungen reagiere.
  • Im Gutachten ergeben sich z.B. auch Aussagen, die nicht miteinander kompatibel sind: 

    Zwischen dem Baggerloch „Diersfordter Waldsee“ und der geplanten Abgrabung „Histenbruch“ befindet sich eine Landbrücke (auch mit Wohnbebauung). Der Grundwasserstand wird für diese Landbrücke in den Anlagen 6 und 12 mit 15.5 mNN angegeben. Die Seepegel-Ganglinie des Baggerlochs „Diersfordter Waldsee“ wird z.B. in Anlage 9 und 15 (schwarze Linie) mit einer „Normalzustandhöhe“ von knapp 15,90mNN angegeben. Die Landbrücke ist recht schmal, z.T. ca. 100m breit und der Untergrund stark durchlässig. 

    Wie kann dann der Wasserspiegel des Diersfordter Waldsees  40 cm über dem Grundwasserspiegel dieser schmalen und wasserdurchlässigen Landbrücke sein? Eigentlich müsste der Grundwasserspiel doch aufgrund der guten Durchlässigkeit des Untergrundes und des anstehenden Wassers gleich hoch sein mit dem Baggerlochpegel?!

Zudem ist ferner auf verschiedene Punkte hinzuweisen, welche für uns die Gültigkeit des Gutachtens in Frage stellen:

2. ) Das Gutachten ist nicht aktuell sondern von 2010. Es haben sich zwischenzeitlich u.a. folgende Entwicklungen ergeben:

  • Der Stand der Auskiesungen, Verfüllungen, Dichtschürzen und der noch vorhandenen Oberflächengewässer/ Vorfluter sowie deren Management hat sich erheblich verändert.
  • Die Auskiesung Reckerfeld wird nun verfüllt und stellt somit eine Grundwasser- Abflussbarriere dar. Daneben befindet sich der Lohrwardtpolder, der streckenweise eine Lehmschürze landseitig erhält. Auch hier kommt es zu einem Abflusshindernis. Da sich das Grundwasser nun einen Weg um diese Barriere suchen muss, es auch dadurch zu Grundwassererhöhungen kommen kann, wäre auch dieser mögliche Einflussfaktor auf das zu untersuchende Gebiet zu beleuchten.
  • Die Borchert Ingenieure betrachten/berechnen die Abgrabung Histenbruch als eine große zusammenhängende Abgrabungsfläche. Diese soll -in allen Szenarien zu finden- durch eine abgedichtete Landbrücke vom Diersfordter Waldsee abgetrennt sein.

    Unter eben dieser „Randbedingung“ wurde das Gutachten erstellt, welches nach Aussage des Hydrogeologischen Gutachterbüros Borchert sensibel auf Veränderungen reagiert. Es stellt sich daher die Frage, inwieweit oder ob nachträgliche Änderungen von Rahmenbedingungen zulässig sind. Siehe hierzu: 

    Download „borchert_2010_hydrogeologie (1): Bildausschnitt mit geschlossener Landbrücke zwischen Histenbruch und Diersfordter Waldsee S.2 des hydrogeologischen Gutachtens

DARÜBER HINAUS:

Im Download „Antrag Histenbruch“ heißt es auf S. 1, dass nun die Straße Schüttwich bestehen bleibt (zwischen den dadurch entstehenden Abgrabungsseen Nord und Süd). Dies bedeutet also, das geplante Baggerloch soll nun in zwei Hälften aufgeteilt werden und das hätte u.E. nach hinsichtlich einer möglichen Änderung der hydrogeologischen Rahmenbedingungen untersucht werden sollen.

  • Im Download „Entwicklungskonzept Histenbruch“ (Ergänzung der Unterlagen) vom 23.03.2017 sollen die beiden Baggerlochhälften Histenbruch nun mit dem Diersfordter Waldsee für Kanutouren durch die Öffnung von Landbrücken miteinander verbunden werden.

    Siehe hierzu: Download: „entwicklungskonzept_histenbruch_-ergaenzung_der_antragsunterlagen_inkl_liegenschaften“
    S.2: Zwei große Öffnungen (links oben gekennzeichnet mit roten Strichen, sowie eine Öffnung rechts unten) und die nun doch plötzlich verbleibende Straße zwischen Histenbruch Nord und Histenbruch Südabgrabung

    Somit ist von einem Ausgleich der Wasserspiegelhöhen und einem entsprechend höheren Verlauf der Ganglinien für den Histenbruchsee auszugehen, also u.E. nach von einer maßgeblichen Veränderung der Randbedingungen mit abzuklärenden Folgen, bzw. dann neu zu berechnenden Zuständen.

    Dass dieser Ausgleich der Baggerloochpegelhöhen der Abgrabung Histenbruch und des Diersfordter Waldsees nicht berücksichtigt ist, zeigt sich exemplarisch in der Anlage 15 des Hydrogeologischen Gutachtens.

    Hier wird die Differenz der genannten Abgrabungsgewässer mit einem ∆h von ~ 50cm angegeben (schwarze Linie= Seepegel Diersfordter Waldsee, rot gepunktete Linie berechneter Wasserspiegel Histenbruch), welche aber in der Realität durch den Pegelausgleich aufgrund der Verbindung beider Abgrabungen (Öffnung der Landbrücke an 2 Seiten) nicht vorhanden wäre. Es käme zu einem Ausgleich der Baggerlochpegelstände dieser Abgrabungen. Alle Kurven müssten dementsprechend neuberechnet und die Folgen neu betrachtet werden, z.B. mögliche höhere Pegelstände für das Gewässer Histenbruch. Siehe hierzu auch Anlage 28 des HG.

    Siehe hierzu auch z.B. Anlage 15,16 etc. des Hydrogeologischen Gutachtens
    Unter Öffnung der Landbrücke zwischen dem Baggerloch „Diersfordter Waldsee“ und der geplanten Abgrabung „Histenbruch“ an 2 Stellen ist doch davon auszugehen, dass es zu einem Seepegelausgleich dieser Abgrabungen kommt ( schwarze Linie und rot gepunktete Linie). So müßten dann z.B. auch die Anlagen Nr 28, 16,17,27) des Hydrogeologischen Gutachtens korriegiert werden, denn auch dort sind die Seepegel mit unterschiedlicher Höher dargestellt (schwarze Linie und rot gepunktete Linie)

Auf S. 29 (8) des HG steht, dass das hydrogeologische Gutachten für diese geplante Abgrabung (Histenbruch und Vissel Süd) nur gültig sei für die Randbedingungen, die dem Grundwassermodell zugrunde gelegt seien

Bereits durch die nachträglich geplante Öffnung der Landbrücke, welche im hydrogeologischen Gutachten noch durchgängig betrachtet wurde, dürfte u.E. nach die Gültigkeit des Gutachtens in Frage zu stellen sein.

3. ) Es wäre u.E. nach erforderlich gewesen, das Grundwassermodell von 2010 dahingehend zu verifizieren, ob es aktuelle Rheinwasser- und Grundwasserstände neuerer Zeit hinreichend genau abbildet. Dazu sind umfangreiche Stichtagsmessungen erforderlich. Möglicherweise gibt es heute auch noch zusätzliche Grundwassermessstellen und Lattenpegel, die im Modell zu berücksichtigen sind. Im Gutachten gibt es lediglich Aussagen zu Grundwasserstand- Aufhöhungen im Abstrom, aber keine zu Grundwasser-Absenkungen im Anstrom. Es fehlen Aussagen zu Auswirkungen, die sich aufgrund sich ändernder Grundwasser-und Gewässerspiegel auf die Vegetation, Gebäude etc. ergeben. 

Sind zwischenzeitlich die Ergebnisse der Modellrechnungen mit dem digitalen Geländemodell verschnitten worden, so wie es der Gutachter auf S.27 vorgeschlagen hat?

4. ) Auf einem Fachgespräch mit Mitarbeitern im Umweltministerium NRW und der Bezirksregierung Düsseldorf am 01.02.2017 war seitens EDEN e.V. gefordert worden, ein umfassendes instationäres Großraummodell in Kombination mit einem Niederschlags-Abfluss-Modell zu erarbeiten, mit dem unterschiedliche hydrologische Zustände und Niederschlags-Abflussverhältnisse prognostiziert werden können.

Diesen Anforderungen wird das vorliegende Modell des Büros Borchert Ingenieure nicht gerecht.

5. ) Aus Sicht eines vorsorgenden Schutzes von Grundwasser und Oberflächengewässern ist es nicht akzeptabel, dass bei hohen Wasserständen/ Abflüssen in den Oberflächengewässern diese direkt in die Baggerseen eingeleitet werden. 

Die Oberflächengewässer bringen Verunreinigungen z.B. aus der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen in Form von Stickstoff- und Pflanzenbehandlungsmitteln sowie durch Regenwassereinläufe von Straßen mit sich.

Dieses praktizierte Vorgehen ist aus wasserrechtlicher Sicht generell mit dem Umweltministerium zu klären.( Wasserhaushaltsgesetz/EU-Wasserrahmenrichtlinie)

6. ) Im öffentlich zugänglichen Download: „antrag-histenbruch-2016“ ist der Antrag nicht von der Antragsstellerin, also der Firma Holemans, unterschrieben worden.

Ferner weisen wir darauf hin, dass die in der Anlage I.5 „Lagerstädte“ aufgezeigten Abgrabungsbereiche den BSAB (Bereich für die Sicherung und den Abbau oberflächennaher Bodenschätze) des GEP 99 überschreiten.

Der Verein EDEN e.V. hält aufgrund der Vielzahl der genannten Punkte diese Abgrabung für nicht genehmigungsfähig und fordert zum Schutz der Bevölkerung ein umfassendes instationäres Großraummodell in Kombination mit einem Niederschlags-Abfluss-Modell zu erarbeiten, mit dem unterschiedliche hydrologische Zustände und Niederschlags-Abflussverhältnisse prognostiziert werden können.

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